Zwischen Abitur und Studium, eine Chance die viele verpassen

Auf dem Bild ist im Vordergrund eine junge Frau von hinten zu sehen, mit langen braunen Haaren, gekleidet in einem hellgrauen Sweatshirt. Sie trägt einen dunklen Rucksack mit braunen Lederriemen. Sie läuft mit offenen Armen auf eine Familie zu, bestehend aus einer Frau, einem Mann und einem Jungen. Diese halten ein Schild hoch, auf dem auf Spanisch steht, dass sie das Mädchen bei ihrer neuen Familie herzlich willkommen heißen. Die Szene spielt sich in der Ankunftshalle eines spanischen Flughafens ab.

Foto: KI generiert

Helena Hesse, 21.04.2026  |  Lesedauer: 9 Minuten

Zwischen Abitur und Studium, eine Chance die viele verpassen

POV: Du hast dein Abitur bestanden. Joa und was jetzt?

Für viele beginnt nach dem Abitur Ausbildung oder Studium, doch meist liegen dazwischen erst nochmal ein paar Monate. Diese sind absolut Gold wert und können dir später nochmal von Nutzen sein. Die meisten haben nur keinen Plan, was sie in dieser Zeit machen sollen, und so verpassen viele die Möglichkeit, später auf dem Arbeitsmarkt Punkte zu sammeln. Wenn du jetzt immer noch nicht weißt, was du nach dem Abitur machen sollst, dann sind hier ein paar Tipps, wie du die Zeit sinnvoll nutzt.

 

Ins Ausland nach dem Abi?

Basic but good: Work and Travel oder das klassische Au-pair-Jahr. Durch diese Erfahrungen im Ausland kannst du nicht nur deine Sprachkenntnisse ausbauen, sondern machst auch erste Erfahrungen im Berufsalltag. All diese Erfahrungen können dir später auf dem Arbeitsmarkt helfen, um beispielsweise Pluspunkte zu sammeln und dich von anderen Bewerber:innen abzuheben. Du lernst unterschiedliche Arbeitsfelder kennen und die damit verbundenen unterschiedlichen Situationen. Diese sind davon abhängig, in welchem Bereich du arbeitest. Daher, dass du selbst für dich und dein Leben verantwortlich bist, wird das dein Selbstbewusstsein enorm boosten. Nicht nur du und deine Fähigkeiten werden ausgebaut, sondern auch dein Netzwerk wird größer und du kannst später auf deine Kontakte zurückgreifen.

In welchen Ländern ist Work and Travel möglich?

Wo du diese Erfahrung sammelst, ist ganz dir überlassen. Es gibt einige unterschiedliche Firmen, die dich dabei unterstützen, wie Education First oder Travel and Work. Beliebte Länder für diese Erfahrung sind:

  • Australien

  • Malta

  • Spanien

  • Frankreich

  • Irland

  • USA

Wie werde ich Au-pair?

Wenn dir jedoch ein fester Arbeitsplatz lieber ist, kannst du auch überlegen, ob ein Au-pair-Jahr das Richtige für dich ist. Dies ist über Seiten wie „Culture Care“ oder „Au-pair-Care“ möglich. Hier kannst du dich einfach registrieren und anschließend  bewerben. Als Au-pair wird dir die Unterkunft sowie die Verpflegung meistens gestellt, deswegen musst du dich nicht darum kümmern. Manchmal ist es auch so, dass du von deiner Gastfamilie ein kleines Taschengeld bekommst, das immer wieder variieren kann. Ebenso sind deine Aufgaben oft etwas unterschiedlich. Manchmal kommt ein gewisser Teil des Haushalts noch mit dazu, den du übernehmen musst, meistens bist du aber nur für die Versorgung der Kinder verantwortlich. Du siehst also, dass diese Möglichkeit individuell und flexibel ist. Wenn du aber sowieso überlegst, später mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, ist die Option, als Babysitter:in zu arbeiten, genau das Richtige für dich.

Das großartige an diesen beiden Optionen ist, du siehst erstens etwas von der Welt, du sammelst einzigartige Erfahrungen und du bist flexibel in Punkten wie dem Land, in das du reisen möchtest und wie lange deine Reise dauern soll.

Pro und Kontra Work and Travel und Au-pair

Work and Travel

Pro Kontra
Welt sehen eigene Verantwortung für sich
Arbeitserfahrung sammeln Oft ungeplante Situationen
Sprachkenntnisse verbessern Kein Gehalt
Netzwerk aufbauen Heimweh / Entfernung von Familie

Au-Pair-Jahr

Pro Kontra
Ein neues Land kennenlernen Kein Gehalt / nur Taschengeld
Arbeiten mit Kindern Wechselnde Arbeitszeiten und Aufgaben
Fester Arbeitsplatz Wenig Freizeit / eingeschränkte Flexibilität

Welchen Nebenjob kann ich machen

Wenn du lieber vor Ort bleiben möchtest, ist ein Nebenjob doch perfekt für dich. So kannst du nebenbei etwas Geld verdienen und sammelst Arbeitserfahrungen, die dir später in deinem Lebenslauf Vorteile verschaffen. Es gibt viele unterschiedliche Bereiche, in denen du nebenbei arbeiten kannst. 

  • Promoting: für Tierschutz oder „SOS-Kinderdörfer“

  • Social-Media-Betreuung: in kleineren lokalen Unternehmen, wie Cafés oder Supermärkten

  • Babysitting: auf die Kinder von Freunden aufpassen oder über Agenturen anfragen

  • Dogwalking: führe die Hunde deiner Nachbarn aus

  • Auf Events kellnern: über Catering Agenturen anfragen

  • Aushilfe in lokalen Läden, zum Beispiel für die Kasse oder das verräumen der Ware

  • Kellnern in Cafés oder Restaurants

Durch diese Jobs bekommst du die Möglichkeit, dir etwas dazu zu verdienen. So wird der Einstieg in deinen neuen Lebensabschnitt etwas einfacher. Denn für sich selbst zu sorgen kann teuer werden und eine finanzielle Rücklage zu haben ist nie schlecht. 

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Lohnt sich ein Praktikum?

Wenn du nun aber doch lieber in dem Bereich Erfahrungen bekommen möchtest, in dem du später arbeiten willst, überleg doch einfach ein Praktikum in dem Arbeitsfeld zu machen. Das ist auch eine Möglichkeit, die Zeit zwischen dem Abitur und deiner Ausbildung sinnvoll zu nutzen. Frag dafür einfach rechtzeitig bei einigen Firmen nach, ob sie eine Praktikumsstelle zu vergeben haben. Oder schau hier nach einer Praktikumsstelle, die zu dir pass

In diesen Bereichen sind Praktika besonders sinnvoll zu machen:

  • IT und Softwareentwicklung

  • Marketing und Social Media

  • Journalismus 

  • Medien

  • Medizin

  • Jura und Verwaltung

  • Ingenieurwesen

  • Psychologie

  • Soziale Arbeit

  • Wirtschaft (BWL/ VWL)

  • Kreativbranche

  • Umwelt

Durch Praktika merkst du schneller, ob das Berufsfeld etwas für dich ist. Falls das aber nichts ist, kannst du dich immer noch umorientieren, so why not?

Wie finde ich ein Praktikum?

Dein Praktikum kannst du auf unterschiedliche Arten finden. Über unser Karrierezentrum ist das ganze echt easy. Du kannst aber auch bei der Agentur für Arbeit nachfragen, ob diese dir mögliche Praktikumsangebote nennen können. Initiativbewerbungen sind natürlich auch eine Option.

Wie bewerbe ich mich für ein Praktikum?

Um dich für eine Praktikumsstelle zu bewerben, brauchst du auch eine Bewerbermappe. Diese besteht aus deinem Lebenslauf, wenn es nötig ist, deinem letzten Schulzeugnis und einem kurzen Anschreiben oder Motivationsschreiben. Das ist aber auch von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.  Wie du das alles ganz genau anlegst und worauf du dabei achten solltest, findest du auch bei unseren Bewerbungstipps

Was du also vielleicht einreichen musst, ist folgendes:

  • Lebenslauf

  • Schulzeugnis

  • Studiennachweis, wenn du bereits studierst

  • Motivationsschreiben oder Anschreiben

 

Du kannst ebenso entscheiden, ob dein Praktikum zwei Wochen dauern soll, oder ob du ein längeres Praktikum machst. Bei einigen Studiengängen ist sogar ein Pflichtpraktikum vorgesehen.

  • Lehramt

  • Soziale Arbeit

  • Psychologie

  • Maschinenbau

  • Bauingenieurwesen

  • Informatik

  • Kommunikationsdesign

     

  • Medienwissenschaft

  • BWL

  • Umwelttechnik

Wenn du jetzt schon weißt, was du studieren willst, ruf bei deiner Uni an und frag nach, ob du dir das Praktikum später im Studium anrechnen lassen kannst. So sparst du dir im Studium Zeit und musst dich damit nicht mehr beschäftigen.

Was verdient man in einem Praktikum?

Praktika sind manchmal bezahlt, manchmal unbezahlt,  das ist von den Unternehmen abhängig. Wenn du aber beispielsweise ein Vollzeitpraktikum für drei Monate machst, kannst du schon circa 2.100 Euro brutto verdienen, wenn du den genauen Mindestlohn von 13,90 Euro bekommst (Stand 2026).

Was ist ein Praktikumszeugnis?

Wenn du dein Praktikum abgeschlossen hast, denk auch daran, dir von der Firma ein Praktikumszeugnis ausstellen zu lassen. Dieses kannst du auch in deine Bewerbermappe aufnehmen und bei anderen Unternehmen, bei denen du dich dann zukünftig bewirbst, vorlegen. Achte bei deinem Zeugnis auch darauf, dass es nicht negativ formuliert ist. Hier nutzen Arbeitgeber:innen gerne die sogenannte Positiv- Negativsprache. Das bedeutet, dass sie negative Aussagen positiv formulieren. Diese klingen zunächst positiv, sind aber eigentlich negativ gemeint. Solche Formulierungen dürfen also nicht in deinem Zeugnis stehen. Du hast die Möglichkeit, dein Praktikumszeugnis noch bis zu drei Jahre nach Beendigung des Praktikums anzufordern und ausstellen zu lassen.

Positiv-Negativ-Sprache in Arbeitszeugnissen 

Formulierung

„Übersetzung“ 

Problem

„stets bemüht“

Hat sich angestrengt, aber nichts erreicht

versteckte Kritik

„im Großen und Ganzen zufriedenstellend“

Leistung war eher schwach

abwertend

„zeigte Interesse“

Hat wenig Eigeninitiative gezeigt

negativ codiert

„war gesellig“

Hat viel geredet / wenig gearbeitet

versteckte Kritik

„verstand es, seine Meinung zu vertreten“

war schwierig / streitlustig

negativ

„war pünktlich“

sonst nichts Positives zu sagen

ironisch / negativ

„hat Aufgaben ordnungsgemäß erledigt“

nur Mindestanforderungen erfüllt

schwache Bewertung

„arbeitete mit Kollegen zusammen“

keine Teamfähigkeit hervorgehoben

neutral bis negativ

„hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt“

war überfordert

kritisch

„verließ uns auf eigenen Wunsch“ (ohne Bedauern)

Arbeitgeber ist froh über Weggang

negativ impliziert

Online-Kurse belegen

Wenn du dich aber lieber konkret weiterbilden möchtest, gibt es unzählige (Online-)Kurse in unterschiedlichen Richtungen. Sei es das Programmieren von Apps, dem Designen einer Webseite oder der richtige Umgang mit KI. Egal an welchem Themenbereich du Interesse hast, du wirst einen passenden Kurs finden.

Extra Tipp: Damit zeigst du deinem späteren Arbeitgeber, dass du Eigeninitiative hast. 

Meistens bekommst du danach auch noch ein Zertifikat, welches du in deine Bewerbungsunterlagen mit aufnehmen solltest. Durch diese zusätzlichen Skills können deine Unterlagen aufgewertet werden.

Diese Kurse finden häufig online  in Form von Videos statt. Einige Kurse dauern ein paar Stunden, andere mehrere Tage.

Diese kannst du auch einfach von zu Hause aus machen, also ganz flexibel und anpassbar an deinen Tagesablauf. Also nutze diese Chance nach dem Abitur und werte deine Unterlagen auf. Das hebt dich von anderen Bewerber:innen ab.

Kostenlose Online-Kurse

  • Udemy

  • Coursera

  • IHK

  • Edukatico (Suchportal für Online-Kurse)

Sprachkurse machen

Du kannst Deine Zeit aber auch nutzen, um eine neue Sprache zu lernen. Beispielsweise sind  Arabisch, Italienisch oder auch Chinesisch sehr vielseitige Sprachen, die du lernen kannst. Diese sind vor allem von Vorteil, wenn du später im internationalen Bereich arbeiten willst. Hierfür gibt es auch viele unterschiedliche Möglichkeiten, diese zu lernen.

  • Präsenz-Sprachkurs

  • Duolingo

  • Babble

  • Preply (Online-Sprachkurs)

  • Busuu

Ehrenämter für Schüler:innen oder Studierende

Falls du aber lieber dein Karma aufwerten willst, dann wäre doch ein Ehrenamt genau das Richtige für dich. In diesem Bereich gibt es viele individuelle Möglichkeiten, in denen du dich ausprobieren kannst.

Übrigens: Manchmal bekommst du auch eine finanzielle Entlohnung. Die sogar steuerfrei bleibt, wenn es im Jahr insgesamt maximal 840 Euro sind. Dabei ist auch wichtig, dass deine Tätigkeit öffentlich-rechtlich oder gemeinnützig ist. Auch solltest du nicht mehr als eine nebenberufliche Tätigkeit sein.  

Mögliche Ehrenämter für Schüler:innen/ Studierende

  • Feuerwehr

  • Maltester/ Johanniter

  • Kirche

  • Tafel

  • Suppenküche

  • Politische Mitarbeit in deiner Stadt

  •  Vereinsarbeit

  • Katastrophenhilfe/ Stadt Reinigung

  • Pflegeeinrichtung

  • Kindergärten

  • Schule

  • Tierheim

Wie finde ich ein Ehrenamt?

Um das passende Ehrenamt zu finden, kannst du dich zum Beispiel im Rathaus deiner Stadt erkundigen,wo Ehrenämter vergeben werden. Oft gibt es auch eigene Portale, wo  du solche Stellenausschreibungen findest.

 

  • Baden-Württemberg: Ministerium für soziales, Gesundheit und Integration: Baden- Württemberg

  • Bayern: BayernPortal

  • Berlin: Berlin.de

  • Brandenburg: Ehrenamt in Brandenburg

  • Bremen: Freiwilligen-Agentur Bremen

  • Hamburg: frewillig.hamburgm·           

  • Hessen: Ehrenamtssuche Hessen

  • Mecklenburg-Vorpommern: Ehrenamtsstiftung MV

  • Niedersachsen: Portal Niedersachsen

  • Nordrhein-Westfalen: Engagiert NRW

  • Rheinland-Pfalz: Land Rheinland-Pfalz

  • Saarland: saarland.de

  • Sachsen: Ehrenamt Sachsen

  • Sachsen-Anhalt: Landesportal Sachsen-Anhalt

  • Schleswig-Holstein: Engagiert-in-sh

  • Thüringen: Thüringer Ehrenamtportal

Eine andere Möglichkeit ist, über die Freiwilligenzentrale anzufragen, ob Aushilfen gesucht werden. Wie auch bei „Work and Travel“, sammelst du bei einem Ehrenamt wertvolle Kontakte, die für dein späteres Netzwerk noch von Vorteil sein können. Vor allem, wenn du sowieso in einem sozialen Bereich arbeiten möchtest, ist es nie verkehrt, Kontakte in viele Richtungen zu haben. Die Tätigkeit als Ehrenämtler:in wird bei immer mehr Arbeitgebern geschätzt und immer mehr wird darauf geachtet, ob du dich irgendwo engagiert hast. Da du so zeigst, dass du Verantwortung übernimmst, teamfähig und sozial kompetent bist. Durch ein Ehrenamt werden Organisationsfähigkeit und Zeitmanagement verbessert, was gern gesehene Fähigkeiten bei Arbeitgeber:innen sind.

Du siehst also, es gibt einige Möglichkeiten, mit denen du dich innerhalb der Monate zwischen Abitur und Studium oder schulischer Ausbildung beschäftigen kannst. Ganz egal in welche Richtung du gehen willst, ob es etwas Soziales ist, etwas, bei dem du Geld verdienen kannst oder ob du die Welt sehen willst. Innerhalb dieser Monate kannst du also viele unterschiedliche Fähigkeiten lernen und Erfahrungen gewinnen. Such dir also etwas aus, was zu dir und deinen Zukunftsplänen passt.

Helena Hesse

UNICUM-Autor/-in seit 2025

Anfangs war ich auch ein bisschen überfordert damit, was ich zwischen dem Abi und dem Studium machen sollte. Ziemlich schnell habe ich dann den Nebenjob als Promoterin für mich entdeckt, und mir war klar, dass ich das nach meinem Abi weiter machen will, um mir für das Studium noch Geld zu verdienen. Das kann ich also wirklich jedem nur empfehlen.

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