Internationaler Jugendfreiwilligendienst kulturweit
Freiwilligendienste bieten die Chance sich weiterzuentwickeln und soziales Engagement zu zeigen. | Foto: Jack Finnigan/Unsplash

Ins Ausland

18.05.2015

Internationaler Freiwilligendienst

Internationaler Freiwilligendienst

Ehrenamt in der Ferne

Internationaler Freiwilligendienst ist ein Sammelbegriff für verschiedenste ehrenamtliche Tätigkeiten im Ausland. Die Arbeitseinsätze finden entweder im sozialen, ök ... mehr »

Autor

02. Sep 2019

Sandra Ruppel

Freiwilligendienste

Internationaler Jugendfreiwilligendienst: kulturweit und naturweit

Jugendfreiwilligendienst: kulturweit

"Kulturweit" ist ein Freiwilligendienst der Deutschen UNESCO-Kommission, der außerdem vom Auswärtigen Amt gefördert wird. Teilnehmen können alle Jugendlichen und junge Erwachsenen zwischen 18 und 26 Jahren, die Lust haben, sich in Bildungs- oder Kultureinrichtungen zu engagieren. Die Möglichkeiten dabei sind vielfältig – und eng mit den Angeboten und Ausrichtungen der verschiedenen Partnerorganisationen verknüpft. So kann es etwa sein, dass du dich als Assistenz im Deutschunterricht, innerhalb eines Forschungsprojekts mit kulturellem Schwerpunkt oder journalistisch einsetzt – zum Beispiel in Asien, Afrika oder Lateinamerika.

Jugendfreiwilligendienst: naturweit

Wer sich vor allem für die Natur stark machen will, kann ebenfalls einen Beitrag leisten. Denn im Oktober 2018 wurde mit "naturweit" ein Schwesterprogramm des kulturweit-Freiwilligendienstes ins Leben gerufen. Hier stehen nicht Bildung und Kultur im Fokus, sondern vor allem die Umwelt. Über naturweit kannst du dich beispielsweise in Geoparks, Biosphärenreservaten und UNESCO-Naturerbestätten engagieren. Die Einsatzorte befinden sich, wie auch bei kulturweit, überall auf der Welt.

Partnerorganisationen, die mit kultur- und naturweit kooperieren:

  • Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
  • Deutsches Archäologisches Institut
  • Deutsche Welle Akademie (DW Akademie)
  • Goethe-Institut
  • Pädagogischer Austauschdienst (PAD)
  • Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
  • UNESCO-Nationalkommissionen

Über Michelle Müntefering:

Michelle Müntefering kulturweitSeit 2018 ist die SPD-Politikerin Michelle Müntefering Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt. Sie hat sich für die Erweiterung des kulturweit-Freiwilligendienstes, der 2009 von Frank Walter Steinmeier ins Leben gerufen wurde, um das Schwesterprogramm naturweit eingesetzt. Sie selbst sieht naturweit als eine Art "Ranger Praktikum" in den UNESCO-Naturstätten weltweit.

Beide Programme des Freiwilligendienstes, kulturweit ebenso wie naturweit, sollen allen jungen Menschen offenstehen – egal ob sie Abitur haben oder nicht, ob sie eine Ausbildung machen oder studieren. Was die Teilnehmenden konkret durch das Programm erfahren, was sie mitbringen sollten und wie ihr Beitrag aussieht – das verrät uns Michelle Müntefering im Interview.


Internationaler Jugendfreiwilligendienst: 5 Fragen an Michelle Müntefering

UNICUM: Frau Müntefering, was gewinnt man als junger Mensch, wenn man an natur- oder kulturweit teilnimmt?
Michelle Müntefering: Man lernt etwas komplett Neues kennen – Menschen, Kulturen und bei naturweit besonders die Natur! In der Auseinandersetzung mit dem Fremden lernt man außerdem immer auch etwas über sich selbst. Besonders für junge Menschen, die ihren Platz in der Welt suchen, ist das wichtig. Man muss sich vorstellen, man reist in die älteste Wüste der Welt und arbeitet dort sechs Monate für den Naturerhalt – ich glaube, so ein Freiwilligendienst prägt das eigene Leben und die Sicht auf die Welt grundlegend.

Was sollte man mitbringen, wenn man sich für kultur- oder naturweit entscheidet?
Neugierde, Offenheit und eine Portion Abenteuerlust. Denn die Teilnehmer gehen aus ihrem Leben hinaus und beschreiten im wahrsten Sinne neue Pfade. Darauf muss man sich einlassen wollen – das ist das Wichtigste, wenn man sich bewirbt.

Sie sind selbst viel im Ausland unterwegs – was ist das Wichtigste, das Sie durch Reisen, Auslandsaufenthalte und den interkulturellen Austausch über sich erfahren haben?
Leider habe ich als Jugendliche selbst nie an kulturweit teilgenommen, während meiner Schulzeit war ich aber in den USA. Das war eine meiner ersten Auslandserfahrungen: Wir haben mitgeholfen, eine Schule für Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner aufzubauen. Das hat mich noch lange beeindruckt.

Heute bin ich als Staatsministerin viel unterwegs, etwa in Afrika. Da habe ich Überraschendes erlebt. Beispielsweise habe ich junge Leute getroffen, die an Dünger-Drohnen arbeiten. Sie kümmern sich also mit digitaler Technologie um die Landwirtschaft. Ich bin überzeugt: Gerade heute müssen wir international zusammenarbeiten und uns gegen Populismus und Nationalismus stellen. Alexander von Humboldt hat gesagt: "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben." Das stimmt.

Wenn die Teilnehmer zurückkommen, haben sie zusätzliche Erfahrungen und Eindrücke im Gepäck, um sich nochmal auf andere Weise gegen Rechts stark zu machen?
Diese Erfahrungen tragen dazu bei, im Leben eine Haltung einnehmen zu können. Etwa: Für Kooperationen mit anderen einzutreten. In vielen Fällen werden auch persönliche Freundschaften geschlossen, die ein Leben lang tragen. Die Perspektive ändert sich. Nicht nur geografisch. Das brauchen wir – eine junge Generation, mit einem differenzierten Blick auf die Welt, die sich der globalen Verantwortung bewusst und  gefeit ist vor Rechtsradikalismus, vor dem Rückfall in den Nationalismus. Deswegen setzen wir im Auswärtigen Amt darauf, nicht etwa ins Ausland zu gehen und zu sagen: Wir wissen alles besser. Sondern wir sagen: Wir wollen etwas besser machen.

Was raten Sie Teilnehmern, die schon vor Ort sind und merken, dass sie sich der Aufgabe doch nicht gewachsen fühlen?
Erstmal will ich all denen, die schon unterwegs sind, sagen: Ihr seid nicht allein. Wir sind da. Unsere Botschaften sind da, unsere Ansprechpartner in der Einsatzstelle sind da und die Mitarbeiter von naturweit - und die stehen allen immer mit Rat und Tat zur Seite. Sicher gilt es auch mal Heimweh zu überwinden, aber auch das geht vorbei. Und: Heimkommen und dann all das Erlebte mit Familie und Freunden zu teilen, ist ja auch ein schöner Teil der Reise. Darauf darf man sich auch freuen.

Durch Freiwilligendienst Persönlichkeit entwickeln und Bewusstsein schaffen

Ziel der beiden Freiwilligendienste ist es also, die Teilnehmer darin zu unterstützen, ihre eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Die Erfahrungen, die im Ausland und durch die Arbeit in den verschiedenen Einsatzstellen gemacht werden, können schließlich genutzt werden, um wiederum bei anderen das Bewusstsein für Probleme wie den Klimawandel zu schärfen und insgesamt den Blick auf das gesellschaftliche und kulturelle Erbe der Menschheit zu lenken.


kulturweit & naturweit im Überblick

  • Seit wann bestehen die Freiwilligendienste?
    Kulturweit gibt es bereits seit 2009, das Schwesterprogramm naturweit ist im Herbst 2018 an den Start gegangen.
  • Wer kann sich bewerben?
    Jugendliche zwischen 18 und 26 Jahren, die ihren Hauptwohnsitz in Deutschland haben. Da beide Programme explizit als Jugendfreiwilligendienste angelegt sind, ist die Teilnahme nur möglich, wenn man bis zum Ende des gesamten Einsatzes nicht älter als 26 Jahre ist.
  • Wann kann man sich bewerben?
    Immer im Frühjahr und im Herbst für die Teilnahme im darauffolgenden Jahr. Aktuell kannst du dich noch bis zum 2. Dezember 2019 um 12.00 Uhr mittags für einen Start des Freiwilligendienstes im September 2020 bewerben. Die Frist gilt sowohl für den kulturweit als auch für den naturweit-Freiwilligendienst. Mehr Infos zu den Fristen bekommst du auf der Bewerbungsseite von kulturweit.
  • Wie lange dauert der Einsatz?
    Im kulturweit-Freiwilligendienst kannst dich für 6 oder 12 Monate einsetzen, im naturweit-Programm 6 Monate.
  • Gibt es Unterstützung?
    Während deines Einsatzes erhältst du mit monatlich 350 Euro einen Zuschuss zu Unterkunft, Verpflegung und sonstigen Ausgaben. Du bist außerdem über das kulturweit-Programm versichert und die Deutsche UNESCO-Kommission übernimmt in dieser Zeit deine Beiträge zur Sozialversicherung in Deutschland. Neben der finanziellen Unterstützung wird dein Einsatz außerdem von Vor-, Zwischen- und Nachbereitungsseminaren begleitet und du besuchst einen Sprachkurs.
  • Wo liegen die Einsatzstellen?
    Weltweit, du kannst bei deiner Bewerbung eine Wunschregion angeben. Allerdings kannst du dich nicht konkret auf ein Einsatzland oder eine ganz bestimmte Einsatzstelle bewerben. Der Einsatz über kultur- oder naturweit wird als Freiwilliges Soziales Jahr anerkannt.
  • Mehr Informationen findest du auf der Seite des kulturweit-Freiwilligendienstes.

Artikel-Bewertung:

3.16 von 5 Sternen bei 261 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: