Andreas Bourani Maui
Als Halbgott Maui spricht Andreas Bourani zum ersten Mal eine Hauptrolle | ©Disney/Hanna Boussouar

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Ohne Abitur zum Halbgott: Andreas Bourani im Interview

"Die Existenzangst war mein Antrieb"

UNICUM: Du hast kurz vor dem Abi die Schule abgebrochen. Warum hast du das Ganze nicht bis zum Ende durchgezogen?
Andreas Bourani: Damit habe ich damals das Schulsystem boykottiert, das war meine Art der Rebellion. Es hat mich gestört, dass die Leistung sehr stark vom Lehrer abhängig war und dass gewisse Charaktere, die in dem System gut funktioniert haben, besser durchkamen als andere. Zum Beispiel haben Leute, die einfach nur gut auswendig lernen konnten, immer die besseren Noten bekommen – diese Art der Bewertung war mir nicht dezidiert genug. Ich wusste, dass ich Musiker werden wollte und dachte mir: Dafür brauchst du sowieso kein Abitur. Sollen die anderen mal schön an die Uni gehen und studieren, ich will lieber das Leben studieren und etwas erzählen.

Hast du deine Entscheidung jemals bereut?
Bereut habe ich das nicht, aber heute sehe ich das Ganze vielleicht als ein bisschen unvernünftig an. Meine Entscheidung war schon sehr risikoreich und ich habe lange gebraucht, um als Künstler überhaupt Geld zu verdienen und davon leben zu können. Im Nachhinein wäre das Abitur schon ein gutes Back-up gewesen, um einen Plan B zu haben. Auf der anderen Seite hat mich das aber auch immer vorangetrieben, weil ich eben wusste: Du hast kein Abitur, du musst jetzt also irgendwie Musiker werden, sonst bist du im Arsch. In gewisser Weise war diese Existenzangst also auch ein Antrieb nach vorne.

Und was haben deine Eltern gesagt?
Die haben natürlich applaudiert, das kann man sich ja vorstellen! (lacht) Meine Mutter ist Lehrerin, mein Vater Diplom-Ingenieur – die fanden das also nicht so erfrischend. Sie haben aber schnell gemerkt, dass ich unbedingt Musik machen möchte und mich auf meinem Weg unterstützt. Trotzdem haben sie mir deutlich gemacht, dass ich allein die Verantwortung dafür übernehmen muss, wenn etwas schief geht.
 


"Zum Instrumentalisten war ich zu faul."

War dir denn am Anfang deiner musikalischen Ausbildung schon klar, dass du Sänger werden willst?
Ich war auf einer musischen Schule und habe mit Klassik begonnen. Ich habe aber schnell gemerkt, dass es nicht zum Instrumentalisten schaffen kann, weil ich zu faul war, acht Stunden am Tag zu üben – außerdem waren viele der anderen Schüler schon damals viel besser als ich. Deshalb habe ich mich schon sehr früh dem Gesang zugewandt, auch, weil man in der Popmusik viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat als in der klassischen Musik. Ich wusste also ziemlich schnell: Diesen Weg will ich gehen, das ist mein Ziel.

Du hast 2003 selbst an der ZDF-Castingshow "Die Deutsche Stimme" teilgenommen. Wie wichtig war das für deinen Erfolg?
Ach, überhaupt nicht! Das ist 13 Jahre her und dazwischen gab es viele, lange Jahre, in denen sich kein Mensch für mich interessiert hat. Damals waren die ganzen Casting-Shows ja noch in ihren Anfängen und wer hätte schon geglaubt, dass sie 13 Jahre später immer noch ein Thema sind? Also ich jedenfalls nicht.

Was bringen solche Shows denn dann überhaupt?
Mir hat es damals geholfen, mich selbst auszuprobieren und ein Feedback von Leuten zu bekommen, die schon in der Branche arbeiten. Ich war unsicher und wollte Selbstbestätigung haben. Wenn man niemandem in seinem Umfeld hat, der die musikalische Leistung einschätzen kann, fehlt einem das Korrektiv, die professionelle Meinung. Das finde ich auch das Tolle als Juror bei "The Voice of Germany": Jetzt bin ich derjenige, der die Leistung der Talente bewertet, und es gibt immer noch ganz viele, die diese Möglichkeit nutzen.

Für welchen Coach würdest du dich entscheiden, wenn du auf der "The Voice"-Bühne auftreten würdest?
Ich würde immer ins Team Andreas gehen. Was soll ich denn sonst sagen?

Und wenn es das Team Andreas nicht geben würde?
Dann würde ich auch nicht zu "The Voice of Germany" gehen. Das macht ja dann überhaupt gar keinen Sinn. (lacht)



"Einmal Halbgott sein – wer sagt da nein?"

Neben deinem Job als Sänger und Juror hast du ja auch schon häufiger als Synchronsprecher gearbeitet – zuletzt hast du im neuen Disney-Film "Vaiana" dem Halbgott Maui deine Stimme geliehen. Was war an dieser Rolle besonders?
In "Vaiana" spreche ich zum ersten Mal eine Hauptrolle, die hat natürlich viel mehr Charakterzeichnung als die Nebenrollen, die ich vorher gesprochen habe. Im Original wird Maui von Dwayne Johnson gesprochen: Ein Riesen-Typ, mit 40 kg mehr Muskelmasse als ich – mindestens! Deshalb war es schon eine besondere Herausforderung, diese Figur zu füllen und mich in die Rolle einzuarbeiten. Aber es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht und war eine tolle Bereicherung.

Du sagst es bereits: Maui ist deiner Person auf den ersten Blick nicht wirklich ähnlich. Was hat dich trotzdem an der Figur gereizt?
Ich meine: Maui ist ein Halbgott – wer sagt da nein? Und das Schöne an den Disney-Filmen ist ja, dass die Figuren immer einen Reibungspunkt haben und eine Transformation durchleben. Vaiana ist im Film diejenige, die den Zusammenhalt verkörpert und ihn auch Maui beibringt. Sie zeigt ihm, dass man im Leben nicht alles alleine bewältigen kann. Ich finde es einfach toll, dass es um Bewegung und Veränderung geht. Ich selbst lebe die Veränderung und stelle mich immer wieder vor neue Herausforderungen, um meine Gewohnheiten zu durchbrechen.

Welche große Veränderung hast du selbst denn schon durchlebt?
Ich würde das gar nicht auf einen Moment reduzieren. Oft sind es die kleinen Erfahrungen, die einen dann vielleicht zu einem großen Sinneswandel bewegen. Es hat natürlich viel mit mir gemacht, meinen Traum der Musik zu verwirklichen und den Dingen zu folgen, die mich glücklich machen. Genauso, wie jetzt eine Hauptrolle zu sprechen: Das war erst nur ein Fantasiegespinst, und plötzlich ist es Realität. Wenn man mal ein bisschen nach links und rechts schaut, kann man wichtige Erfahrungen machen. Ich habe bei der Synchronisation zum Beispiel wieder sehr viel Neues über Sprache und über das Sprechen selbst gelernt.

Andreas Bourani Vaiana

"Unsere Sprache ist ständig im Wandel"

Apropos Sprache: Du bist jemand, der die deutsche Sprache liebt und in seinen Texten oft sehr poetisch ist. Macht dir der Wandel der Sprache durch soziale Netzwerke wie Facebook, WhatsApp und Co. Angst?
Die Sprache ist ja nichts Statisches, sie transformiert sich ständig und wird immer wieder anders angewandt – und die Sprache der sozialen Medien ist eben auch ein Teil davon. Ich bin jemand, der sehr an der Transformation und Bewegung, aber auch an der Vielfalt der Sprache interessiert ist. Diese Vielfalt hole ich dann in meine Texte, indem ich versuche, alte Begriffe wiederzubeleben. "Ein hoch auf uns" ist zum Beispiel eine Redewendung, die eher veraltet ist, aber ich habe sie praktisch wieder zurück in unseren Sprachgebrauch geholt.

Bist du denn generell ein Mensch, der Wert auf Traditionen legt?
Es ist mir schon wichtig, gewisse Werte aufrechtzuerhalten und sich immer zu seinen Wurzeln zu besinnen. Das ist ja auch eine Botschaft in "Vaiana": Sie setzt sich sehr für den Erhalt der Natur und der Umgebung ein, in der sie lebt. Umweltschutz ist momentan ein sehr aktuelles Thema und natürlich auch etwas, was mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich bin aber zum Beispiel auch in Weihnachtsbräuchen verhaftet: Wir feiern Weihnachten immer sehr traditionell, mit Lebkuchen, Gans – das total klassische Paket. Wir nutzen die besinnliche Jahreszeit, um viel Zeit miteinander zu verbringen und viele Gespräche zu führen. Das ist für mich eigentlich das Wichtigste an Weihnachten. Da muss man dann auch schon mal sein Smartphone zur Seite legen, aber das ist für mich kein Problem. Dieses Jahr wird es sogar besonders leicht für mich, weil ich nach Vietnam fliege und dort wahrscheinlich sowieso kein Handynetz haben werde. (lacht)


Vaiana PlakatUNICUM Kino-Tipp:

Vaiana - Das Paradies hat einen Haken

Animation, USA 2016

Deutsche Stimmen u.a.: Andreas Bourani, Lina Larissa Strahl

Verleih: Walt Disney

Kinostart: 22. Dezember 2016

Mehr Infos unter filme.disney.de/vaiana

 

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