Ausbildung Überblick
Im Handwerk finden Abiturienten schnell einen Ausbildungsplatz | Foto: Thinkstock/gpointstudio
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28. Apr 2016

Sebastian Wolking

Ausbildung

Die Ausbildung im Überblick

Nach dem Abi muss der nächste Schritt nicht immer die Uni sein

Wie läuft eine Ausbildung ab?

Deutschland gibt es rund 330 anerkannte Ausbildungsberufe. Jeder einzelne hat seine ganz speziellen Inhalte. Grundsätzlich dauert eine Ausbildung zwischen zwei und dreieinhalb Jahren: Der Azubi verbringt einen Teil davon in seinem Betrieb, einen Teil in der Berufsschule. Die Ausbildung ist also in einen theoretischen und einen praktischen Teil aufgegliedert.

Diese so genannte duale Berufsausbildung ist laut Experten ein gewichtiger Grund dafür, dass Deutschland wirtschaftlich so stark ist und viele qualifizierte Fachkräfte hervorbringt. Das bedeutet: Wer hierzulande eine Ausbildung absolviert, hat für seinen weiteren Lebensweg nicht die schlechtesten Perspektiven.

Nicht zu verwechseln ist die duale Berufsausbildung mit jener in speziellen Berufsfachschulen oder -kollegs, wie es sie für bestimmte Berufe gibt. Eine Alternative sind auch die so genannten Abiturientenprogramme. Diese werden bevorzugt von Handelsunternehmen wie Lidl, Kaufland, Aldi oder Rewe angeboten. Sie dauern drei Jahre, in denen kaufmännische Ausbildung und Weiterbildung zum Handelsfachwirt kombiniert werden – später kann der Aufstieg zum Filialleiter winken.

Lohnt sich eine Ausbildung?

Kurze Antwort: Ja. Mit einer Berufsausbildung verdient man – rechnet man das ganze Arbeitsleben zusammen – im Schnitt fast eine Viertelmillion Euro mehr als ohne. Das hat eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergeben. Mit einer Berufsausbildung erhält man demnach durchschnittlich 1.325.000 Euro – vorausgesetzt, man arbeitet durchgängig zwischen dem 19. und 65. Lebensjahr in Vollzeit. Ohne Ausbildung und Abitur kommt man dagegen nur auf 1.083.000 Euro.

Am Anfang spürt man vom soliden Verdienst freilich noch nicht so viel: Denn in der Ausbildung ist das Gehalt meist noch recht mager, aber schon ab dem 20. Lebensjahr haben Menschen mit Ausbildung im Schnitt jährlich 4.000 Euro mehr in der Tasche als solche ohne Ausbildung. Danach nimmt der Abstand immer weiter zu.

Wahr ist auch: Ein Hochschulstudium ist finanziell oft noch weitaus lohnenswerter als eine Ausbildung. Aber längst nicht immer. Beispiel Kaufleute: Männer mit einer kaufmännischen Ausbildung erzielen sehr hohe Stundenlöhne, ihre Einkommensaussichten sind teilweise höher als die von Uni-Absolventen. Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ausgerechnet. Vor allem Versicherungskaufmänner und Kaufmänner in der Buchhaltung liegen finanziell weit vorne. Auch Männer mit abgeschlossener Ausbildung im Rechnungswesen, im Transport sowie im Bereich Versicherungen und Finanzen verdienen überdurchschnittlich gut.

Bei den Frauen ist eine Ausbildung in den Bereichen Marketing, Medien und Werbung, Informatik, Medizinische Dienste, Versicherung und Finanzen, Fremdsprachen und Transporttechnik mit hohen Gehältern verbunden.

Konkrete Gehaltszahlen

Ein Verdienst-Beispiel: Systemadministratoren steigen nach Angaben der Personalvermittlung Robert Half mit 36.000 bis 45.000 Euro jährlich in den Beruf ein – ein sehr ordentliches Einstiegsgehalt. Ihr Verdienst kann nach einigen Berufsjahren auf über 66.000 Euro anwachsen. Realistische Chancen auf eine Stelle als Systemadministrator hat derjenige, der vorher etwa eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert hat.

Ein Vergleich dazu: Für Geschichts- und Kulturwissenschaftler beträgt das durchschnittliche Einstiegsgehalt nach der Uni nur knapp 30.000 Euro – deutlich weniger also. An der Verdienst-Spitze der Uni-Absolventen liegen die Wirtschaftsingenieure mit knapp 47.000 Euro im Schnitt pro Jahr zu Berufsbeginn.

Was grundsätzlich aber noch zu beachten ist: Das Risiko, hinterher in einem schlecht bezahlten Job zu landen, ist bei einer Berufsausbildung vergleichsweise gering. Das liegt daran, dass Azubis meist in ihrem erlernten Beruf bleiben, während Studenten oft in fachfremden Bereichen arbeiten – die Einkommensspanne ist bei ihnen damit deutlich größer.


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Wie sehen die Jobchancen nach einer Ausbildung aus?

Grundsätzlich gilt: Die Chancen für junge Menschen, einen Ausbildungsplatz zu finden, haben sich in Deutschland in den letzten Jahren deutlich verbessert. Beispiel Berlin: 2007 kamen auf 77 Lehrstellen in der Hauptstadt noch 100 Bewerber, 2013 waren es bereits 91 Lehrstellen pro 100 Bewerber. In Bayern stritten sich 2007 – statistisch gesehen – noch 100 Bewerber um 88 Lehrstellen, 2013 waren es 101. Damit gab es im Freistaat also schon mehr Ausbildungsplätze als angehende Azubis. Insgesamt wurden 2013 in ganz Deutschland 563.000 Ausbildungsplätze gezählt und 613.000 Bewerber – was eine historisch kleine Differenz ergibt.

Aber: Von den Lehrstellen blieben trotz des Überangebots an Bewerbern 30.000 Plätze unbesetzt. Das liegt unter anderem daran, dass es vor allem Hauptschüler oder Schulabgänger in der Gunst der Betriebe schwer haben. Häufig bleibt ein offener Platz eher frei, als dass er mit einem Geringqualifzierten besetzt wird. Abiturienten dagegen werden mit Kusshand genommen – und stellen in vielen Ausbildungsberufen längst die Mehrheit.

Ein Viertel aller Azubis hat schon Abitur, das hat eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung ergeben. 2009 war es nur jeder Fünfte. Besonders beliebt sind der Beruf des Industriekaufmanns (bzw. der -frau), der Bankkaufmann und der Kaufmann im Groß- und Außenhandel – diese drei Berufe wählen Abiturienten am häufigsten.

Daneben gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Ausbildungsberufe, in denen überdurchschnittlich viele Azubis mit Abitur zu finden sind: Dazu zählen unter anderem Bauzeichner, Tourismuskaufleute, Augenoptiker, Erzieher oder Immobilienkaufleute. Ohnehin wählt fast die Hälfte aller Azubis mit Abitur einen von nur zehn Berufen, die allesamt im Dienstleistungsbereich angesiedelt sind. Das ist einerseits verständlich, da es sich um besonders attraktive Berufe handelt. Andererseits ist die Konkurrenz in diesen Jobs deutlich größer, die Chance auf den eigenen Wunschplatz daher nicht immer riesig.


In diesen Ausbildungsberufen gibt es mehr Bewerber als freie Stellen:

  • Gestalter für visuelles Marketing
  • Tierpfleger
  • Mediengestalter in Bild und Ton
  • Sport- und Fitnesskaufleute
  • Mediengestalter in Digital und Print
  • Fotografen 
  • Informations- und Telekommunikationssystem- Elektroniker
  • Tiermedizinische Fachangestellte
  • Veranstaltungskaufleute
  • Biologielaboranten
  • Fachkräfte für Schutz und Sicherheit
  • Kaufleute für Büromanagement
  • Pferdewirte
  • Fahrzeuglackierer
  • Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste

Folgerichtig ist im Rennen um die begehrtesten Plätze längst nicht jeder Abiturient erfolgreich. 2010 hatten nur 17,5 Prozent aller erfolglosen Bewerber Abitur, 2014 waren es schon 25,5 Prozent. Das liegt allerdings auch daran, dass generell immer mehr Schüler Abitur machen, ihr Anteil also insgesamt steigt. Außerdem fokussieren sich Abiturienten eben verstärkt auf kaufmännische Berufe, weniger auf Berufe in der Produktion und im Handwerk.

In den kaufmännischen Jobs hat schon jeder dritte Azubi Abitur, in den Handwerks-Berufen lediglich jeder zehnte. Wer also gerne praktisch arbeitet und mit einer Karriere im Handwerk liebäugelt, hat als Abiturient allerbeste Aussichten.


In diesen Ausbildungsberufen gibt es viele unbesetzte Stellen:

  • Restaurantfachleute
  • Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk
  • Klempner
  • Fleischer
  • Fachleute für Systemgastronomie
  • Bäcker
  • Drogisten
  • Tierwirte
  • Köche
  • Gebäudereiniger
  • Fachkräfte für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice

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