Ausbildung statt Studium
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18. Mai 2015

Ricarda Gruhl

Ausbildung

Ausbildung statt Studium?

Zahlen und Fakten zum Ausbildungsmarkt

Entwicklung des Ausbildungsmarktes

Der Anteil der Abiturienten in Ausbildung steigt kontinuierlich an. Hatten 2005 noch 17,7 Prozent aller Auszubildenden die Schule mit Abitur abgeschlossen, stieg der Anteil bis 2011 auf 23 Prozent. Der Anteil an weiblichen Azubis mit (Fach-)Hochschulreife lag mit 28 Prozent höher als der ihrer männlichen Kollegen, von denen nur 19 Prozent das Abitur hatten. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Unternehmen und Betriebe sind vor allem in Deutschland um den stark vertretenen Mittelstand besorgt, weil die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen von Jahr zu Jahr ansteigt, die Schülerzahlen langfristig sinken und in naher Zukunft ein Fachkräftemangel droht. Zudem erhalten immer mehr Schulabgänger das Abitur, der Anteil an Studienanfängern steigt stark an. Ausbildung statt Studium ist da eine echte Alternative. Einige Industrie- und Handelskammern, zum Beispiel in Karlsruhe oder Rostock, bieten daher auch Studienabbrechern eine zweite Laufbahn als Azubi an, um dem Lehrlingsmangel entgegenzuwirken. Die IHK Nord Westfalen lockt Abiturienten mit dem Slogan "Schock deine Eltern! Mach ’ne Lehre!".

Für den Einstieg in bestimmte berufliche Laufbahnen, zum Beispiel als Polizist im öffentlichen Dienst, als Fluglotse oder für Ausbildungen mit dem Ziel Führungskraft ist das Abitur Pflicht.

Formen der Ausbildung

  • Normale Ausbildung: Man unterscheidet zwischen betrieblichen und schulischen Ausbildungen. Betriebliche Ausbildungen bieten eine Kombination aus Berufsschule und Praxis in einem Betrieb. Schulische Ausbildungen erfolgen ausschließlich an einer Berufsschule. Der Anteil an Azubis in der betrieblichen Form ist etwa doppelt so hoch wie in der schulischen. Die durchschnittliche Ausbildungsdauer von 2 bis 3,5 Jahren kann mit Abitur bis um 1 Jahr verkürzt werden. Anschließend geht’s zur Weiterbildung zum Meister oder Fachwirt, ins Studium oder direkt in den Beruf.
  • Ausbildung inklusive Weiterbildung: Verbindet die normale Ausbildung mit einer Weiterbildung zur Führungskraft, die vom Arbeitgeber bezahlt wird, zum Beispiel zum Wirtschaftsfachwirt oder Industriemeister. Dauert im Durchschnitt etwa 4 Jahre. Die Ausbildereignung gehört ebenfalls zum Lehrumfang. Duales Studium: Verbindet das Hochschulstudium direkt mit einer praxisbezogenen Ausbildung. Das bedeutet zwar doppelte Belastung, aber die Studenten stehen mit dem Gehalt aus der Ausbildung finanziell gut da und erhalten sowohl einen Berufs- als auch einen international anerkannten Bachelor-Abschluss.
  • "Alternative zum Studium": Diese Sonderausbildung speziell für Abiturienten wird nur bei bestimmten Unternehmen angeboten. Die Ausbildung dauert 2 bis 3 Jahre, wobei nach 2 Jahren der Berufsabschluss erfolgt, ein Jahr später die Zusatzqualifikation, zum Beispiel zum Handelsfachwirt oder geprüften Handelsassistenten. Welche Unternehmen die Ausbildung anbieten, kann man unter dem Stichwort AusbildungPlus bei der Agentur für Arbeit nachfragen.

Zahlen und Fakten

  • Allgemein: 24 Prozent aller Ausbildungsverträge wurden 2011 vorzeitig wieder gelöst, wobei der Anteil an gelösten Verträgen von Azubis mit Abitur nur bei 14 Prozent lag. Auszubildende mit (Fach-) Hochschulreife erzielten eine Erfolgsquote von 97 Prozent bei den Abschlussprüfungen 2011, der Durchschnitt lag bei 89 Prozent. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
  • Anteil an Abiturienten: Der Anteil an Abiturienten ist in künstlerischen Handwerksberufen wie Goldschmied, Fotograf oder Hörgeräteakustiker besonders hoch. (Quelle: Augsburger Allgemeine)
  • Das Gehalt: Die durchschnittlichen Gehälter für Auszubildende steigen fortlaufend, weisen allerdings je nach Berufsgruppe oder Region erhebliche Unterschiede auf.
  • Wichtig: Die Bewerbungsfristen für Ausbildungen enden meist im Jahr vor dem Abitur. Wer Interesse hat, sollte sich rechtzeitig um einen Ausbildungsplatz bemühen, um direkt nach dem Abi einsteigen zu können.

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