Quarks & Co.
Das Studio der WDR-Show "Quarks & Co." | Alle Fotos: Moritz Hagedorn
Autorenbild

04. Sep 2013

Merel Neuheuser

News

Zu Besuch bei "Quarks & Co"

-ARCHIV-

UNICUM Abi trifft Ranga Yogeshwar

Ein menschgewordenes Wissenschaftslexikon

Ein Fernsehstudio ist eine Welt in einer Welt. Die eine, die der Zuschauer als altbekanntes Studio mit immer denselben Möbel und Farben kennt. Die andere ist die reale Welt rund um das Stück Studio, in dem wir Zuschauer die Moderatoren umhertigern sehen. Oha, "Moderator", das ist etwas, das der Herr dieser Welt nicht hören will: "Quarks & Co"-Frontmann Ranga Yogeshwar. "Sag bitte NIE 'Moderator'. Moderatoren sind Leute, die kleidet man chic und setzt sie irgendwo rein und dann lesen sie ihre Kärtchen ab. Hier geht’s darum, selber Hand anzulegen!" lautet die Erklärung des Wissenschaftsjournalisten.

Übrigens gar nicht so einfach, fortan auf das M…-Wort zu verzichten (dabei schreibt es der WDR ja selber auf der Homepage). Tatsächlich soll das Zitat im weiteren Verlauf des Drehs gut wiedergeben, wie das menschgewordene Wissenschaftslexikon tickt, denn Ranga Yogeshwar hält sein Team auf Trab – indem er wirklich überall mitmischt.

Ein Blick hinter die Kulissen der TV-Produktion

Beim UNICUM Abi Besuch steht "Werbung" auf dem Themenplan des wöchentlichen Wissenschaftsmagazins. Es geht darum, wie Werbung uns beeinflusst, wie sie funktioniert oder auch, was sie kostet. Was der Zuschauer auf kompakten 45 Minuten zu sehen bekommt, dauert in der Produktion natürlich viel länger. Die "Einspieler", also Videos, die zu einzelnen Themen gezeigt werden und nicht im Studio handeln, werden vorproduziert und sind bereits fertig, als Ranga Yogeshwar vor die Kamera tritt. Genau genommen sind es natürlich mehrere Kameras, die im Studio herumflitzen.

Wenn Yogeshwar unmittelbar vor einer dieser menschenhohen Riesenaugen steht und seinen Text einspricht, wirkt das erst einmal befremdlich, denn er spricht mit der Kamera, als sei sie ein Mensch. Theoretisch könnte er dabei den Text dank des "Teleprompters" ablesen. Der sorgt dafür, dass der Text, den die Redaktion zuvor verfasst hat, auf der Kamera zu lesen ist. Yogeshwar macht das nicht. "Ich sichte den Text vorab und passe ihn für mich an, so kann ich viel freier sprechen."

Leicht macht er es sich nicht. Und auch seinem Team nicht. Nach jedem Abschnitt geht es sofort zur Kontrolle des Materials. Findet Yogeshwar das Ergebnis nicht optimal, wird die Passage wiederholt. Grund ist manchmal nur eine Kleinigkeit, die Laienaugen fast nicht wahrnehmen würden. Aber der "Quarks & Co"-Gründer ist gründlich. Und auf den Punkt konzentriert. Gerade noch sprach er mit einem Mitarbeiter, da bekommt er das Zeichen, dass die Aufnahme in wenigen Sekunden startet. Umdrehen, Rücken straffen und schon entsteht die nächste Episode "Quarks & Co".


Ranga Yogeshwar im Interview

Ranga Yogeshwar | Foto: Moritz HagedornUNICUM: Was macht für dich "Quarks & Co" aus?
Ranga Yogeshwar: Es ist so, dass wir in der heutigen, sehr konkurrierenden medialen Gesellschaft etwas nicht machen: Wir orientieren uns nicht am Zuschauer, sondern wir geben ihm Orientierungshilfen. Das Zweite ist, dass wir bestimmte Kriterien haben: Wir machen keine Sendung auf Kosten von Menschen und wir sind zur Wahrheit verpflichtet. Es geht darum, Relevanz von Irrelevantem zu trennen. Was heute in der Mediengesellschaft ein Riesenproblem ist. Es klingt total trivial für einen Journalisten: Wenn du recherchierst, dann nicht nur über Wikipedia und Hörensagen. Geh zu den Quellen, schau es dir an, mach dir die Finger schmutzig, denke selber. Ich finde es auch viel ehrlicher, Haltung zu beziehen. Natürlich unter Wahrung journalistischer Regeln.

Was genau unterscheidet einen Wissenschaftsjournalisten von anderen Journalisten?
Wenn man genau hinschaut, wahrscheinlich sogar weniger, als man denkt. Egal in welcher Disziplin – ein Journalist sollte etwas vom Inhalt verstehen, sollte glaubwürdig sein und möglicherweise sogar eine Haltung beziehen. Aber er sollte auch versuchen, den Zuschauer möglichst allumfassend und korrekt zu informieren. Insofern ist diese Unterscheidung eine, die lediglich auf das Sujet Einfluss hat. Wir haben einmal den höchstdotierten Wirtschaftsjournalistenpreis bekommen, weil wir, in Zeiten, als die Börse total durchdrehte, einfach nur erklärt haben, was die Börse ist. Wir haben einfach festgestellt: Viele Leute reden darüber, aber verstehen es nicht.

Versäumt die Schule da was?
Die Schule kann das zum Teil nicht leisten. Das hat auch damit zu tun, dass wir in einer sehr komplexen Welt leben, bei der die Schule ein elementares Rüstzeug aufbereitet. Bei der aber aktuelle Zusammenhänge im Curriculum der Schule nicht mehr eins zu eins abgebildet werden können. Die Schule kann aber das Rüstzeug vermitteln, danach mit einer etwas größeren Leichtigkeit das eine oder andere zu verstehen oder es zu erschließen. Und die Schule hat, glaube ich, eine noch wichtigere Funktion darin, dir beizubringen, Dinge zu hinterfragen und nicht automatisch zu akzeptieren. Das ist für mich auch ein Selbstverständnis im Journalismus. Dass ich am Ende dem Zuschauer vermitteln möchte: Okay, ich übernehme nicht das Denken für dich. Das musst du selber machen.

Was denkst du, wie gut das der Schule gelingt? Zum Beispiel bei deinen Kindern …
Die Schule ist ein Thema, das mitunter traurig stimmt. Für mich persönlich eine der großen Enttäuschungen der letzten 30 Jahre, in denen ich einfach feststellen musste, dass in Deutschland sehr viel über Bildung geredet und sehr wenig gemacht wird. Das fängt bei ganz einfachen Dingen an: bei der Frage, wie man Bildung deutschlandweit organisiert. Es ist völlig absurd, dass heute in Bayern Mathematik anders gelehrt wird als in Hamburg. Das ist eine Unterlassungssünde der Politik und das kann man nur immer wieder unterstreichen. Das Zweite ist, und das ist ein Trend, den ich gefährlich finde, dass Bildung und auch Schulbildung immer mehr unter dem Gesichtspunkt von Utilitarismus gesehen werden. Also – ich muss etwas lernen, das mir später im Beruf etwas bringt. Schule und Bildung haben aber auch in meinem Verständnis die Funktion, einem die Welt zu öffnen und viele Bereiche, die nicht unbedingt in ein Businessmodell münden, zu vermitteln.


Kurz & kompakt

  • Das Wissenschaftsmagazin "Quarks & Co" wird jeden Dienstag um 21 Uhr im WDR ausgestrahlt und dauert 45 Minuten. In der WDR Mediathek könnt ihr die Sendungen auch später noch sehen.
  • Jede Sendung steht unter einem (häufig aktuellen) Thema.
  • Manchmal wird Ranga Yogeshwar von Ralph Caspers vertreten. Dann heißt die Sendung "Quarks & Caspers".
  • Mehr zu "Quarks & Co" findest du unter www.wdr.de

Artikel-Bewertung:

3.3 von 5 Sternen bei 127 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: