Widener Library Harvard
Die Widener Library der Harvard University | Alle Fotos: Marie-Charlotte Maas
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15. Feb 2016

Marie-Charlotte Maas

Ins Ausland

Studieren in Harvard

Ein deutscher Student unter den Besten

Die zweitbeste Hochschule der Welt

Erst ein paar Wochen ist Karl Källenius in den USA und doch hat man das Gefühl, dass er bereits dazugehört: Zum inneren Kreis der Elitestudenten an der berühmten Harvard University, die bereits große Namen wie Barack Obama, Bill Gates und Mark Zuckerberg hervorgebracht hat. Gerade erst wurde die Uni in einem Ranking zur zweitbesten Hochschule der Welt gewählt.

Beim Rundgang über den Campus mit den fast 400 Jahre alten Backsteingebäuden und großzügigen Rasenflächen, auf denen die Studenten in der Sonne sitzen, grüßt er mal hier, mal dort. Vor einem großen Gebäude bleibt er kurz stehen. "Diese Bibliothek hat 24 Stunden geöffnet", sagt er, "dort lernen vor allem die 'freshmen', also diejenigen, die gerade mit dem Studium angefangen haben."

Wie kommt man als Deutscher nach Harvard?

Studiert in Harvard: Karl KälleniusVon rund 37.000 Bewerbern nahm Harvard für dieses Studienjahr nur 1.990 an – das sind weniger als fünf Prozent. Wie kommt ein 19-Jähriger aus Stuttgart hierher? "Ich wollte immer in den USA studieren", erzählt Karl. "Mir gefällt der Gedanke, dass man sich nicht sofort für einen Studiengang festlegen muss, sondern dass man in den ersten drei Semestern bis zu fünf verschiedene Fächer belegen kann."

Karl hat sich für Politik, Philosophie und Französisch entschieden. Hinzu kommt ein Mathe-Kurs, der Pflicht für jeden Neu-Studierenden ist. Seine Begeisterung für die USA rührt auch daher, dass er als Kind mit seiner Familie einige Jahre dort gelebt hat. Als 16-Jähriger verbrachte er außerdem ein Schuljahr in Kalifornien. Englisch spricht der Sohn einer Deutschen und eines Schweden darum fließend. Doch sehr gute Sprachkenntnisse sind es nicht, die darüber entscheiden, ob jemand einen Studienplatz in Harvard bekommt. Die müssen exzellent sein, keine Frage, ebenso wie die Schulnoten und die Ergebnisse des sogenannten SAT, eines Studierfähigkeitstest, der im Multiple-Choice-Verfahren unter anderem Mathematik, kritisches Lesen und kreatives Schreiben abfragt.

Doch all das reicht nicht aus: "Harvard prüft auch die Persönlichkeit, man will keine Studenten, die nur gute Noten wollen, weil sie daraus einen Nutzen für ihr Berufsleben ziehen können, sondern solche, die sich intellektuell engagieren und sich wirklich für die Themen interessieren. Die Uni sucht darum nach Leuten, die sich leidenschaftlich für etwas begeistern können." Das kann alles sein: Vom Basketballspielen bis hin zur Kunst, vom Schreiben bis hin zum Synchronschwimmen. Nachweisen müssen angehende Studenten diese Begeisterung in einem Essay und später, wenn sie das Interesse der Auswahlkommission geweckt haben, in einem persönlichen Vorstellungsgespräch.

Annenberg Dinning Hall in Harvard

Sehnsuchtsort für gute Ausbildung

Der Rundgang über den Campus führt zu Karls Wohnheim. In diesen 'dorms' leben alle freshmen. Mit zwei amerikanischen Studenten teilt sich der Deutsche eine kleine Wohnung. Auch gegessen wird gemeinsam in einem großen Speisesaal, in dem es aussieht, als sei man in einem "Harry Potter"-Roman gelandet. "Die Uni möchte, dass alle Neuzugänge möglichst viel Zeit miteinander verbringen, damit man nicht nur durch Veranstaltungen an der Uni lernt, sondern auch voneinander. Die Wohngruppen werden bewusst durchmischt: Verschiedene Religionen treffen hier auf verschiedene Nationalitäten, Leute mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen tauschen sich so aus."

Karls Kommilitonen kommen aus aller Welt: aus dem Libanon und Litauen, aus Serbien und Argentinien, und auch ein paar andere Deutsche sind darunter. Viele von ihnen haben sich jahrelang auf die Prüfungen vorbereitet, ihre gesamte Schulzeit darauf hingearbeitet. Harvard ist weltweit ein Sehnsuchtsort für diejenigen, die nach der besten Ausbildung streben. Der anspruchsvolle Unterricht, die spannenden Vorträge von bekannten Persönlichkeiten, die nahezu jeden Tag geboten werden – all das macht das Studium besonders.

"Wir arbeiten hier alle sehr viel. Wer möchte, bekommt um 22 Uhr sogar noch einen Snack im Speisesaal, um anschließend wieder gestärkt in die Bibliothek zurückgehen zu können", sagt Karl. Auch er arbeitet manchmal bis spät in die Nacht. "Aber das mache ich nicht, weil ich mich gezwungen fühle, sondern weil es mir Spaß macht. Ich bin nach so einem Tag zwar müde, aber glücklich, weil ich mich in etwas vertieft habe, das mich wirklich interessiert. Alles ist hier irgendwie intensiver als ich es kenne – und das genieße ich."

Nerds, die nichts anderes als Bücher und Lernen im Kopf haben, sind Karls Kommilitonen aber trotzdem nicht. In den Kneipen von Cambridge, dem Stadtteil Bostons, in dem die Uni liegt, trifft man überall Harvard-Studenten. "Unsere Dozenten ermutigen uns sogar, die Bücher einfach mal liegen zu lassen", erzählt Karl. Schließlich haben er und die anderen den wichtigsten Schritt bereits geschafft: Sie sind angekommen an einer der besten Universitäten der Welt.

Mower Hall Harvard


Mehr über Harvard:

  • Harvard ist eine von acht "Ivy-League-Universitäten", womit die prestigeträchtigsten Hochschulen der USA gemeint sind. Dazu gehören u.a. auch Princeton und Yale.
  • Die Studiengebühren liegen bei knapp 60.000 Dollar pro Jahr inklusive Zimmer und Verpflegung.
  • Über 70 Prozent der Studierenden bekommen finanzielle Unterstützung, deren Höhe vom Einkommen der Eltern abhängt. Studierende aus Familien, die weniger als 65.000 Dollar im Jahr verdienen, zahlen keine Gebühren.
  • Im Netz findest du Harvard unter www.harvard.edu

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