Erfahrungsbericht FernUni Hagen
Till Tönnißen studierte an der FernUni Hagen Psychologie | Foto: privat
Autorenbild

02. Sep 2014

Simon Sperl

Studium

Erfahrungsbericht eines Psychologie-Studenten der FernUni Hagen

Im Interview mit UNICUM: Till Tönnißen

"Psychologie war immer ein Traumfach"

UNICUM: Till, wolltest du schon immer Psychologie studieren?
Till: Nach dem Abitur wusste ich nicht wirklich wohin meine Reise gehen sollte. Deshalb habe ich erstmal eine Reihe von Praktika gemacht, um abzuchecken worauf ich nun wirklich Lust habe. Psychologie war eigentlich – soweit ich an meine ernsten Berufswünsche zurückdenke – immer so eine Art Traumfach gewesen. Nur schien es auch immer unerreichbar wegen des hohen Numerus Clausus.

Hast du dich dann trotzdem um einen Studienplatz für Psychologie beworben?
Zunächst habe ich mich für Soziale Arbeit und Sozialpädagogik beworben, weil ich dort die größten Schnittmengen vermutete. Dort bekam ich aber auch keinen Platz. Dann habe ich zum Glück noch den Tipp mit der Fernuniversität in Hagen bekommen und dort das Studium begonnen.

Und auch abgeschlossen?
Das Studium habe ich in der Regelstudienzeit abgeschlossen. Gerade zu Anfang war mein Feuereifer auch sehr groß, weil ich nach einem Jahr Lernpause richtig Bock hatte meinen Kopf wieder anzustrengen. Im Gegensatz zur Schule war aber nun auch mein fachliches Interesse viel größer, weshalb meine Motivation echt hoch war.

"Mir fehlte das typische Studentenleben"

Hat die Motivation im Laufe des Studiums abgenommen?
Je länger das Studium dann dauerte, desto schwieriger wurde es, mit der schon recht eintönigen Art zu lernen zurechtzukommen. Es kostete teilweise schon viel Überwindung, sich jeden Tag ein bisschen an den Schreibtisch zu setzen. Die Bachelorarbeit am Schluss war tatsächlich echt angenehm, weil man endlich etwas freier arbeitete. Abgesehen von einer Hausarbeit gab es sonst nämlich jedes Semester pro Modul genau eine umfangreiche Multiplechoice-Klausur, die sich gewaschen hatte.

Fehlt also der Kontakt zu Kommilitonen, um sich gegenseitig zu motivieren?
Man muss schon recht viel Glück haben eine angenehme und funktionierende Lerngruppe zu finden. Hier gab es in der Einführungswoche einfach nicht den typischen Mal-neben-bei-ganz-viele-Freunde-finden-Prozess, der sich an Universitäten innerhalb von wenigen Wochen meist von selbst ergibt. Räumliche Distanz und schlicht die Auswahl an gleichaltrigen Kommilitonen stehen dem einfach im Weg. Hier ist viel Eigeninitiative und Glück erforderlich.

Hattest du denn Glück?
Ich hatte eine nette Kommilitonin mit der ich nahezu das gesamte Studium zusammen bestritten habe. Im ersten Semester waren wir zu fünft – ab dem zweiten nur noch zu zweit.

Ist der mangelnde Kontakt zu Studierenden und Dozenten das größte Manko des Studiums an einer Fernuniversität?
Aufgrund des mangelnden Kontakts und der Tatsache, dass ich nicht in einer großen Studentenstadt gelebt habe, blieb mir das typische Studentenleben völlig vorenthalten. Gerade jetzt, da ich seit knapp einem Jahr in Hamburg wohne, drängt sich das unbestimmte Gefühl auf, etwas verpasst zu haben.

Hat das Studium denn auch Vorteile gehabt?
Auf jeden Fall ist man wirklich frei in seiner Arbeitsgestaltung. Mal 'nen Kurzurlaub einzuschieben war kein Problem - auch deshalb, weil man nebenher ganz gut jobben konnte. Auch Hobbies und Freunden kann man sich sehr gut widmen. Der entscheidende Vorteil ist aber, dass ich nun einen Bachelorabschluss in Psychologie habe, der staatlich anerkannt ist und mir den weiteren akademischen Weg geebnet hat.

"Nach der FernUni fehlte mir kein Wissen"

Fühlst du dich durch den Bachelor an der FernUni für deinen Master gut gerüstet?
Jetzt in Hamburg angekommen muss ich sagen, dass mir fachlich gesehen nicht viel Wissen fehlt. Da mein oberstes Berufsziel das des Psychotherapeuten war, musste ich jedoch sicher gehen, dass mein Master klinischer Natur ist (klinisch: d.h. der Teil der Psychologie, der sich grob gesprochen mit psychischen Störungen und deren Behandlung beschäftigt). Da der Bachelor-Studiengang an der FU Hagen diesen völlig außen vor lässt, hatte ich Probleme einen Masterplatz in diesem Bereich zu finden. Dies ist dann tatsächlich ein Bereich, bei dem ich hier in Hamburg hier und da gerade zu Anfang größere Wissenslücken vorwies als Kommilitonen. Aber auch das legte sich nach einiger Zeit und man glich sich an.

Um die Frage nach den Studieninhalten zu beantworten: Abgesehen von dem Bereich der klinischen Psychologie waren die Bereiche im B.A. Psychologie der FU Hagen auch von der Bezeichnung sehr sehr ähnlich zu anderen Studiengängen, was die Anerkennung an meiner jetzigen Uni erleichtert hat. 

Und wie schaut das mit den Kosten an der FernUniversität aus?
Die Kosten liegen meiner Meinung in einem moderaten Bereich. Man zahlt keine Studiengebühren im eigentlichen Sinne, sondern das Lehrmaterial, welches einem für das Semester zugesendet wird. Die Kosten belaufen sich im Semester auf ca. 300 Euro. Mal etwas mehr, mal etwas weniger.

Also kannst du das Studium an der Fernuniversität empfehlen?
Jeder, der diesen Weg gehen will, sollte sich wirklich sicher sein, dieses Fach studieren zu wollen. Außerdem muss man ein recht gutes Zeitmanagement haben und langfristig auf Prüfungen hinarbeiten. Außerdem ist die FernUniversität – wie vorher schon erwähnt – sicherlich nicht die beste Adresse für frische Schulabgänger, die etwas von der Welt sehen wollen.

Artikel-Bewertung:

3.11 von 5 Sternen bei 290 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 22. Aug 2017 um 17:41 Uhr von Astrid Graf
Mich würde interessieren, ob Till mit seinem Studienweg tatsächlich Psychotherapeut werden kann. Nach meinem Wissenstand ist das nicht möglich, mit einem Master der MSH eine Ausbildung zum Psychotherapeuten zu beginnen.