Mats Hummels Interview
Mats Hummels im Interview mit UNICUM Abi-Autorin Simone Zettier | Foto: Privat
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27. Mai 2014

Simone Zettier

Promis

Mats Hummels: Ohne Abi zum großen Erfolg

-ARCHIV-

Der Fußball-Profi über seine Schulzeit

In der 12. Klasse hat Mats die Schule abgebrochen

UNICUM: Mats, warum Fußball?  
Mats Hummels: Es war immer schon das große Ziel, der große Traum (Fußballprofi zu werden, Anm. d. Red). Angefangen hat das mit vier oder fünf Jahren, aber ich habe spät gemerkt, dass es auch realisierbar  ist – mit 16 in der U17. Da merkt man, es ist umsetzbar und man ist nicht schlechter als die anderen, sondern vielleicht sogar überlegen.  

Hat die Schule unter deiner Leidenschaft gelitten?   
Erst als es intensiver wurde und in Richtung Profikarriere ging. Ich war in der fünften und sechsten Klasse auf einer Schule, die mit den Fußballvereinen in München kooperiert hat. Da war ich sogar extrem gut, war aber von 7 Uhr bis 20.30 Uhr nicht zuhause. Das war mir mit zwölf Jahren etwas zu viel. Dann bin ich auf eine normale Schule gegangen. Die Noten haben dann vielleicht ein bisschen unter dem Fußball gelitten, aber theoretisch kann man es schon unter einen Hut bringen. In der Jugend haben wir erst um 17.30 Uhr trainiert. Die Problematik kam erst mit dem Übergang zu den Amateuren, bei denen auch Einheiten am Morgen angesetzt werden. Da kam es dann zu den ersten Überschneidungen.

Du hast ja trotzdem noch relativ lange – bis zur 12. Klasse – durchgehalten…
Das stimmt. Der Entschluss aufzuhören, kam erst, als ich bei Bayern München einen Profivertrag abgeschlossen habe. Das war der Moment, in dem ich wusste, Fußball steht jetzt über allem. Da habe ich beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen, bin aber noch ein halbes Jahr zur Schule gegangen. Ich habe aber schon gemerkt, dass es dann bei mir von der Motivation her sehr nachgelassen hat. Ich saß dann mit 18 Jahren oft in der Schule und hätte parallel bei Bayern München mit den Profis trainieren können. Dann musste ich irgendwann eine Entscheidung treffen. Die habe ich anscheinend richtig getroffen, was aber auch ein wenig riskant war.

"Ich bin der Einzige, der das Abi nicht geschafft hat"

Hast du noch Freunde aus der Schulzeit?
Mein ganzer enger Freundeskreis besteht komplett aus Leuten aus der Schulzeit, mit denen ich in der Jugend zusammen gespielt habe.  

Ist es für dich und deine Freunde nicht komisch, in sehr unterschiedlichen Welten zu leben?
Nein, wir sind im Umgang miteinander komplett normal. Es hat sich nie etwas geändert und das ist schön. Außerdem haben wir auch mal gerne rumgefrotzelt. Die haben alle das Abitur, ich bin der einzige, der das nicht geschafft hat. Dann wurde ich immer damit aufgezogen. Ich habe natürlich inzwischen ein paar andere Karten ausspielen können. Irgendwann hat einer von den Jungs aber gesagt: Bildung ist das höchste Gut. Dann habe ich aufgehört. Mit dem Satz habe ich mich besiegen lassen.  

Deine Mutter hat in Hamm früher erfolgreich in der 2. Bundesliga Wasserball gespielt. Hast du das mal ausprobiert?
Wir haben das nur im Sportunterricht gespielt. Ich erinnere mich noch, dass ich ihre Badekappe im Schwimmunterricht getragen habe. Mit den Ohrenschützern wurde ich dann immer leicht zum Gespött, weil die anderen so etwas noch nicht gesehen hatten. Mir hat das damals Spaß gemacht, aber ich bin nicht der begnadetste Schwimmer auf Erden, den Teil hat meine Mutter wohl für sich behalten bei der Vererbung.

"Ich hatte nie das Verlangen nach Party machen"

Du warst 17, als die WM in Deutschland war. Weißt du noch, wie du die Zeit erlebt hast?
Das ist alles noch sehr nah, weil es für mich als Fußballfan die emotionalste Zeit überhaupt war. Ich war im Stadion beim Achtelfinale gegen Schweden, beim Viertelfinale beim Public Viewing im Olympiastadion und nach den Spielen auf der Leopoldstraße feiern. Das war als Deutschlandfan der Höhepunkt, den man bisher erleben durfte. Das waren drei Wochen pure Ekstase – bis Italien getroffen hat.

Was wäre noch einmal dein großer Traum im Fußball, den du gerne erreichen würdest?
Im Fußball ist ja bei mir schon relativ viel geglückt. Ein Titel mit der Nationalelf, in der Champions League und einmal zusammen mit meinem Bruder in einer Mannschaft spielen – das wären die drei Sachen, die ich mir wünschen würde.

Solltest du einmal Kinder haben und die würden deinen Weg einschlagen wollen, würdest du das unterstützen?
Auf jeden Fall. In meinen Augen hatte ich in meiner Kindheit sehr viele schöne Momente durch den Sport, weil man viele Leute kennen lernt, Freunde findet und gesund aufwächst. Man kann mehr essen, wenn man mehr Sport macht. Es gibt viele Vorteile.

Aber nicht nur Vorteile, du hast sicher auch einiges durch den Sport verpasst, oder?
Sicher, aber ich hatte nie das Verlangen nach Party machen oder Alkohol trinken, weil es mir nie geschmeckt hat und immer noch nicht schmeckt. Ich konnte trotzdem was mit Freunden unternehmen. Wir sind oft kicken gegangen, weil wir das alle gern gemacht haben. In der Schule sieht man sich ja eh die ganze Zeit. Deswegen hatte ich nicht das Gefühl, dass ich etwas verpasst habe.


Mats Hummels kurz und kompakt

  • Welche Erfindung müsste für dich unbedingt her?
    Irgendwas, wodurch ich jeden Tag mein Ben and Jerry's Eis essen könnte, ohne Nachteil auf der Waage zu haben.
     
  • Für welchen Künstlernamen würdest du dich entscheiden?
    Bei Computerspielen hat man sich ja auch schon mal Künstlernamen gegeben, ich hieß mal Boom Boom, mein Bruder Magician. Magician fänd ich gut.
     
  • Hund oder Katze?
    Ganz klar Hund. Als Kind hatte ich zwei Hunde, jetzt einen weißen Foxred Labrador, also klarer Sieg für den Hund.

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