Doom Games Test
In DOOM wird noch ganz klassisch geballert | Screenshot: Bethesda
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20. Mai 2016

Christopher Lymer

Games

DOOM

Games-Test: Hektischer Höllenritt für Nostalgiker

Dämonenplage auf dem Mars

Unsanft erwachen wir aus finsteren Träumen. Ein erster Blick in die Runde lässt keinen Zweifel daran, dass wir eine dramaturgisch ausgedehnte Einleitung hier nicht erwarten dürfen: Festgekettet in einem runenverzierten Steinsarkophag scheinen wir die Hauptattraktion eines okkulten Beschwörungsrituals zu sein, dessen zombieartige Messdiener sich nun gurgelnd, knurrend und zähnefletschend auf uns zu bewegen. Wir fackeln nicht lange, sprengen mit roher Muskelkraft die Ketten und greifen nach der nächstbesten Wumme, die – was für ein Glück! – direkt neben uns auf dem Fußboden liegt.

Keine Zeit für unnötige Grübelei: Wir drücken geschwind den Abzug, lassen ein paar Köpfe wie reife Melonen zerplatzen und machen uns schnurstracks an die Säuberung der von Dämonen überschwemmten Mars-Station, auf der wir uns befinden. Und auch wenn DOOMs Story ohne Probleme auf einen Bierdeckel passt, wollen wir dennoch erfahren, worum es geht.

Nachsitzen in der Oldschool

Wer zuletzt vornehmlich Shooter gespielt hat, die nach 1993 entstanden sind, wird möglicherweise anfangs etwas irritiert sein: Schließlich verzichtet DOOM bewusst auf einen Großteil der genreinhärenten Entwicklungen der letzten 20 Jahre. Differenzierende Bewegungsmodi wie gehen, rennen und schleichen werden komplett auf Auto-Run umgestellt, eine präzise Zielfunktion gibt es nicht, ebenso wie ein Nachladen von Waffen – die Knarre des DOOM-Marines ist entweder voll oder leer. Auch unsere Lebensenergie regeneriert sich nicht von selbst, sondern muss durch aufgesammelte Medikits wiederhergestellt werden.

Abgesehen vom Retro-Effekt mögen diese Designentscheidungen zwar dazu dienen, uns voll und ganz auf das Wesentliche, nämlich die rasanten und effektlastigen Feuergefechte, zu konzentrieren. Tatsächlich arten letztere aber gerade deshalb allzu häufig in chaotisches und hektisches Geballer aus, das jedwedes taktische Vorgehen ausschließt.



Eine Prise State-of-the-Art darf schon sein

Restlos verschließt sich DOOM allerdings nicht den zeitgenössischen Konzepten des Genres: Neben Level-Herausforderungen und freischaltbaren Kodex-Einträgen bekommen wir auch die Gelegenheit, unser wachsendes Waffenarsenal mit Mods zu bestücken. Somit können wir neue Feuer-Modi freischalten und diese kontinuierlich verbessern. Auch unser Kampfanzug lässt sich upgraden, um passive Fähigkeiten zu aktivieren. Diese Verbesserungen nehmen wir vornehmlich durch den Einsatz verschiedener Ressourcen vor, die in den Level-Abschnitten von DOOM verstreut sind. Allerdings erweist sich die Suche danach häufig als recht herausfordernd.

Die Karten, auf denen wir uns bewegen, erweisen sich nämlich zum Teil als ziemlich groß, unübersichtlich und arg verschachtelt. Auch die Übersicht, die wir im Menü aufrufen können, bietet leider nur eine mangelhafte Orientierung. So bleibt es nicht aus, dass wir gelegentlich auf der Suche nach einem Item oder Missionspunkt planlos durch die Gegend irren. Insbesondere im Kontrast zum ansonsten konsequent auf Straight-Forward-Action ausgerichteten Gameplay sägen solche Situationen umso mehr an den Nerven.

Was DOOM sonst so zu bieten hat?

Selbstverständlich hat DOOM abseits der Single-Player-Kampagne auch einen kompetitiven Multiplayer-Part im Gepäck. Hier können wir in Teams gegen andere Spieler antreten und uns in sechs verschiedenen Spiel-Modi gegenseitig die Rüben von den Schultern schießen.

Ein weiteres, durchaus spannendes Feature kommt mit dem Level-Editor "Snap-Map", über den wir mittels vorgefertigter Bauteile und Versatzstücke eigene Karten für Multiplayer-Matches oder Single-Player-Erfahrungen erstellen können. Diese Werke lassen sich anschließend unkompliziert hochladen und mit der Community teilen. Hierbei lohnt es sicher, zu verfolgen, welche innovativen Erzeugnisse unseren Spielspaß in Zukunft verlängern werden.

Fazit zu DOOM

DOOM hat es sich zur Aufgabe gemacht, zeitgenössische Genre-Konventionen über den Haufen zu werfen und als traditionsverhafteter Retro-Shooter zu punkten. Ob dieser Schritt zurück für die Reihe wirklich ein Schritt nach vorne ist, darf durchaus bezweifelt werden. Denn der starke Fokus auf puristische, schnelle Action, lässt viele Aspekte wie strategischen oder dramaturgischen Tiefgang über den Tellerrand fallen. Das gilt auch für die Inszenierung: Wer sich nach DOOM 3 auf Gruselatmosphäre und Horror freut, wird von der Dwayne-The-Rock-Johnson-Szenerie enttäuscht sein.

Dennoch: DOOM ist ein optisch beeindruckender, grundsolider Shooter. Fans des Originals werden von dieser nostalgischen Neuauflage sicherlich entzückt sein; Freunde kurzweiliger Action kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Wer allerdings mehr von einem Shooter erwartet als bloßes "Zielen und Draufhalten", sollte einen Bogen um diesen Titel machen.


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3.18 von 5 Sternen bei 205 Bewertungen.

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