Nathan der Weise Zusammenfassung
"Nathan der Weise" fällt in die Zeit der Aufklärung, dessen Vertreter Lessing war. | Foto: Alex Samuels/Unsplash
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01. Apr 2019

Sherin El Safty

Abitur lernen

Nathan der Weise Zusammenfassung: Lessings Drama in Kürze!

"Nathan der Weise" ist ein typisches Drama der Aufklärung

Leider reicht es für deine Abiturprüfungen nicht nur aus, sich eine Zusammenfassung von "Nathan der Weise" durchzulesen. Zusätzlich solltest du einige grundlegende Fakten über dieses Drama auf dem Schirm haben. "Nathan der Weise" ist das letzte Werk des deutschen Dichters Gotthold Ephraim Lessing. 1779 wurde es veröffentlicht und am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt.

Damit fällt das Drama ziemlich genau in das Zeitalter der Aufklärung. Es besteht aus fünf Akten und stellt ein typisches Ideendrama dar. Dies bedeutet, dass das literarische Werk ein philosophisches Prinzip vermitteln soll. Damit die Idee deutlich im Vordergrund steht, muss der Autor weitestgehend auf eine detaillierte Ausgestaltung, besonders der einzelnen Personen, verzichten. Aus diesem Grund wird nahezu ausschließlich mit Idealtypen gearbeitet. In "Nathan der Weise" steht, wie in den meisten Werken Lessings, der Toleranzgedanke der Aufklärung im Vordergrund.

"Nathan der Weise" war zu seiner Entstehung eine literarische Antwort Lessings an den damaligen Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze. Im sogenannten Fragmentenstreit standen sich die Befürworter der "natürlichen Religion" und die Anhänger des traditionellen biblischen Glaubens gegenüber. Für Lessing, der zur ersteren Gruppierung gehörte, war die Vernunft dem Glauben übergeordnet. Zudem kritisierte er, dass die Bibel den Menschen zu Intoleranz gegenüber anderen Religionen erziehe. Johann Melchior Goeze war jedoch ein Vertreter des orthodoxen Luthertums und bestand auf die Unantastbarkeit der Bibel und auf die vorrangige Stellung des Glaubens gegenüber der Vernunft.

Nathan der Weise Zusammenfassung: Wo? Wann? Wer?

Die Handlung von "Nathan der Weise" spielt während des Dritten Kreuzzuges (1189 – 1192) zu Zeiten eines Waffenstillstandes in Jerusalem. Jerusalem stand zu dieser Zeit unter der Herrschaft des muslimischen Sultans Saladins. Christliche Kreuzfahrer wollten auf Befehl des Papstes Jerusalem zurückerobern.

Die wichtigsten Personen in "Nathan der Weise" sind:

  • der Sultan Saladin
  • Sittah (Saladins Schwester)
  • Nathan (ein reicher jüdischer Kaufmann)
  • Recha (Nathans Ziehtochter)
  • Daja (Rechas christliche Erzieherin)
  • der Tempelherr Curd von Stauffen
  • ein Derwisch
  • der christliche Patriarch von Jerusalem
  • ein Klosterbruder
  • ein Emir

Tempelritter gehörten einem Tempelorden an, die in Kreuzzügen als geistliche Militäreinheit fungierten. Patriarchen waren vor der Reformation die höchstrangigen Bischöfe in einem ihnen zugewiesenen Bezirk.

Nathan möchte den Retter seiner Tochter belohnen

Zu Beginn des ersten Aktes kehrt Nathan von einer Geschäftsreise zurück. Von Daja erfährt er, dass es in seinem Haus während seiner Abwesenheit zu einem Brand kam. Recha wäre in diesem Feuer fast gestorben, wäre sie nicht von einem bis dato unbekannten Tempelritter gerettet worden. Dieser Tempelritter war zuvor knapp der Todesstrafe durch Sultan Saladin entronnen. Saladin begnadigte ihn, weil er ihn zu sehr an seinen verstorbenen Bruder Assad erinnerte.

Nathan ist empört, als er hört, dass der Tempelritter noch nicht für seine Heldentat belohnt wurde. Daja begründet dies damit, dass er jede bisherige Einladung abgelehnt hätte und nun seit einigen Tagen verschwunden sei. Recha glaubt schon gar nicht mehr daran, dass es sich bei ihrem Retter um einen Menschen handelt, sondern ist sich sicher, dass es ein Engel, ein göttliches Wunder gewesen sein muss. Dies redet Nathan ihr allerdings aus.

Daja verursacht Probleme

Erst Nathan kann den Tempelritter überzeugen, seinem Haus einen Besuch abzustatten. Auf diese Weise erfährt er auch seinen Namen: Curd von Stauffen. Beim Anblick von Recha verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Als er daraufhin bei Nathan um ihre Hand anhält, zögert dieser. Als Nathan den Namen des Tempelritters hörte, regte sich nämlich eine Erinnerung an die leibliche Familie Rechas in ihm. Bevor er dieser Heirat zustimmt, möchte Nathan sicherstellen, dass keine Verwandtschaft zwischen Recha und dem Tempelritter besteht. Da der Tempelritter all dies nicht weiß, versteht er Nathans Zögern als eine harsche Abweisung und wird sehr wütend. Daja erzählt ihm zusätzlich, dass Recha ursprünglich aus einer christlichen Familie stamme. Aus ihrer Sicht habe Nathan großes Unrecht damit getan, dass er eine Christin unwissend jüdisch erzog.

Der Tempelritter ist sich uneins darüber und wendet sich deswegen ratsuchend an den christlichen Patriarchen von Jerusalem. Dieser bewertet solch eine Tat als eine besonders schlimme Sünde. "Der Jude wird verbrannt", urteilt er. Obwohl der Tempelritter all dies als einen hypothetischen Fall schildert, begreift der Patriarch, dass es sich hierbei um einen echten Fall handelt. Aus diesem Grund möchte er sich direkt auf die Suche nach diesem Mann machen. Den Tempelritter überfällt nun das schlechte Gewissen, da ihm bewusst wird, in welche Schwierigkeiten er Nathan gebracht hat.

Die drei Weltreligionen sind eine Familie

Währenddessen überlegt der Sultan Saladin, wie er den derzeitigen Frieden in Jerusalem wahren kann. Länger als erwartet muss er derzeit auf eine Lieferung aus Ägypten warten. Aus diesem Grund sind die Staatskassen leer, sodass er seinen Feinden zur Friedenserhaltung nichts bieten könnte. Seine Schwester Sittah rät ihm dazu, sich Geld von Nathan zu leihen, der nicht nur als weise, sondern auch als besonders reich und großzügig gilt.

Als der Sultan Nathan empfängt, gibt dieser zunächst vor, die Weisheit Nathans testen zu wollen. Er stellt ihm die Frage, welche der drei Weltreligionen, aus Nathans Sicht die Richtige sei. Nathan wittert die Falle jedoch sofort. Würde er nicht die Religion des Sultans, den Islam, nennen, würde er seinen Herrscher beleidigen. Würde er jedoch nicht das Judentum nennen, würde er sich als töricht erweisen, da er selbst ja Jude ist. Um der Falle zu entgehen, antwortet Nathan mit der Erzählung der Ringparabel. Diese begeistert den Sultan sosehr, dass er Nathan sofort die Freundschaft anbietet.

Durch Dokumente des Klosterbruders, der Recha damals vor langer Zeit zu Nathan brachte, kann Nathan nun die Ahnenlinie Rechas nachverfolgen. Hierbei stellt sich nicht nur heraus, dass Recha und der Tempelritter Geschwister sind. Recha und der Tempelritter sind ebenso die Kinder von Assad, dem verstorbenen Bruder des Sultans Saladin. Alle drei Weltreligionen, die in Krieg und Streit miteinander sind, gehören letztendlich also zu ein und derselben Familie.  Das Drama endet mit einem Happy End. Alle betroffenen Personen freuen sich ihre verloren geglaubten Verwandten wiedergefunden zu haben.


Die Figuren aus Nathan der Weise im Überblick:

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Nathan der Weise: Die Ringparabel

In der sogenannten Ringparabel geht es um einen Ring, der die Kraft besitzt, seinen Besitzer sowohl vor Gott als auch vor seinen Mitmenschen als sehr angenehm erscheinen zu lassen. Die einzige Bedingung ist, dass sein Besitzer an die Kraft des Ringes glaubt. Der jeweilige Besitzer soll den Ring immer an seinen liebsten Sohn weitervererben. So kommt es, dass ein Vater den Ring und drei Söhne hat, die er alle gleich stark liebt. Da er keinen seiner Söhne kränken will, erzählt er jedem von ihnen, dass er den Ring erben wird. Kurz vor seinem Tod lässt er zwei identische Kopien des Ringes anfertigen. Als der Vater stirbt und alle Söhne einen Ring bekommen, weiß niemand mehr, welcher dieser Ringe nun der richtige ist.

Die Brüder geraten in Streit und suchen einen Richter auf, der bestimmen soll, welcher der originale Ring ist. Aufgrund der Wunderkraft des Ringes, schlussfolgert der Richter, dass es ja einen unter den Brüdern geben müsse, der von den anderen beiden am Liebsten gemocht wird. Da dies allerdings nicht der Fall ist, ist die notwendige Konsequenz, dass der wahre Ring verloren gegangen sein muss. Aus diesem Grund rät der Richter den Brüdern, dass jeder an die Kraft seines Ringes glauben und ein rechtschaffenes, vorurteilsfreies Leben führen solle. Auf diese Weise würden sie die Wunderkraft des Ringes selbst realisieren. Welcher der Ringe dann letztendlich der richtige sei und ob es diesen überhaupt gäbe, werde sich in der Zukunft zeigen.

Die Ringparabel ist auch heute noch aktuell

Die drei Ringe stehen in der Ringparabel für die drei Weltreligionen: Islam, Judentum und Christentum. Der Vater steht für Gott und seine Söhne, für die jeweiligen Anhänger der verschiedenen Weltreligionen. Ihre Anhänger sind in ständigem Streit und sogar in Kriege verwickelt, da jeder von ihnen seine Religion als die einzig wahre betrachtet und verteidigt. Dies sei aus Sicht Nathans (oder aus Sicht Lessings) deswegen unsinnig, da alle drei Religionen, genauso wie alle Menschen, Werke Gottes seien. Somit ist vor Gott auch jeder Mensch ungeachtet seiner Religionszugehörigkeit gleich und wird gleich geliebt.

Da die Echtheit des Ringes dadurch bewiesen werden kann, wie beliebt man vor Gott und anderen Menschen wirkt, gründet sich auch die Echtheit jeder Religion in ihrer Fähigkeit Liebe zwischen den Menschen zu stiften. Die Frage nach der einzig wahren Religion bewirke jedoch das genaue Gegenteil und müsse deswegen zurückgestellt werden. Diese Thematik ist uns auch heute noch bekannt. Obwohl Lessings Drama bereits vor 240 Jahren geschrieben wurde, ist es immer noch von höchster Aktualität.

Die Ringparabel spiegelt den Toleranzgedanken der Aufklärung wider, welcher dafür stand verschiedene Überzeugungen einfach nebeneinander gelten zu lassen, ohne zu ergründen, welche nun die Richtige sei. Die vernünftige und andere Menschen zum Denken anregende Sichtweise Nathans sowie seine humanistische Handlungsweise machen Nathan zu einem Prototyp des aufgeklärten Menschen.


"Nathan der Weise" gibt es auch als Reclam Hörbuch auf Spotify:

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