The First Avengers Civil War
Aus Freunden werden Feinde: Der erbitterte Kampf der Avengers beginnt | Foto: Walt Disney
Autorenbild

02. Mai 2016

Sandra Ruppel

Filme

"Entzweit gehen wir zugrunde" – The First Avenger: Civil War

UNICUM traf die Filmemacher und Darsteller

Auflauf der Stars in Berlin

12.00 Uhr, die Sonne strahlt herrlich frühlingshaft vom Berliner Himmel und während die Touristen über den Potsdamer Platz flanieren, herrscht am Eingang des "Ritz-Carlton" geschäftiges Treiben. Denn hier findet die Pressekonferenz zum neuen Marvel-Abenteuer "The First Avenger: Civil War" statt. In dem Hollywood-Streifen wird das einst so eng-gestrickte Team der Avengers um Captain America und Iron Man durch einen scheinbar unüberwindbaren Konflikt entzweit. Die Helden, die eigentlich vereint für das Wohl der Menschheit eintreten sollen, werden zu Gegnern und bekämpfen sich selbst. Auf der einen Seite steht dabei Captain America als Anführer, auf der anderen Iron Man.

Erwartet werden zur Pressekonferenz in Berlin die Stars Robert Downey Jr., Daniel Brühl, Paul Bettany, Emily VanCamp und Anthony Russo. Wer weiß, dass Anthony Russo den Streifen zusammen mit seinem Bruder Joe Russo in Szene gesetzt hat, muss an dieser Stelle etwas stutzig werden. Wieso ist der zweite Regisseur des Duos nicht auch mit dabei? Und wo sind die anderen Stars des Blockbusters? Keine Lust auf den Presserummel gehabt? Nein, im Gegenteil, wie sich später aufklärt. Denn Joe Russo, Chris Evans, Anthony Mackie und Sebastian Stan sind zu diesem Zeitpunkt gerade in Singapur. Als "Team Cap" promoten sie den Actionkracher in Asien, während die Stars um Anthony Russo Europa als "Team Iron Man" unsicher machen.

Team Cap oder Team Iron Man?

Welches Team? Diese Frage müssen sich also nicht nur die Zuschauer und Fans während der 148 Minuten Laufzeit von "The First Avenger: Civil War" stellen, sondern auch die Journalisten werden mit dem schier unlösbaren Dilemma konfrontiert. Sei es mit dem Ansteck-Button, der bei der Anmeldung zur Pressekonferenz ausgewählt werden muss. Sei es der Hashtag, unter dem man twittert (#TeamCap oder #TeamIronMan), oder eben durch jenes Team, welches man hier in Berlin vor Diktiergerät und Linse bekommt.

Unfair, eine solche Entscheidung zu fordern, kann sich doch nicht mal Regisseur Russo selbst entschließen: "Ich kann immer noch keine Seite wählen, das mag diplomatisch klingen, ist aber wirklich so." Und dass es so schwierig ist, zu sagen, welcher unserer Helden auf der "richtigen" Seite steht, kommt nicht von ungefähr, verrät der Regisseur: "Das Wichtigste für meinen Bruder und mich war es, dass man als Zuschauer bis zum Ende vollkommen zerrissen darüber ist, wer nun Recht hat. Also mussten wir während des gesamten Arbeitsprozesses dafür sorgen, dass sowohl Cap, als auch Iron Man beide immer ein bisschen Recht und ein bisschen Unrecht haben."

Avengers und Zemo

Daniel Brühl und das Team Zemo

Während es uns schwer gemacht wird, eine Wahl zu treffen, fällt Daniel Brühl, der in dem Action-Abenteuer den undurchsichtigen Bösewicht Helmut Zemo spielt, die Entscheidung ziemlich leicht: "Ich bin auf jeden Fall im Team Zemo unterwegs, das finde ich sehr gut", sagt er und lacht amüsiert.

Eine Superpower hat seine Figur auf der Leinwand zwar nicht, aber das stört Brühl nur wenig: "Klar hätte ich auch gern eine Superkraft gehabt, aber es ist vor allem schön, diese wichtige Schlüsselfigur zu spielen. Es ist spannend, dass so viele Helden aufeinander treffen und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen und dazu dann so eine ambivalente Bösewicht-Figur zu haben, die im Hintergrund die Strippen zieht." Brühls Figur ist wesentlich daran beteiligt, dass der Konflikt zwischen den Helden derart eskaliert.

Dass er die Rolle bekommen hat, war jedoch auch ein bisschen Glückssache: "Mein amerikanischer Agent rief mich an und sagte mir, ich könne am nächsten Tag Kevin Feige, den Produzenten von "Civil War" und Präsident des Marvel-Studios, treffen. Ich bin dann erstmal panisch geworden und habe gesagt, dass ich mindestens einen Monat brauche, um mich auf das Treffen vorzubereiten. Ich wollte zuerst mal alle Comics lesen, weil ich totale Angst vor konkreten Fragen zum Marvel-Universum hatte."

Diese Vorbereitungszeit wurde dem deutschen Schauspieler, der zuletzt in "Jeder stirbt für sich allein" (2016) zu sehen war und in Hollywood vor allem für seine Rolle als Niki Lauda in "Rush" (2013) bekannt ist, allerdings nicht gegönnt. Es galt das Motto: "Jetzt oder nie!" und so traf er Feige am nächsten Tag zum Frühstück in London: "Glücklicherweise ist es gut gelaufen, immer wenn Kevin Feige zu einer konkreteren Frage ansetzte, habe ich ihn gefragt, ob er noch einen Cappuccino oder so etwas möchte. Nach 45 Minuten war das Treffen vorbei und drei Tage später hat Feige mich angerufen, um mir die Rolle anzubieten."

Dass Brühl den Bösewicht in dem amerikanischen Blockbuster spielen darf, freut auch Hollywood-Größe Robert Downey Jr. (Iron Man/Tony Stark): "Daniel ist ein 'national treasure', ein Nationalschatz. Diese Filme sind immer nur so gut, wie die Bösewichte darin. Daniel ist eigentlich ein netter, cooler Typ – und dann spielt er diesen Charakter…" Ob Brühl wirklich so nett ist? Downey Jr. besuchte den Kollegen in dessen Tapas-Bar in Berlin und der Clip, den sie kurz vor der Pressekonferenz zusammen dort gedreht haben, lässt anderes vermuten. Im Gästebuch hat sich Downey Jr. dennoch verewigt, wie der in Spanien geborene Brühl augenzwinkernd verrät.

Von Hollywood nach Berlin

Berlin ist nicht nur der Ort, an dem Hollywood-Schauspieler es sich in der Tapas-Bar ihres Kollegen schmecken lassen oder Interviews für die deutsche Presse geben, sondern auch einer der Schauplätze in "The First Avenger: Civil War" selbst. "Noch bevor wir uns irgendwelche Locations ausgesucht hatten, hatten wir schon beschlossen, Teile des Films in Europa spielen zu lassen", plaudert Regisseur Anthony Russo aus dem Nähkästchen. "Als wir dann angefangen haben, uns nach geeigneten Schauplätzen umzuschauen, schien uns Berlin einfach der richtige Ort für den Film zu sein. Wir sind nach wie vor sehr glücklich mit der Entscheidung, wir haben ein paar tolle Locations in der Stadt einfangen können."

Die Hauptstadt ist allerdings nicht der einzige deutsche Schauplatz, der es in das Marvel-Abenteuer geschafft hat. Als Schlachtfeld für den großen Showdown der entzweiten Avengers diente der Flughafen Leipzig: "Leipzig wird für seine Größe im Verhältnis recht wenig frequentiert, deshalb war der Flughafen gut geeignet, um unsere umfangreiche Filmcrew darin unterbringen zu können", erklärt Russo die Entscheidung für diesen, und nicht etwa den Berliner Flughafen. So richtig hemmungslos austoben konnte sich die Filmcrew in Leipzig dann aber doch nicht, so der Regisseur: "Wir haben einige Szenen in Atlanta nachgedreht, weil wir auch viel Pyrotechnik benutzt haben. Das geht natürlich auf einem Flughafen, der auch während der Dreharbeiten normal in Betrieb ist, nur bedingt."

Und wahrlich, mit Pyrotechnik sparen die beiden Russos nun wirklich nicht. Die Brüder sind nach eigener Aussage echte Action-Fans – allerdings achten sie trotz der geballten Ladung rasanter Kracher-Szenen in "Civil War" auch darauf, dass die Story und die Handlung dahinter nicht zurückbleiben: "Action ist nur eine leere Hülle, wenn sie nicht durch die Handlung motiviert ist", weiß Russo. Was anderen schwer fallen mag, ist für die Brüder, die während ihrer Karriere auch zehn Jahre fürs Fernsehen gearbeitet haben und Druck gewohnt sind, ein natürlicher Prozess: "Die Balance zwischen Action und Story zu finden, ist wie ein Tanz."

Avengers Captain America Iron Man

Der Clash der Superhelden

An anderer Stelle bedarf es dann aber doch ein wenig mehr Planung, nämlich wenn es darum geht, unsere geliebten Helden im Kampf aufeinander treffen zu lassen. Der große Showdown der Avengers, ist sicherlich das Kernstück von "Civil War". Die Szene, auf die die Fans am sehnlichsten gewartet haben dürften. Klar, dass UNICUM es sich hier nicht nehmen lässt, einmal direkt an der Quelle nachzuhaken, wie viel Arbeit, Vorbereitung und Diskussion in so eine wichtige Sequenz geflossen ist.

UNICUM: Anthony, wie habt ihr die Szene vorbereitet? Wie habt ihr entschieden, welcher der einzelnen Avenger sich welchem Team anschließt und wer dann im großen Showdown gegen wen kämpft?
Anthony Russo: Wir haben Monate damit verbracht, das auszuarbeiten. Wir saßen alle um einen Tisch mit den Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely und haben diskutiert. Mein Bruder und ich mögen es, eng mit den Autoren zusammenzuarbeiten. In dieser Zeit hängen alle Wände mit Karten, Skizzen und Diagrammen voll. Es sieht dann immer ein bisschen aus wie in dem Labor von einem verrückten Professor. Bei uns ist es so, dass die Story alles weitere bestimmt. Wir haben sehr eingehend darüber nachgedacht, wie sich jeder einzelne Charakter entwickeln soll und wie das ihre jeweilige Beziehung zu anderen Figuren beeinflusst. Wir haben uns gefragt, wie überhaupt unsere Erwartungen für die Entwicklung der einzelnen Figuren sind und natürlich auch, wie die Erwartungen des Publikums sind. Wir haben überlegt, wie wir die Leute überraschen könnten. Außerdem haben wir uns die Frage gestellt, wie wir die Beziehung der Figuren untereinander verkomplizieren können: Welche Auswirkungen hat es, wenn sie sich für die eine oder die andere Seite entscheiden? Wir haben versucht, mit jeder Figur etwas anderes zu machen. Es ist ein sehr komplexer Vorgang, bei dem wir alles sorgfältig ausarbeiten. Es hat sehr, sehr lange gedauert, das alles festzulegen und die Entscheidungen, die wir dann getroffen haben, hängen alle mit der Story und den einzelnen Charakteren und ihrer geplanten weiteren Entwicklung zusammen.

Spider-Man ist auch dabei

Bei einer derart ausgefeilten Planung, was die Entwicklung der einzelnen Figuren angeht, ist es kein Wunder, dass Anthony und Joe Russo besonders eine Zeit als sehr kräftezehrend empfunden haben. Die Monate nämlich, in denen unklar war, ob einer der wohl frechsten und einnehmendsten Superhelden einen Auftritt im Marvel-Abenteuer haben wird: Spider-Man.

Die Rechte an der Filmfigur liegen zurzeit bei Sony, also dem direkten Konkurrenten von Marvel. Zu der Vereinbarung mit dem Rivalen verrät Russo: "Es gab einen ziemlich komplizierten Deal mit Sony, um Spider-Man im Film haben zu können. Es war lange ungewiss, ob das klappen würde. Aber wir wollten Spider-Man unbedingt im Film, er war wichtig für die Story. Wir haben also mit ihm geplant, uns voll auf die Figur eingelassen, trotz der Unsicherheit. Die Phase bis zu dem Punkt, an dem wir Bescheid bekommen haben, dass der Deal tatsächlich zustande kommt, das war wohl der nervenaufreibenste Zeitraum der gesamten Produktion."

Mit der Frage, welche Projekte als nächstes anstehen, endet der Interviewmarathon des Tages. Während Daniel Brühl über sein nächstes Herzensprojekt, bei dem er mal so richtig austeilen wird, noch keine Details verraten darf, geht es für die Regisseure Anthony und Joe Russo gleich mit den Avengers weiter. Nach "The Return of the First Avenger" (2014) und "The First Avenger: Civil War" (2016) werden die beiden Amerikaner auch die Regie für "Avengers: Infinity War" Teil I und II übernehmen, die für 2018 und 2019 angekündigt sind. Die Vorbereitungen für den ersten Teil laufen bereits: "Wir sind gerade dabei, an 'Infinity War' zu arbeiten. Schon in den kommenden Tagen werden die Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely den ersten Entwurf des Drehbuchs vorlegen."

Um herauszufinden, wie die Story um Cap, Iron Man und den anderen Avengers weitergeht, müssen wir uns also nicht mehr allzu lange gedulden. Bis dahin gibt es hier noch einmal den Trailer zu "The First Avenger: Civil War":

Artikel-Bewertung:

3 von 5 Sternen bei 99 Bewertungen.

Deine Meinung: