Silbermond Interview
Sängerin Stefanie Kloß und ihre Bandkollegen von Silbermond | Foto: Harald Hoffmann
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27. Mär 2017

Simone Zettier

Musik

Silbermond, singt ihr bald auf Englisch? "Wir sagen niemals nie!"

"Man sollte immer das machen, worauf man Lust hat"

UNICUM: Mittlerweile werden fast mehr deutsche als englische Titel im Radio gespielt, als ihr angefangen habt, war das noch anders. Euer Kollege Mark Forster bemängelte kürzlich, es gebe immer mehr Masse statt Klasse. Sehr Ihr das genauso?
Stefanie Kloß: Ich finde, auf Deutsch zu singen, ist mittlerweile selbstverständlich – und so soll es auch sein. Das ist eine positive Entwicklung, weil Deutsch unsere Muttersprache ist. Es gibt ja nichts Intuitiveres, als in der Sprache zu singen, in der du auch sprichst und aufgewachsen bist. Deswegen finde ich es immer noch positiv, wenn Leute auf Deutsch texten und sich der Ehrlichkeit der deutschen Sprache stellen. Denn jeder kann sofort einschätzen, worüber man singt und ob er das gut findet. Was einen Künstler einzigartig oder charakteristisch macht, ist nicht die Sprache, in der er singt, sondern dessen Stil.

Euer aktuelles Album "Leichtes Gepäck" habt ihr in den USA in Nashville aufgenommen. Gibt es irgendwann einmal ein englischsprachiges Silbermond-Album?
Wir sagen niemals nie, aber momentan ist das für uns kein Thema. Bei "Sing meinen Song" (Stefanie ist Teil der neuen Staffel auf Vox, d.Red.) gab es diese Herausforderung, dass einige Leute, die noch nie auf Englisch gesungen haben, dies plötzlich tun mussten, und umgekehrt genauso. Einige haben das dann für sich entdeckt. Das Schöne ist ja, dass Musik völlig frei ist. Man sollte immer das machen, worauf man Lust hat. Wir texten besser auf Deutsch, im Englischen können wir uns nicht so ausdrücken, wie wir gerne würden.

Habt ihr überhaupt die Gelegenheit bei euren Konzerten, euch zwischendurch einmal die Stadt anzuschauen?
Meistens ist es leider wirklich so, dass man nur die Location an sich sieht. In einigen Städten wie Hamburg, München, Leipzig oder Dresden waren wir ja schon öfter. Wenn man häufiger vor Ort ist, schafft man es eher, sich das eine oder andere anzuschauen. Gerade in den kleineren Städten, wo man nicht so oft hinkommt, ist es ein bisschen schade, dass man meistens nicht viel davon sieht. Normalerweise kommen wir vormittags mit unserem Nightliner an, dann duscht man schnell, danach stehen der Soundcheck und Interviews auf dem Programm und zum Abschluss spielen wir. Danach ist der Tag auch meistens schon wieder vorbei und wir steigen in unseren Bus und fahren in die nächste Stadt. Aber wir bemühen uns immer, etwas zu sehen, spazieren zu gehen oder uns etwas Spezielles anzuschauen.

Junge Bands haben es heutzutage schwerer

Ihr seid vielseitig engagiert, aktuell auch bei dem Verein "Cultures Interactive". Warum ist das euch wichtig?
Bei den Aktionen, bei denen wir uns engagieren, stehen wir inhaltlich voll dahinter. Bei "Cultures Interactives" gefällt uns, dass der Verein die Verständigung der Jugendlichen untereinander fördert. Das ist gerade in der heutigen Zeit, wo uns das Thema Zuwanderung so sehr beschäftigt, sehr wichtig. Es gibt so viele Jugendliche, die nicht wissen, wo sie hingehören. Dann besteht Gefahr, dass sie auf die schiefe Bahn geraten. Dort setzt "Cultures Interactives" an. Das Projekt, das wir unterstützen, startet mit einem Workshop in einem Jugendhaus in Bautzen, unserer Heimatstadt.

Im Gegensatz dazu habt ihr durch die Musik schon früh gewusst, wo ihr hingehört.
Wir haben das Glück, dass wir aus geregelten Familienverhältnissen kommen. Wir hatten alle ein gutes Elternhaus und sind in einer schönen, kleinen Stadt aufgewachsen. Aber es gibt eben auch Jugendliche, die nicht so einen stabilen Background haben. Darum geht es bei dem Projekt. Ziel ist es, Anlaufstellen für Jugendliche zu schaffen – durch die Einrichtung von Jugendhäusern oder auch Bandräumen. Wir haben unser Interesse in der Jugend stark auf die Musik gerichtet und gemerkt, wenn man einmal etwas gefunden hat, das einen wirklich begeistert, dann konzentriert man sich darauf und macht keinen anderen Scheiß. So war es auf jeden Fall bei mir, ich habe in der Jugend jede freie Minute mit Musik verbracht. So kann das bei den Jugendlichen von heute funktionieren, wenn man herausfindet, was sie wirklich interessiert. Die Musik ist da eine Ausdrucksweise.

Generell ist es euch als ehemalige Schülerband wichtig, Talente zu fördern. Was denkst du, ist es heute einfacher erfolgreich zu werden? 
Ich glaube, es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Ich finde es prinzipiell gut, wenn sich Dinge neu entwickeln, wie beispielsweise Instagram, Facebook, Twitter oder Youtube. Damit lässt sich viel Positives schaffen, man kann mit seiner Musik beispielsweise sehr viele Menschen sehr schnell und auf die unterschiedlichste Art erreichen. Auf der anderen Seite stellt man sich die Frage, wie junge Bands das Ganze finanzieren können, überhaupt einen Song aufzunehmen. Sie brauchen dafür mindestens schon einmal einen Laptop. Und selbst wenn sie das Equipment dafür haben, bleibt die Frage, ob sie irgendwann einmal davon leben können. Es reicht ja nicht, nur Songs zu veröffentlichen, letzten Endes muss sie auch jemand kaufen. Und irgendwer muss ja auch die Instrumente und die Zeit im Proberaum bezahlen. Da haben es meiner Meinung nach junge Bands heutzutage schwerer.

Silbermond Stefanie Kloß

Marteria, Kraftklub, Kaleo: Das ist Stefanie Kloß' persönliche Playlist

Was hast du aktuell auf deiner Playlist?
Ich höre gerne Playlisten, die zu einem bestimmten Thema passen und lasse mich da auch gerne inspirieren. Aktuell höre ich gerne die Band Kaleo. Gestern waren wir auf einem Konzert von Judith Holofernes (die ehemalige Sängerin von "Wir sind Helden", d.Red), das fand ich ziemlich cool. Denn Judith hat ja schon viel für die deutsche Musiklandschaft getan. Ich bin sehr gespannt auf die neue Platte von Marteria und freue mich total auf das Album von Kraftklub. Ich bleibe schon eher bei deutschen Interpreten hängen, auch Bilderbuch mag ich beispielsweise. Mich interessiert, wie die Kollegen an Texte herangehen und finde das auch immer sehr inspirierend. Aber mir gefallen auch die neuen Songs von Ed Sheeran sehr gut und generell auch amerikanische Bands wie Incubus. Die Musik muss immer zu meiner Stimmung passen.


InfoSilbermond kurz & kompakt

  • Aktuelles Album: Leichtes Gepäck
  • Aktuelle Single: Das Leichteste der Welt
  • Aktuell auf Tour mit "Leichtes Gepäck", nächster Termin ist am 18. Mai im Palladium in Köln, in Ahlen/Westfalen schnuppern sie am 4. April schon einmal Open-Air-Luft bei einem "Umsonst & Draußen"-Konzert
  • Aktuell im TV: Sängerin Stefanie Kloß ist zusammen mit "TheBossHoss", Lena Meyer-Landruth, Mark Forster, Gentleman, Moses Pelham und Michael Patrick Kelly Teil der dritten Staffel von "Sing meinen Song", dafür war die ganze Band im Februar zu Drehaufnahmen in Südafrika
  • Gut zu wissen: Auch wenn die Bandteilnehmer alleine unterwegs sind – wie beispielsweise Stefanie Kloß als Jurorin bei "The Voice" – teilen sie sich die Einnahmen
  • Mehr unter www.silbermond.de

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