Kameramann werden
Dreharbeiten für "Aktenzeichen XY ungelöst" | Foto: 2017 Valeria Torchiaro-Steinmeier Bavaria-Film

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16. Aug 2017

Sabine Neumann

Studium

Wie wird man Kameramann?

Interview mit Kameramann Achim Bendix

Berufseinstieg als Kameramann: Versuch´s doch einfach mal beim Fernsehen

Achim Bendix ist seit 33 Jahren Kameramann und seit 2015 festangestellt bei den Bavaria Studios in München. Zuvor arbeitete er als freier Mitarbeiter für verschiedene Produktionsfirmen und hat 1993 für ProSiebenSat.1 das erste virtuelle Studio Deutschlands eingerichtet.

Außerdem war Achim Bendix als Chefkameramann von ProSieben für viele bekannte Sendungen verantwortlich: angefangen von den Hauptnachrichten über Dokumentationsfilme bis hin zu großen Studioproduktionen verschiedener Sender, Talkshows ("Johannes B. Kerner" und "Jörg Pilawa") und Serien. 13 Jahre lang arbeitete er auch als Chefkameramann für die ARD-Serie "Marienhof". Bendix dreht außerdem Imagefilme und ist auch für Filmproduktionen in der Werbung tätig. Aktuell arbeitet er für die ZDF-Formate "Leute heute", "Aktenzeichen XY ungelöst" und "Leschs Kosmos".

Neben seiner Tätigkeit als Diplom-Kameramann unterrichtet Bendix an den Medienakademien in München, Hamburg und Berlin. Als Dozent unterrichtet er die Studierenden in Kursen wie Bildsprache, visuelle Kommunikation und bietet außerdem einen Grundkurs Kamera an.

UNICUM: Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?
Achim Bendix: Ich habe in Kiel an der Fachhochschule Bildende Kunst und Fotografie studiert. Da wurde mein Interesse an Bildern in Kombination mit Licht geweckt.

Wie war dein beruflicher Werdegang?
Nach meinem Studienabschluss bin ich als Fotograf zu einer Castingagentur gegangen und machte dort Porträtfotografie. Danach ging es für mich mit Bewegtbildern für Werbefilme weiter. Das gefiel einem Kameramann des NDR sehr gut. Deshalb gab er mir den Tipp, es doch mal beim Fernsehen bzw. beim Film zu versuchen. Ich bin dann von Hamburg nach München gezogen und habe bei Pro7 angefangen. Mein erster Auftrag bestand darin, schöne Bilder von der Zugspitze zu liefern. Diese kamen bei den Sendeverantwortlichen so gut an, dass es für mich beruflich bergauf ging.

Musst Du viel von der Technik verstehen?
(Lacht) Klar, ich muss zum Beispiel den Aufbau und die Funktionen einer Kamera beherrschen, die Lichtkontraste, Farbabbildungen und den Videocodec kennen. Die Kamera, die ich bei meiner Arbeit benutze, ist vergleichbar mit einer gut ausgestatteten Digitalkamera.

Wer sagt dir, welche Einstellung wann erforderlich ist?
Das kann ich selber entscheiden. Eine Show oder eine Talksendung läuft fast immer nach dem gleichen Muster ab: Zur Begrüßung braucht man eine totale Einstellung, dann folgt eine Naheinstellung der Kamera, zum Beispiel Applaus des Publikums. Ich muss die Sendung quasi in Bildern erzählen und ihre Sprache auch verstehen. Diese Erfahrungen gebe ich als Dozent gerne meinen Studierenden weiter.

Kameramann Achim Bendix

Wie sehen deine täglichen Aufgaben aus?
Am Beispiel der Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" im ZDF würde ein typischer Arbeitstag in etwa so aussehen: Wir haben vor jeder Sendung eine Teambesprechung, für "Aktenzeichen XY ungelöst" findet diese im Studio der Bavaria in München Geiselgasteig statt.

Da wähle ich mit Oberbeleuchter, weiteren vier Beleuchtern und zusätzlich ein bis zwei Schaltbeleuchtern die Studiolampen und deren Leuchtintensität aus. Daraus muss sich dann eine 100%ige Lichtstimmung für die Sendung ergeben. Mittags kommen Regisseur und Regieassistenz dazu. Wir besprechen dann im Team die verschiedenen Positionen der Kameras.

Am nächsten Tag ist die gesamte Crew mit einem Lichtdouble (anstelle von Moderator Rudi Cerne) im Studio. Dort werden dann die einzelnen Sendeabläufe geprobt. Am darauffolgenden Tag machen wir die Generalprobe und abends wird "Aktenzeichen XY ungelöst" dann live im ZDF gesendet.

Worauf musst du in deinem Job besonders achten?
Ich habe immer ein Auge auf die Studiotechnik und überprüfe, ob alles okay ist und ob ich damit arbeiten kann. Ich freue mich, wenn ich ein gutes Team habe, aber meistens habe ich Glück (lacht).

Wer unterstützt dich bei deiner Arbeit am Set?
Unterstützung bekomme ich von dem gesamten Kamera- und Beleuchterteam. Wir proben zusammen im Studio und sind via Sprechanlage über Funk miteinander verbunden. Außerdem kann ich das Bild und die Gestaltung auf einem Monitor in Echtzeit verfolgen. Was auch hilft, ist meine jahrzehntelange Berufserfahrung. Irgendwann bekommt man einfach ein gutes Gefühl für die richtigen Bilder.

Was sind spannende Herausforderungen in deinem Arbeitsalltag?
Jeder Tag ist für mich eine neue Herausforderung. Es wird einfach nie langweilig, denn schönes Studiolicht und schöne Kameraeinstellungen bereiten mir einfach immer wieder Freude bei meiner täglichen Arbeit.

An welches Erlebnis erinnerst du dich besonders gerne zurück?
In meinem Beruf gab es viele Highlights. Jede Sendung mit Harald Lesch ("Leschs Kosmos", "Fragen Sie mal den Lesch") ist ein Genuss. Er ist ein toller Mensch, voller Esprit und Humor – sowohl vor als auch hinter der Kamera. Aber auch ein Dreh mit der Moderatorin Monika Lierhaus vor einigen Jahren auf Mallorca war – bedingt durch die fantastischen Lichtverhältnisse dort – eine interessante Herausforderung für mich.


Der Karriereweg von Achim Bendix

Achim Bendix studierte an der Fachhochschule für Gestaltung in Kiel Bildende Kunst und Fotografie und machte sich nach Studienabschluss als Lichtdesigner, Kameramann, Fotograf und Dozent selbständig. Wer Kameramann bzw. Kamerafrau werden möchte, sollte unbedingt teamfähig sein, Kritik vertragen können und gute Laune mitbringen – so der Rat des Diplom-Kameramanns.


InfoKurz & Kompakt: Karriereweg Kameramann / Kamerafrau

  • Die Ausbildung zum Kameramann ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Entweder du machst eine fotografische Ausbildung mit Zusatzausbildung an einer Film-oder Fernsehakademie oder eine Ausbildung an einer Kunst-oder Fachhochschule.
  • Bereits während der Studienzeit sollten praktische Erfahrungen als Kameramann/frau gesammelt werden.
  • Eine Weiterbildung zum Master of Arts (M.A.), Meisterschüler oder Videojournalisten ist möglich. Außerdem gibt es künstlerische Meisterklassen, die nach dem Abschluss des Studiums besucht werden können.

 

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