Fifth Harmony Girlband
Quirlig und talentiert: Fifth Harmony | Foto: © Sony Music
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31. Mai 2016

Steffen Rüth

Musik

Fifth Harmony: Mädchenmusik

Die Girlband im Interview

"Heiß und lustig und selbstbewusst"

Sich diese fünf Namen zu merken, ist also in jeder Hinsicht absolut angebracht, aber auch deutlich leichter gesagt als getan. Hilft ja nichts, also: Ally Brooke Hernandez, Normani Kordei Hamilton, Lauren Michelle Jauregui, Karla Camila Cabello und Dinah Jane Hansen heißen die fünf, ethnisch tüchtig durchmischten, Mädchen.

Sie sind zwischen 18 und 22 Jahren alt und auf züchtige Weise ziemlich sexy. Im Video zur aktuellen Single "Work from Home", in der es inhaltlich eher um die zwischenmenschliche Arbeit am Körper des Partners geht, beflirten sie eine Gruppe von schwitzenden Bauarbeitern irgendwie zwischen sehr softem Porno und Selbstironie. "Heiß und lustig und selbstbewusst wollen wir rüberkommen", sagen die Mädels.



Echte Menschen – keine Marionetten

Seit vier Jahren leben die fünf vornehmlich aus großen, bunten Rollkoffern. Die meiste Zeit verbringen sie gerade entweder auf Tournee oder im Hotel in Los Angeles, dem Hauptquartier des Quintetts. Eine eigene Wohnung hat keine der jungen Frauen. Haben sie ein paar freie Tage am Stück, geht es zu den Familien, die verstreut in Florida, Georgia, Texas und Kalifornien wohnen. "Unser Leben ist verrückt und super toll", sagt Ally, die Bandälteste. "Wir sind stolz und glücklich, dass wir unsere Leidenschaft ausleben dürfen." Was medientrainierte All American Girls halt so von sich geben, wenn sie in London an einem runden Tisch europäischen Presseleuten gegenübersitzen.

Trotzdem: Sind sie junge, echte Menschen – keine Marionetten. Wie sich die fünf einen einzigen Teller Fritten teilen, indem sie ihn hin und her schieben, schmatzen, sich kabbeln und während ihrer formvollendeten Statements die Münder mit Ketchup beschmieren, ist schon ein sehr niedlicher Anblick. "Wir sind die wichtigsten Menschen im Leben der jeweils anderen geworden", so Camila. "Allerdings hätten wir nie gedacht, wie wenig Glamour und wie viel Blut, Schweiß und Tränen dieser Job mit sich bringt."

Zwischen Karriere und Heimweh

Schaut man mal genauer oder auch mal länger hin, bekommt die fröhliche, perfekt ausgeleuchtete Fassade eben manch einen Riss. "Wir vermissen unsere Liebsten", sagt Normani Kordei und wiederholen später die anderen, mehr als einmal, auch mehr als zweimal. "Aber wir sind eine Art Ersatzfamilie füreinander geworden. Wir lachen zusammen, und wir trösten uns gegenseitig." Zwei der Mädchen sagen, sie machten gerade eine harte Zeit durch, ohne Details zu nennen.

Bei einigen sind Familienmitglieder und Freunde gestorben, ohne dass sie da sein konnten, das Leben als Girlgroup auf der Überholspur kann einsam und traurig machen. "Reich und berühmt zu sein ist kein Ziel als solches", sagt Cabelo, die reflektierteste und melancholischte der fünf. "Es geht nicht um Chartpositionen, sondern darum, deine Leidenschaft ausleben und die Sachen machen zu können, auf die du stolz bist."


Fifth Harmony Gruppenfoto


Collage einer Castingshowband

Die Mädchen sind, ganz so wie früher, von Profis zusammengecastet worden. Ursprünglich traten sie als Einzelteilnehmerinnen bei "The X Factor" an, wurden dann aber von Simon Cowell, dem Chef der Show, zur Gruppe umgewidmet, am 27. Juli 2012 geschah dies, was den Albumtitel "7/27" erklärt.

Die Musik? So, wie man sich das vorstellt. Viel R&B, noch mehr Pop, mannigfaltige Einflüsse, zig Songschreiber und Produzenten, bisschen frühe Destiny’s Child, bisschen mehr Pussycat Dolls, eine Prise Spice Girls, ein Hauch Salt’n‘Pepa. Auf dem neuen Album ist der Sound rhythmischer und noch temporeicher als auf dem ersten, zudem gibt es etwas mehr Love und etwas weniger selbstbewusste, nachwuchsfeministische Mädchenpower als auf dem Debüt "Reflection" vom letzten Jahr. "Wir sind Frauen, wir haben Gefühle, die wir zeigen wollen. Am Anfang hatten wir das Image, immer stark und tough zu sein, jetzt sind wir erwachsener, erfahrener und haben facettenreichere Persönlichkeiten."

Die Fritten sind nun alle, sie tunken den restlichen Ketchup mit Weißbrot auf. "Das Album ist sehr divers und sehr urban." Noch mehr Schlagwörter aus dem Proseminar "Vermarktung in der Musikindustrie" also, was Fifth Harmony sagen wollen, ist: Es gibt jetzt auch mal eine Ballade, einen Gastauftritt von Rapper Fetty Wap und einen von Missy Elliott. Die Songs sind wirklich nicht schlecht, sommerlich peppig und naturgemäß auch ziemlich austauschbar.

Selbst schreiben dürfen die fünf nicht, obwohl die eine oder andere Lust dazu hätte. "Wir machen uns nichts vor", bekennt Camila Cabelo im Stile eines Fußballprofis, "für immer wird es Fifth Harmony nicht geben. Doch so lange es so gut läuft und wir uns wohlfühlen miteinander, sind wir Profis und geben alles für dieses Projekt."



Fifth Harmony: Das Albumcover zu 7/27 | Credit: © Sony MusicUNICUM Musik-Tipp

7/27

Fifth Harmony

Sony Music

 VÖ: 27. Mai 2016

Online bestellen (Amazon): 7/27

Mehr Infos: www.fifthharmony.com

Artikel-Bewertung:

3.2 von 5 Sternen bei 189 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 01. Jun 2016 um 10:57 Uhr von Emilia Rahaus

Die Single heißt "Worth it" und nicht "Work it"

(Danke für deinen Hinweis, haben wir korrigiert. Die Redaktion)