Feuerwehr Ausbildung Team
Der WDR hat für seine Doku-Serie "Feuer & Flamme" ein Team der Feuerwehr Gelsenkirchen begleitet. | Foto: Carolin Streckmann
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14. Feb 2019

Carolin Streckmann

Ausbildung

Feuerwehr Ausbildung: Vom Kindheitstraum zum Alltagshelden

Wir haben mit Feuerwehrmännern über ihren Job gesprochen.

Traumberuf: Feuerwehrmann/-frau

Das rote Löschfahrzeug als Spielzeug ist sicher in vielen Kinderzimmern zu finden. Die Autos faszinieren kleine Jungs und Mädchen ebenso wie die Alltagshelden, die diese Autos fahren. "Man sieht die großen roten Autos und möchte da mitfahren. Es ist aber erstmal noch ganz weit weg, weil man vorher erstmal noch ne handwerkliche Ausbildung braucht und die Schule zu Ende machen muss", erklärt Feuerwehrmann Tom, der seinen Kindheitstraum wahr gemacht hat. Er ist einer der Feuerwehrmänner, die in der WDR-Doku-Reihe begleitet werden. Nach der Schule hat er zunächst eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker gemacht, danach eine Weile als Fitnesstrainer gearbeitet und sich schließlich für die Feuerwehr-Ausbildung beworben.

Die Feuerwehr-Ausbildung baut auf einer Ausbildung oder einem Studium auf

Während unseres Rundgangs durch die Feuer- und Rettungswache Buer treffen wir auch Michael Axinger, Leiter der Feuerwehr Gelsenkirchen. Er stellt uns die verschiedenen Laufbahnen vor, die zu einer Karriere bei der Feuerwehr führen können: "Für die Laufbahngruppe 1 muss man eine Schulausbildung haben, also mindestens Hauptschul- oder Realschulabschluss, und dann eine handwerkliche Berufsausbildung gemacht haben, möglichst in einem technischen Bereich." Im Anschluss könne man sich bei der Feuerwehr bewerben. Nach erfolgreichem Auswahlverfahren durchläuft man eine 18-monatige Ausbildung zum Brandmeister.

Ansonsten gebe es laut Axinger die Möglichkeit, im Anschluss an ein Studium, das für die Feuerwehr geeignet ist – also etwas Technisches oder Naturwissenschaftliches – eine Führungsposition anzustreben und in die Laufbahngruppe 2 einzusteigen. "Das Ganze nennt sich Brandoberinspektoren-Ausbildung", erklärt Axinger. Mit einem Master-Abschluss seien sogar eine noch höhere Position und weitere Verantwortung möglich.

Feuerwehr Ausbildung Feuerwehrmann

Das Auswahlverfahren

Doch zunächst einmal muss die Hürde des Aufnahmeverfahrens überwunden werden. Und das ist nicht leicht, erklärt Tom: "Viele wollen den Beruf machen und das hat dann bei mir auch ein bisschen gedauert." Drei Jahre lang hat er sich bei verschiedenen Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen und sogar in Frankfurt beworben. Die einzelnen Feuerwehren haben oft hunderte Bewerber, nehmen jedoch nur wenige an.

Die Bewerber müssen zeigen, dass sie geistig und körperlich für den Beruf geeignet sind.  "Der Eignungstest ist eigentlich in drei große Bereiche geteilt", berichtet Axinger. "Erstens ist es das handwerkliche Können für die Laufbahngruppe 1. Dann ein theoretischer Test mit Rechtschreibung, Mathematik und Allgemeinwissen. Und als drittes dann der Sporttest." Bei dem gehe es um Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Balance, also um Aspekte, die für die Feuerwehrleute im Arbeitsalltag wichtig sind. "Es gibt da viele Punkte, auf die man sich aber auch eigentlich ziemlich gut vorbereiten kann", fasst Axinger zusammen.

Theorie und Praxis in der Ausbildung

Der Weg durch die Feuerwache führt in einen Gang auf der zweiten Etage zum Ausbildungstrakt der Feuerwehr- und Rettungsschule. Hier bekommen die neuen Feuerwehranwärter theoretischen Unterricht über Gefahrstoffe, Löschmittel und Anatomie. Dabei spielen Naturwissenschaften eine wichtige Rolle. An nachgebauten Modellen einer Stadt können auch strategische Übungen durchgeführt werden. Draußen im großen Innenhof lernen die Auszubildenden die Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge kennen und machen erste praktische Übungen: Leitern aufstellen, Schläuche ankuppeln oder verschiedene Gerätschaften bedienen.

Noch praktischer wird es im Brandübungshaus: Dort werden Übungseinsätze unter realen Bedingungen durchgeführt. "Und dann in der nächsten Zeit gehen die Auszubildenden auch immer wieder zu Praktika auf die Wachen. Außerdem machen sie in der Zwischenzeit ihren Führerschein für LKW  und den Sanitäter-Lehrgang. So werden sie langsam aber sicher herangeführt an diese Arbeit", berichtet Axinger.

Arbeitsalltag: mehr Rettungswagen, weniger Großbrand

Wenn die Ausbildung dann erstmal geschafft ist, geht es in den Feuerwehr-Alltag. Doch der besteht nicht immer aus Brandeinsätzen, wie Axinger erklärt: "Es ist die Katze, die vom Baum gerettet werden muss, es ist der Wasserrohrbruch, es ist der Ölfleck auf der Straße – es sind die tausend Kleinigkeiten." Und der Rettungsdienst. Der macht für die Feuerwehr in Gelsenkirchen einen Großteil der Einsätze aus, denn in NRW ist die Feuerwehr Träger des Rettungsdienstes. Die Rettungswagen sind in der Wache in Gelsenkirchen daher ebenso präsent wie die Löschzüge.

Dieser Teil der Arbeit ist dabei auch oft die größte Herausforderung für die Feuerwehrleute, denn nicht immer können sie einem Patienten helfen. "Das muss halt jeder mit sich selbst ausmachen können. Und das ist schwer", erklärt Tom. Da hilft es nur bedingt, sich zuvor mental darauf einzustellen. Doch obwohl man das, was man bei den Einsätzen sieht, mit sich selbst ausmachen muss, wird man dabei nicht allein gelassen. "Das Schöne ist halt, dass man den Rückhalt auf der Wachabteilung hat und dass man da mit den Kollegen drüber reden kann, wenn mal wirklich etwas sein sollte", betont Tom. Zu diesem Zweck werden extra Kollegen fortgebildet, die dann bei Bedarf psychologischen Beistand leisten können.

Feuerwehrleute müssen körperlich topfit seinFeuerwehr Ausbildung Leiter Feuerwehr Gelsenkirchen

Der Arbeitsalltag eines Feuerwehrmanns besteht jedoch nicht nur aus den Einsätzen. In Gelsenkirchen arbeiten die Feuerwehrleute aufgeteilt auf drei Wachabteilungen. Eine Wachabteilung ist jeden dritten Tag im Dienst und zwar für 24 Stunden. In der Wache sieht man daher neben Büros und Besprechungsräumen auch Ruheräume, Gemeinschaftsräume und Fitnessräume.

Gerade die sind sehr wichtig, denn Fitness ist auch nach dem Sporttest im Einstellungsverfahren essentiell für Feuerwehrleute, um bei Einsätzen die eigene Sicherheit und die der Kollegen und Betroffenen zu sichern. Wer zur Feuerwehr möchte, darf also kein Sportmuffel sein. Davon berichtet auch Tom: "Wir haben Dienstsport. Der wird meistens morgens oder im Laufe des Vormittags verrichtet. Oder halt in der Freizeit. Da gehe ich an mehreren Tagen ins Fitnessstudio."

Das Team – eine wichtige Gemeinschaft

Zu den Gemeinschaftsräumen, die wir auf der Wache Buer sehen, gehört unter anderem eine Küche mit angeschlossenem Speiseraum. Hier wird mehrmals täglich zusammen gegessen und auch das Kochen übernehmen die Feuerwehrleute selbst. "Das hört sich immer so doof an, aber wir sind eine große WG", erzählt Tom. Das Team wird hier eben sehr groß geschrieben. Und das ist wichtig, denn im Einsatz muss man sich zu hundert Prozent aufeinander verlassen können. Tom erzählt uns, dass das Wort "Team" dem eigentlich gar nicht gerecht wird: "Es ist eine Familie, man lernt hier nicht nur Arbeitskollegen kennen, sondern auch Freunde fürs Leben."

Das Team – oder eben die Familie – besteht jedoch fast ausschließlich aus Männern. Michael Axinger erzählt uns, dass es in Gelsenkirchen drei Feuerwehrfrauen gibt, eine davon in einer Führungsposition. Nicht viele Frauen erfüllen die Voraussetzungen für eine Ausbildung bei der Feuerwehr. Aufgrund der durchschnittlich geringeren Körpergröße sind die physischen Ansprüche ein Problem. "Und so eine Lehre im technischen Beruf ist bei Frauen ja auch immer noch eine Seltenheit", gibt Axinger zu bedenken. Das soll aber nicht heißen, dass Frauen keine Chance bei der Feuerwehr haben. "Wir sind da offen", betont er.

Alltagshelden: Das Risiko gehört dazu

Eine Sache sollte man nicht vergessen: Feuerwehrleute riskieren regelmäßig ihr eigenes Wohlergehen. Das wird beim Rundgang durch die Wache Buer deutlich, wenn man die Schutzmaßnahmen wie Schutzkleidung und Atemmasken sieht, die die Retter davor bewahren sollen, selbst in Gefahr zu geraten. "Man ist sich des Risikos für einen selbst auf jeden Fall sehr bewusst. Aber ich glaube, durch die gute Ausbildung sind wir alle da sehr gut gewappnet", versichert Tom. Risiko auf der einen Seite, einen spannenden und sehr abwechslungsreichen Beruf, bei dem man Menschen täglich helfen kann, auf der anderen Seite – das zeichnet den Beruf der Feuerwehrleute wohl aus. Unser Besuch auf der Feuer- und Rettungswache Buer in Gelsenkirchen hat das zumindest bestätigt.

"Feuer & Flamme" im WDR-Fernsehen

Wenn du mehr über die Arbeit der Feuerwehrleute erfahren möchtest, kannst du bei der WDR-Doku "Feuer & Flamme" authentische Einblicke bekommen. Die zweite Staffel läuft seit Montag, den 21. Januar, jeweils um 20.15 Uhr im WDR-Fernsehen. Die erste Staffel steht außerdem in der WDR-Mediathek als Stream zur Verfügung. ("Feuer & Flamme" in der WDR-Mediathek streamen.)

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