Freie Schulen Deutschland
Lernen was, wann und wie du willst – ein Vorteil von freien Schulen | Foto: Thinkstock/vitapix

Auf einen Blick

21.05.2015

Internate Deutschland

Lernen und Leben im Internat

Ein Besuch in deutschen Internaten

Für viele Schüler endet der Schultag nachmittags mit dem Klingeln der Glocke. An den rund 450 Internaten in Deutschland gehören Lehrer und das Schulgebäude jedoch auch zu ... mehr »

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19. Jun 2017

Ann-Christin Kieter

Auf einen Blick

Freie Schule: Deine Alternativen zum staatlichen Schulsystem

Die bekanntesten freien Schulformen

Laut aktuellem Bildungsbericht der Bundesregierung stehen den 30.600 "normalen" Schulen mit öffentlichem Träger 3.575 mit einem freien Träger entgegen. Seit 2004 hat sich ihre Anzahl um 33 Prozent erhöht. Mittlerweile gehen circa neun Prozent aller Schüler in Deutschland auf eine Privatschule.

Doch was ist der Reiz daran, aus dem Regelschulsystem auszubrechen? In den Grundsätzen des Bundesverbands der Freien Alternativschulen steht: "Kinder, Jugendliche, Eltern und die in der Schule Tätigen schaffen ihre eigenen Regeln und Strukturen, die veränderbar bleiben." Soll heißen: Du hast dort viel mehr Mitspracherecht – und gleichzeitig meist auch mehr Verantwortung. Der Unterricht ist teilweise völlig anders. Es kann zum Beispiel sein, dass du in altersgemischten Klassen oder Lerngruppen lernst, verstärkt in fächerübergreifenden Projekten arbeitest und die Zeiteinteilung deutlich flexibler ist.

Kirchliche Schulen

Die größte Gruppe unter den Privatschulen machen konfessionellen Schulen der christlichen Kirche aus. Etwa 2.000 Schulen – von der Grund- bis zur Berufsschule – werden von der evangelischen oder der katholischen Kirche unterhalten. Obwohl der Glaube keine Voraussetzung für den Besuch ist, spielt Religion dort natürlich eine große Rolle und Werte wie Nächstenliebe stehen klar im Fokus der Pädagogik. Ansonsten gibt es aber keine nennenswerten Unterschiede in Sachen Lehrpläne, Abschlüsse oder Unterrichtsmethoden.

Internationale Schulen

Es gibt aber auch Schulen, die verstärkt individuelle Talente fördern, wie zum Beispiel Sportgymnasien. Besonders beliebt sind internationale Schulen, an denen im englischsprachigen oder bilingualen Unterricht deine Fremdsprachen-Skills maximal gefordert und gefördert werden. Die meisten dieser Schulen haben zudem das amerikanische oder britische Schulsystem zum Vorbild. Du machst dort also nicht das deutsche Abitur, sondern das International Baccalaureate Diploma (IB).

Wenn du sicher weißt, dass du im Ausland studieren möchtest, ist das super praktisch, weil du damit um weitere Sprachprüfungen herum kommst. An deutschen Hochschulen kann es hingegen zu Problemen bei der Anerkennung kommen. Die meisten internationalen Schulen befinden sich in deutschen Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München. Einen Überblick bekommst du bei der Association of German International Schools (AGIS), die die rund 30 gemeinnützigen, internationalen Privatschulen vertritt. Zusätzlich gibt es dann noch welche mit Gewinnabsicht.


Freie Schulen: Waldorf und Montessori

Reformpädagogische Schulen

Vielleicht hast du schon mal von Maria Montessoris Grundsatz "Hilf mir, es selbst zu tun" gehört? Oder von dem Klischee, dass Waldorf-Schüler ihren Namen tanzen? Was genau hinter diesen reformpädagogischen Ansätzen steckt und wie du damit zu einem ordentlichen Schulabschluss kommst, erklären wir dir im Folgenden:

Montessori-Pädagogik

Frei entscheiden können, was wann und mit welchen Hilfsmitteln gelernt wird, und das ganze ohne Kritik, Strafen und Leistungsdruck – klingt das nicht paradiesisch? Maria Montessoris Pädagogik funktioniert genau so, denn sie setzt auf individuelle Entwicklung und selbstbestimmtes Lernen. Montessori-Lehrer stehen dabei als Ansprechpartner bei Fragen und Problem zur Verfügung. Doch ein paar Einschränkungen muss es natürlich geben, damit das Konzept nicht einfach nur in kollektivem Nichtstun endet.

So gibt es Wochen- oder Monatspläne, die dir zeigen, welche Themen du bis wann drauf haben solltest. Die Inhalte orientieren sich dabei stark an staatlichen Curricula.

Im Hinblick auf den Abschluss ist es nämlich ganz entscheidend, dass Montessori-Schüler auf dem gleichen Wissenstand sind wie "normale" Schüler. Da Montessori-Schulen in der Regel nur staatlich genehmigte Ersatzschulen und keine staatlich anerkannten Schulen sind, dürfen sie keine Abschlusszeugnisse ausstellen.

Abi-Prüfungen und Co. müssen daher extern an staatlichen Schulen abgelegt werden – ohne Sonderbehandlung versteht sich. Dafür gibt es dann auch ein ganz reguläres Zeugnis über die erbrachten Leistungen. Nach der neunten Klasse wird jedoch zusätzlich ein eigener Montessori-Abschluss gemacht. Ganz entscheidend dafür ist die "Große praktische Arbeit", bei der ein praktisches Werk erstellt wird, das zudem dokumentiert und vor einem großen Publikum präsentiert werden muss.

Waldorf-Pädagogik

An Waldorfschulen spiegelt sich das spirituelle Weltbild des Anthroposophen Rudolf Steiners in einer ganzheitlichen Bildung wider. Du sollst dir dort nicht nur reines Wissen aneignen, sondern dich auch kreativ ausleben können und sportlich aktiv sein. Fächer wie Kunst, Musik und Sport haben daher einen höheren Stellenwert als an staatlichen Schulen. Klassische Schulnoten gibt es an Waldorfschulen ab der 10. Klasse und in der Mittelstufe sind Präsentationen und künstlerische Aufführungen üblich.

Das vielzitierte "Namenstanzen" heißt in der Fachsprache übrigens "Eurythmie" und kann sogar Abiturfach sein. Was aber nicht bedeutet, dass das Abi an der Waldorfschule ein Kinderspiel ist. Es gibt nämlich gleich vier schriftliche und vier mündliche Prüfungen. Bei den Fächern mit zentralen Prüfungen werden die Klausuraufgaben vom Ministerium vorgeben und sind daher identisch mit denen der Schüler an staatlichen Schulen. Außer in Hessen und in Hamburg werden die Prüfungen zudem von Waldorflehrern und staatlichen Kollegen parallel abgenommen.

Am Ende der 12. Klasse legen die Schüler zudem einen eigenen Waldorf-Abschluss ab, bei dem sie ein selbst inszeniertes Theaterstück aufführen, eine Jahresarbeit abgeben, einen künstlerischen Abschluss ablegen und eine sogenannte "Kunstreise" machen. Die 13. Klasse dient dann der gezielten Vorbereitung auf das Zentralabitur.


InfoWas kostet es, auf eine Privatschule zu gehen?

Du siehst: DIE Privatschule gibt es nicht. Die Unterschiede sind teilweise riesig – und so ist das auch beim Schuldgeld, das deine Eltern zahlen müssen, falls du dich für den Besuch einer freien Schule entscheidest. Das Bild von reichen Elite-Kids, die von Papi im Porsche zur Schule gefahren werden und mit 18 dann selbst in einem vorfahren, stimmt also nur bedingt. An manchen Schulen werden sicherlich bis zu vierstellige Beträge fällig, besonders an den internationalen. Aber genauso gut gibt es auch kostenlose Schulen. Hier mal ein Überblick:

  • Am günstigsten kommt man vermutlich an einer konfessionellen Schule weg. Meist kommt man mit 50 bis 100 Euro im Monat hin und manche Einrichtungen verlangen gar kein Schulgeld.
  • Staatlich geförderte Privatschulen verlangen im Schnitt 100 Euro Fördergeld pro Monat, wobei man allerdings Kosten für Verpflegung etc. hinzurechnen muss, wodurch es eher 200 bis 400 Euro monatlich werden.
  • An nicht staatlich geförderten Privatschulen belaufen die Kosten sich durchschnittlich auf bis zu 850 Euro im Monat, dann allerdings inklusive der Nebenkosten.
  • Richtig teuer wird es meistens an den internationalen Schulen. Zwischen 4.000 und 18.000 Euro pro Schuljahr muss man einplanen. Es gibt aber auch einige wenige Ausnahmen wie die kostenlose Berliner John F. Kennedy German-American Community School.

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