Familienbande DVD
Stacey (Lauren Kinsella) und Will (Aiden Gillen) in "Familienbande" | Foto: Pandora Film
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25. Mai 2016

Barbara Kotzulla

Filme

Familienbande

Irische Tragikomödie – seit dem 20. Mai auf DVD erhältlich

Ein ungleiches Gespann vor irischer Kulisse

Als die Mutter von Stacey (Lauren Kinsella) sitrbt, gibt es nur einen nahen Verwandten, der sich um die 11-Jährige kümmern kann. Allein zu diesem Zweck wird ihr Onkel Will (Aidan Gillen) frühzeitig aus seiner Haftstrafe entlassen. Warum er im Gefängnis saß, bleibt jedoch ein Geheimnis. Gemeinsam zieht das ungleiche Paar in einen Wohnwagenpark inmitten der irischen Einöde. Hier müssen sich das vorlaute Mädchen und der Melancholiker zusammenraufen – kein einfaches Unterfangen, doch mit der neuen Nachbarin Emilie (Erika Sainte) scheinen glücklichere Tage anzubrechen.

Aber die Last der Vergangenheit erschwert einen Neustart – auf ein Happy End scheint man vergeblich zu hoffen.



Leise Töne, berührende Story

Mit seinem Spielfilmdebüt ist Mark Noonan eine einfühlsame, optimistische und gleichermaßen humorvolle Tragikomödie gelungen, die man als Zuschauer nur allzu gerne in sein Herz schließt. In warmen Grau-Schattierungen fängt der Regisseur und Drehbuchautor nicht nur die raue Natur Irlands ein, sondern auch die zaghafte Suche seiner Figuren nach Geborgenheit. "Familienbande" ist ein Film der leisen Töne, die mit trockenem Witz verfeinert werden.

Zum Glück ist hier vieles nicht, wie es am Anfang scheint: Die junge Stacey ist keine unerträgliche Rotzgöre, sondern einfach ein kleines Mädchen, das etwas vorlaut seinen Platz in der Welt sucht. Will ist trotz seiner Probleme ein Realist und ein überraschend nachdenklicher Mensch. Und ein wirkliches Happy End lässt auf sich warten.

Alle Darsteller, aber natürlich allen voran Aidan Gillen und Lauren Kinsella, spielen mit einer unbändigen Natürlichkeit auf, die einfach berührt. An "Littlefinger" aus "Game of Thrones" denkt man nicht eine Sekunde, wenn man Aidan Gillen dabei beobachtet, wie er als Will versucht, das Vertrauen seiner Nichte zu gewinnen.

"Familienbande" ist kein Film für die großen Hollywood-Gefühle, sondern ganz nah an der bittersüßen Realität. Ehrlich und ohne Kitsch pendelt er gekonnt zwischen Drama, Komödie und Sozialstudie. Eine kleine Entdeckung im undurchsichtigen DVD-Dschungel.


Das DVD-Cover zu Familienbande | Foto: Pandora FilmUNICUM Filmtipp

Tragikomödie, Irland 2015

Regie: Mark Noonan

Darsteller u.a.: Aidan Gillen, Lauren Kinsella, George Pistereanu,  Erika Sainte

Verleih: Pandora Film

VÖ: 20. Mai 2016

Online bestellen (Amazon): Familienbande

Artikel-Bewertung:

3.02 von 5 Sternen bei 147 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 27. Mai 2016 um 03:48 Uhr von Wellendorf
Solche leisen Töne sind meistens die Besten. Drama, Komödie in einem - perfekt für einen schönen Abend.
Veröffentlicht am 27. Mai 2016 um 12:44 Uhr von heiner.bisslich
Der gegenseitige Kampf um Sympathie mit Wortwitz und allen Mitteln: You're Ugly Too! Ein Schlagabtausch des Onkels, der gerade aus dem Gefängnis kommt und seiner Nichte, die erst elf ist, ihre Mutter verloren hat und in einem Trailer lebt. Eine Familien-Komödie aus Irland. An sich gibt es aber gar keine Familie. Mark Noonan konzentriert sich in seinem Debüt einfach auf die beiden Hauptfiguren. Die Nichte Stacey ist ziemlich barsch, offensichtlich gewohnt, auf sich gestellt zu sein. Was sie weich erscheinen lässt, räumt sie beiseite - und dann schläft sie einfach ein. Stacey leidet an Narkolepsie. Will, der Onkel, versagt natürlich als Vater und vergisst, sich bei seinem Bewährungshelfer zu melden - schon schaltet sich das Jugendamt ein. You're Ugly Too wirkt zwar frech und haltlos, ist aber konzentriert strukturiert. Neben den beiden Hauptfiguren gibt es da noch den Ort (der wie ein dritter Hauptdarsteller fungiert) und die Vergangenheit, die nie ganz klar wird. Inwiefern war Will am Tod von Staceys Vater beteiligt? Warum musste er ins Gefängnis? Noonan umkreist seine Figuren langsam, offenbart deren Innerstes, ohne aufdringlich zu wirken. Es gibt keine grossen Gesten. Dafür weiss Noonan immer, wohin er mit seinem Film will - und er spendiert ganz am Ende einen witzigen Regie-Einfall.
Veröffentlicht am 28. Mai 2016 um 22:18 Uhr von Willi Dietrich
Sehr einfühlsam
Veröffentlicht am 30. Mai 2016 um 10:58 Uhr von Markus Peter Michael Schumann
toll