Reisejournalist
Schreiben und Reisen – beides vereint der Reisejournalismus | Foto: Unsplash/Kira auf der Heide

 

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Nicht bloß "irgendwas" mit Medien...

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12. Okt 2017

Sabine Neumann

Studium

Wie wird man... Reisejournalist?

Dipl.-Journalist Oliver Graue im Interview

Als Reisejournalist ist man viele Tage im Jahr unterwegs

UNICUM: Herr Graue, warum haben Sie sich für ein Studium der Publizistik und Journalistik entschieden?
Oliver Graue: Ich habe schon während meiner Schulzeit gerne Texte geschrieben und bei Schülerzeitungen und einem Lifestylemagazin mitgemacht.

Sie sind Chefredakteur von "Biz Travel". Das ist eine Menge Verantwortung. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Sehr vielfältig. 50 Prozent der Zeit arbeite ich journalistisch, recherchiere, vergebe Themen an freie Mitarbeiter und schreibe meine Artikel, in den anderen 50 Prozent halte ich u.a. Kontakt zu der Anzeigen-und Vertriebsabteilung und bereite meine Moderationen vor. Der Tag ist gut gefüllt (lacht).

Woher nehmen Sie die Ideen für neue Themen?
Da habe ich viele Quellen. Auf Messen und Kongressen und durch persönliche Gespräche kommen mir neue Einfälle. Networking und auch Gespräche mit Travelmanagern sind da ganz wichtig,

Wieviel Tage im Jahr sind Sie beruflich unterwegs?
Naja, ich denke, es sind doch so 60 bis 70 Tage jährlich. Genau habe ich die noch nie gezählt.

Wie arbeiten Sie "vor Ort" auf Reisen? Schreiben Sie schon unterwegs Ihre Artikel?
Auf Reisen habe ich noch nie meine Texte geschrieben. Ich mache mir dann aber schon Notizen, überlege mir einen interessanten Texteinstieg und entwickle einen roten Faden.

Nordkorea war für Oliver Graue das ungewöhnlichste Ziel

Wohin ging bisher Ihre weiteste Reise?
Das war Taiwan mit 13 Stunden Flugzeit. In Taipeh habe ich alles zum Thema MICE (Meetings Incentives Conventions Exhibitions) recherchiert.

Welche Reise ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und warum?
Nordkorea war ein völlig ungewöhnliches Land für mich. Man konnte sich dort nicht frei bewegen. Zwei Reiseführer haben mich auf Schritt und Tritt begleitet.

Was ist spannend an Ihrem Arbeitsalltag?
Stets die richtigen Themen ( z.B. Hotel, Flug, Bahn usw.) für die Heftplanung zu finden.

Ging schon mal etwas schief?
Ja leider (lacht). Auf einem Titelbild von "Biz Travel" war ein Pferd abgebildet und ich habe dazu eine völlig falsche Pferderasse beschrieben. Da bekam ich ganz viele Anrufe von Lesern, denen das sofort aufgefallen war.

Ist Reisejournalist ein Traumberuf?
Ich habe nie davon geträumt, Reisejournalist zu werden. Es hat sich bei mir einfach so ergeben. Aber ich muss sagen: Ja, es macht mir Spaß. Der Beruf ist aber auch mit viel Arbeit, Hektik und Stress verbunden.

Gibt es noch ein Traumreiseziel für Sie?
Ich möchte gerne mal nach Kanada und Grönland. Die Natur dort würde mich sehr faszinieren. Mal schauen, wann es endlich klappt ...


Zur Person Oliver Graue

Oliver Graue besuchte die Deutsche Journalistenschule (DJS) in München. In Mainz und in München absolvierte er zudem das Studium der Diplom-Journalistik. Danach war der gebürtige Leverkusener beim Bayerischen Rundfunk (BR) im Bereich Wirtschaftsfunk sowie bei der Kölnische Rundschau, Neue Presse Coburg sowie Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) in Hamburg journalistisch tätig. Hier bearbeitete er fünf Jahre lang u.a. auch den Reiseteil.

Seit 2004 ist Oliver Graue Redakteur der Reise-Fachzeitschrift "fvw". Im Januar 2006 beauftragte ihn die Verlagsleitung mit der Planung eines neuen Fachmagazins über Geschäftsreisen; noch im gleichen Jahr wurde er Chefredakteur von "Biz Travel", einem Fachmagazin für alle, die Geschäftsreisen und Veranstaltungen (MICE) planen und verkaufen. Oliver Graue moderiert auf diversen Reise-Fachveranstaltungen Gesprächsrunden und tritt auch als Referent auf.

Reisejournalist Oliver Graue


Kurz& Kompakt: Karriereweg in den Reisejournalismus

Für viele Menschen ist dieser Beruf ein Traum: Dort arbeiten wo andere Urlaub machen. So einfach sieht aber der Arbeitsalltag eines Reisejournalisten gar nicht aus! Die Fertigstellung eines Artikels erfordert sorgfältige Recherche, denn ein Reisejournalist muss immer wieder Interviews zu den unterschiedlichsten Themen führen, dabei politische, kulturelle und gesellschaftliche Hintergründe des jeweiligen Landes recherchieren und auch einen spannenden Schreibstil wählen, der seine Leser fesselt.

Oft werden Artikel von Reisejournalisten auch in sozialen Netzwerken, auf Webseiten, in Online-Magazinen und Blogs veröffentlicht. Hinzu kommen für den Reisejournalisten noch organisatorische und verwaltungstechnische Aufgaben. Viele von ihnen müssen sich deshalb auch mit Content-Management-Systemen und Bildbearbeitungsprogrammen auskennen.

"Wer genau weiß, dass er in den Journalismus will, sollte dies auch studieren – entweder als Hauptstudiengang oder als Nebenfach," rät Oliver Graue. "Auch wenn es für den Beruf des Redakteurs keine vorgeschriebene Ausbildung gibt, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass Verlage solche Bewerber bevorzugen, die journalistisches Können vorzuweisen haben. Bei allen Arbeitgebern, bei denen ich bislang war, galt dies als ein entscheidendes Kriterium. Denn erfahrungsgemäß ist es einfacher, sich in ein bestimmtes Fachgebiet neu einzuarbeiten, als als Fachmann erst einmal das Schreiben zu lernen. Und wer unbedingt etwas anderes studieren will, sollte zumindest nebenher möglichst viel in den Journalismus hineinschnuppern, am besten bei klassischen Tageszeitungen im Lokalbereich – da lernt man das Handwerk besser als anderswo."

  • Ein Reisejournalist arbeitet häufig freiberuflich. Eine Festanstellung gibt es meistens nur bei großen Verlagen und Medienunternehmen.
  • Es gibt aber auch Reisejournalisten, die für das Fernsehen arbeiten und zusammen mit einem Kameramann ein kleines Team bilden. 
  • Wer Reisejournalist werden möchte darf nicht auf die Uhr schauen, denn einen geregelten Feierabend gibt es im Journalismus nicht. Idealismus, Kontaktfreudigkeit, eine gute Schreibe und Neugierde sind ein gutes Rüstzeug, um diesen interessanten Beruf auszuüben.
  • Eine praxisnahe Ausbildung zum Reisejournalisten bietet z.B. die Axel Springer Akademie in Berlin an.

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