Robotik studieren
Robotik - ein Studiengang mit guten Job-Perspektiven | Foto: Thinkstock/davincidig
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04. Nov 2015

Mark Heywinkel

Studium

Die Roboter kommen: Zukunftsbranche Robotik

-ARCHIV-

Ab in die Zukunft!

Kickende Blechbüchsen beim Roboter-Fußball

Eben noch regungslos, erwacht Grace-Konrad plötzlich zum Leben. Die 22 Motoren des kniehohen Roboters surren, und mit dem Verstand eines Smartphones beginnt er, seine Gliedmaßen zu bewegen. In batteriebetriebenem Rhythmus heben und senken sich seine Ärmchen wie bei einem störrischen Kind, und die Schnürsenkel der Kinderschuhe, in denen die Roboterfüße stecken, wippen auf und ab.

Ein wenig albern sieht das aus. Aber Lutz Freitag und Steffen Puhlmann beobachten Grace-Konrads Bewegungen voller Stolz. Immerhin haben die beiden Informatik-Studenten gemeinsam mit zwölf weiteren Kommilitonen der Freien Universität Berlin Monate in die Konstruktion ihres Roboters gesteckt. Allerlei Bauteile in ihrer Werkstatt und natürlich Tausende von Codezeilen auf dem Laptop, mit dem sie nun Grace-Konrads Befinden überwachen, zeugen von den unzählbaren Stunden Fleißarbeit.

"Ein paar Teile konnten wir einfach so kaufen", berichtet Lutz. "Den Großteil haben wir aber selbst gebaut." Den Torso, die Verbindungen der Beinstücke, die Hüfte – all das haben sie in stundenlanger Arbeit selbst zurechtgefräst und geklebt. Jetzt fehlen Grace-Konrad noch ein neues Computerherz und Software-Anpassungen, dann ist der Roboter endlich fertig.

Roboterkonstrukteure Steffen Puhlmann und Lutz FreitagEin Ende der Arbeit ist für die FU-Studenten trotzdem nicht in sich. Schließlich sollen dem Roboter, zusammengesetzt aus den Einzelteilen zweier Vorgängern und benannt nach Grace Hopper und Konrad Zuse, drei bis fünf weitere Modelle folgen. Wofür das alles? "Dann haben wir endlich zwei Teams", sagt Steffen, "die gegeneinander Fußball spielen können."

Kickende Blechbüchsen: Wer das für einen Witz hält, kennt Roboterfußball noch nicht. Inzwischen sind die Robowettkämpfe regelmäßige Events, an denen sich Studenten aus aller Welt beteiligen. Für den RoboCup oder die Weltmeisterschaft der Federation of International Robot-Soccer Association reisen Teams in die USA, nach China oder sogar Südkorea.

Die FU-Stundenten um Lutz und Steffen sind bei diesen Treffen als FUmanoids mit am Start. "Als nächstes geht es für uns nach Iran", sagt Lutz. Und dann soll auch Grace-Konrad im Gepäck mitreisen.

In der Roboter-Branche entstehen viele Jobs

Was spaßig klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Es geht bei diesen Events auch darum, Entwicklungen im Bereich Robotik zu fördern sowie den Austausch unter den beteiligten Studenten. Denn: Robotik ist eine Zukunftsbranche. "Neben der Forschung an Hochschulen oder Forschungsinstituten gibt es auch immer mehr Firmen, die sich mit Robotik beschäftigen", stellt Dr.-Ing. Erik Maehle fest, Leiter des Instituts für Technische Informatik an der Uni Lübeck. Deshalb würden in dieser Branche voraussichtlich auch viele neue Jobs entstehen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass in Zukunft Leute dafür gesucht werden, Roboter wie Grace-Konrad zu bauen. "Mit solchen mobilen Robotern kann man nicht wirklich Geld verdienen", blickt Informatik-Student Lutz in seine Zukunft. Geld wird man in der Robotik hauptsächlich mit dem Programmieren verdienen können, mit der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz - Software also, die Grace-Konrad zum Beispiel dabei hilft, Gegenspieler und Ball auf dem Fußballfeld zu erkennen.

Oder Computer dazu befähigt, Muster zu erkennen und statistische Daten zu analysieren. "Suchmaschinen wie Google, Unternehmen wie Amazon, die einen Haufen Daten organisieren müssen, die Automobilindustrie – das sind alles potentielle Arbeitgeber", hält Steffen fest.

Wer sich mit Robotik im weitesten Sinne auskennt, hat auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen, einen Job zu ergattern. Speziell auf Robotik ausgerichtete Studiengänge entwickeln sich in Deutschland derzeit noch. Andere Wege in die Branche führen über ein Studium in Elektrotechnik oder Maschinenbau. Erik Maehle nennt auch das Informatik-Studium als wichtige Basis für einen späteren Robotik-Job.

"Vor allem, da zukünftige Roboter einen sehr hohen Anteil an komplexer Software haben werden." Darüber hinaus sei es empfehlenswert, spezielle Robotik-Veranstaltungen, insbesondere Praktika, zu besuchen sowie Grundlagen in Elektrotechnik und Maschinenbau zu erwerben. "In Lübeck wird dies zum Beispiel durch ein Anwendungsfach ‚Robotik und Automation‘ im Bachelor- und Masterstudiengang Informatik umgesetzt", sagt Maehle.

Ein selbstfahrendes Auto dank Robotik

Roboter Grace-KonradAn der FU Berlin sammeln Lutz und Steffen die Praxiserfahrung mit der Projektarbeit im FUmanoids-Team. "In der Arbeitsgruppe Künstliche Intelligenz gibt es auch noch andere Möglichkeiten, sich mit dem Thema Robotik zu beschäftigen", sagt Lutz. So könne man sich im AutoNOMOS-Team daran beteiligen, ein selbständig im Straßenverkehr fahrendes Auto zu entwickeln. Und mit dem NeuroCopter sei ein denkender Helikopter in Entwicklung.

Dass es bei all diesen Projekten immer darum gehe, programmieren zu können, sich mit Mathe und Statistik auszukennen und womöglich noch ein paar Brocken Maschinenbau zu verstehen, schrecke viele Studenten ab. "Viele trauen sich nicht zu uns, weil sie das und das nicht können", erzählt Lutz. "Aber das ist total absurd, weil wir ja auch angefangen haben zu studieren, ohne viel von der Materie zu kennen. Darum geht es im Studium ja auch: zu lernen, sich selbst weiterzubilden."

Außerdem freuen sich Lutz und Steffen über jede helfende Hand. Schließlich muss Grace-Konrad zum nächsten Wettkampf fertig sein.


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