Buchklassiker Zusammenfassungen
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Lernen

05.05.2017

Klassiker der deutschen Literatur

Selber lesen? Klassiker der deutschen Literatur kompakt zusammengefasst!

Deutschunterricht. Mittel- und Oberstufe. Das bedeutet vor allem: Du wirst mit allerlei Klassikern der deutschen Literatur konfrontiert. Falls dir zum Selberlesen Zeit od ... mehr »

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23. Aug 2017

Verena Russlies

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5 Buchklassiker, die wir gelesen haben, damit du es nicht tun musst

Zusammenfassung: Narziß und Goldmund – Hermann Hesse

Narziß und Goldmund ZusammenfassungBFFs im Mittelaltersetting – der lebhafte Goldmund begegnet dem asketischen Narziss im Kloster Mariabronn. Der ältere Narziss, Lehrgehilfe in der Klosterschule, wird vom jüngeren, wissbegierigen Goldmund für seinen Scharfsinn bewundert. Trotz Herkunft aus gutem Hause fehlt ihm ein mütterlicher Einfluss: Mama hat es als Tänzerin und Femme fatale schon früh von der Familie weggezogen. Narziss ermutigt seinen Kumpanen, die Mutter in ihm zu suchen – oder so ähnlich.

Goldmund beginnt seine Suche mit einer aufregenden Liebschaft und zieht (nach bestem mütterlichen Beispiel) in die Welt hinaus. Narziss bleibt winkend im Kloster zurück. Zahlreiche Abenteuer (ausschließlich erotischer Art) warten aus Goldmund, in denen er seine Mutter sucht, aber komischerweise nicht findet. Viktor taucht auf und wird getötet (Eigentumsunstimmigkeiten, Goldmund griff durch). Viktor beschwört aus dem Jenseits Reue in seinem Mörder herauf, was diesen die Beichte ablegen lässt.

In einer Marienstatue erkennt Goldmund seine Mutter und ist fortan motiviert, das Handwerk des Holzschnitzers zu erlernen. Das Meisterstück seiner dreijährigen Wanderpause ist eine, nach BFF Narziss gestaltete, Johannesfigur. Bindungsangst schickt ihn jedoch wieder auf die Piste, die Pest bricht aus (interessiert Goldmund nicht so sehr) und eine verhängnisvolle Affäre zieht für ihn die Todesstrafe nach sich.

Die letzte Beichte nimmt ihm zum Glück der alte Freund Narziss ab, durch dessen Hilfe er begnadigt wird und ins Klostersetting zurückkehren kann. Dort widmet er sich wieder der Bildhauerei (auch ein wenig dem Glauben) und wandert zwischendurch herum. Nach Jahren kehrt Goldmund von einem seiner Ausflüge tödlich verletzt nach Mariabronn zurück.

Narziss erkennt, dass sein Freund sterben wird; es folgen herzzerreißende Liebesbekundungen. Beseelt kann Goldmund Abschied nehmen, haut auf dem Sterbebett aber noch einen raus, indem er seine Mutter idealisiert und Narziss, einen Mann des Glaubens, damit vor den Kopf stößt. Aber unter Freunden wird man das ja wohl noch sagen dürfen! Ein ganz und gar nicht historischer Roman von 1930.

Zusammenfassung: Der Mann ohne Eigenschaften – Robert Musil

Der Mann ohne Eigenschaften ZusammenfassungEin Jahrhundertwerk legte Musil 1930 mit einem über 1000 Seiten langen Roman vor, welcher weniger durch fesselnde Handlung als vielmehr durch philosophische Ausschweifungen über den modernen Menschen besticht. Im Zentrum des essayistischen Werks steht Ulrich, ein Intellektueller der österreich-ungarischen Doppelmonarchie im Jahr 1913/14. Mit autobiographischen Zügen wird dieser auf die Suche nach Sinn in seiner beruflichen wie privaten Existenz geschickt. Gar nicht so einfach, wenn man parallel das siebzigste Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph im Jahr 1918 vorbereiten muss.

Bei der Beerdigung seines Vaters begegnet Ulrich seiner Schwester Agathe. Neben einem beinahe inzestuösen Verhältnis des Geschwisterpaares folgen Gedankenströme zum Wesen des Menschen, dessen Zuständen und Sinn. Ulrich ist ein Gegenpol und -satz zu Agathe: Ihre Eigenschaften ergänzen sich, beziehungsweise heben sich auf, so dass Ulrich zum Mann ohne Eigenschaften wird. Er legt sich auf nichts fest und wandelt zwischen den verschiedenen Sicht- sowie Lebensweisen; bezeichnend für den Menschen bis in heutige Zeit.

Auch nach 180 Kapiteln ist keine Lösung gefunden – der Roman bleibt ein Fragment und unvollendet. Bezeichnend für die Ausgangsfrage, die wahrscheinlich nie beantwortet werden kann?

Zusammenfassung: Die Blechtrommel – Günter Grass

Die Blechtrommel zusammenfassungBereits 1959 erschienen, sorgt Grass mit folgender Geschichte stets für kontroverse Diskussionen: Im Herbst 1899 versteckt eine junge Dame einen vor der Gendarmerie flüchtenden Brandstifter unter ihren vier (!) Röcken am Rande eines Kartoffelackers. Neun Monate später kommt Agnes zur Welt – Zufall? Ausgewachsen heiratet jene einen gewissen Alfred Matzerath, mit dem sie einen Sohn hat: Oskar. Der hält sich seit seiner Geburt schon für vollständig entwickelt und beschließt, dass er ab seinem dritten Geburtstag nicht mehr wachsen möchte. Zur Plausibilisierung provoziert er einen Haushaltsunfall – es soll ja keiner misstrauisch werden.

Zu Oskars Hobbys zählen Glas zersingen/zerschreien (häufig und exzessiv ausgeübt) und Blechtrommelspielen (leidenschaftlich und bisweilen nervig praktiziert). Komische Begegnungen und Umstände durchziehen sein Leben. Er trifft auf Zirkusclown Bebra, der zum Freund und Vorbild wird. Seine Mutter stirbt an einer Fischvergiftung, weil sie erneut schwanger ist, das Kind jedoch nicht zur Welt bringen möchte. Weggefährten versterben auf skurrile Weise oder sogar durch Oskars Einfluss. Sein Vater heiratet Maria, mit der Oskar seine ersten sexuellen Erfahrungen sammelt.

Ein Sohn wird geboren (wahrscheinlich von Oskar gezeugt), der alte Matzerath stirbt und Oskar flieht mit Kurt (Sohn/Stiefsohn/Stiefbruder) und Maria (Frau/Stiefmutter/Stiefbruder) nach Düsseldorf. Denn der Krieg hat inzwischen seine Heimatstadt Danzig erreicht. Oskar beschließt wieder zu wachsen und legt fast dreißig Zentimeter Körpergröße zu. Er arbeitet als Steinmetz, Aktmodell und Musiker (die Blechtrommel, ihr erinnert euch?). Schließlich lässt er sich als Mörder verhaften, doch seine Unschuld kommt ans Licht und er fürchtet, aus der sicheren Irrenanstalt entlassen zu werden.

Kohärent? Na klar. Verwirrend? I wo!

Zusammenfassung: Das Parfum – Patrick Süskind

Das Parfum ZusammenfassungReise ins Paris des 18. Jahrhunderts: Jean-Baptiste Grenouille (auf Deutsch: Frosch) wird auf dem Fischmarkt während des Markttages geboren. Seine Mutter entlässt ihn zwischen zwei Verkaufsgesprächen ins Leben und möchte ihn eigentlich nach Feierabend mit den Fischabfällen entsorgen. Der Säugling hat etwas dagegen, schreit, lässt die Mutter auffliegen. Als Kindsmörderin hingerichtet, landet Grenouille als Waisenkind bei Madame Gaillard. Vorige Ammen reichten ihn stetig weiter, da er keinen eigenen Körpergeruch besitzt. Madame Gaillard stört es nicht (sie hat nach einer Begegnung mit einem Schürhaken keinen Geruchssinn mehr), aber sozial bleibt der außergewöhnliche Junge stets im Abseits.

An einen Gerber verschachert, wächst in Grenouille das Bedürfnis, den perfekten Geruch zu kreieren. Eine rothaarige Schönheit riecht so wunderbar, dass dem Hobby-Parfümeur das Schnuppern nicht mehr reicht: Er begeht seinen ersten Mord. Doch leider verflüchtigt sich der Geruch sofort nach der Lebensaushauchung.

Um das Konservieren von Gerüchen zu lernen, geht er beim Parfümeur Baldini in die Lehre – mit herausragendem Erfolg. Nur reichen bald die Techniken nicht mehr aus, Grenouilles Suche nach einem ultimativen Duft lässt ihn auf Wanderschaft gehen. Mit einer etwa siebenjährigen Pause in einer Höhle ohne menschliche Gerüche. Aber der alte Trieb reizt den Duftfrosch weiter: In der Parfümhochburg Grasse lernt er neue Konservierungsarten und probiert sie an neuen, wohlriechenden Damen aus. Sein Meisterstück ist eine Komposition aus 24 Düften, wovon einer von der jungen Laure stammen soll (deren Geruch jedoch erst noch reifen soll).

Während die vorherigen Morde ohne Spuren verrichtet werden konnten, wird Grenouille bei Laure geschnappt. Dank zwei Tröpfchen aus seinem "Duftdiadem" wird aus seiner Hinrichtung allerdings eine wilde Orgie, für die sich am Folgetag zwar alle schämen, Grenouille jedoch entkommen lassen. Doch leider lieben nach diesem Erlebnis die Menschen nur den Duft und nicht den Schöpfer desselben. Also wählt Grenouille den spektakulären Freitod durch Prafümüberdosis: Zurück auf dem Pariser Fischmarkt in einer Wolke aus ultimativen Düften verzehren sich die Menschen derart nach ihm, dass sie ihn buchstäblich zerreißen.

Voraussetzungsreicher Roman der Postmoderne von 1985 mit vielen, mitunter parodistischen, Lesarten.

Zusammenfassung: Der Vorleser – Bernhard Schlink

Der Vorleser ZusammenfassungIm Jahr 1995 erschienen, erzählt der Roman in chronologischen Rückblenden die Geschichte von Michael Berg – alias dem Vorleser. Dieser begegnet Ende der 1950er-Jahre, fünfzehnjährig und an Gelbsucht erkrankt, der Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz. Sie kümmert sich, als Michael im Hauseingang sein Innerstes nach außen kehrt – ein filmreifes erstes Kennenlernen.

Als Michael genesen ist, möchte er der Mittdreißigerin Hanna seinen Dank aussprechen. Bei seinem Besuch erhascht er einen Blick auf die entkleidete Gastgeberin und läuft davon, da sowohl Beobachtung und Erregung nicht unbemerkt bleiben. Es kommt zu einer weiteren Begegnung: Michael holt für Hanna die Kohlen aus dem Keller, diese steckt ihn natürlich ganz ohne Hintergedanken in die Badewanne und es kommt, wie es kommen musste. Das Besondere dieser Affäre ist das Ritual des Vorlesens. Erst sind es die Texte aus der Schule, dann ausgesuchte Lektüren, die Michael seiner Geliebten vorträgt.

Streit und Missverständnisse stören das ungewöhnliche Idyll: Nachdem Michael in einem Schwimmbad Hanna sieht, aber nicht anspricht, nimmt jene Hals über Kopf eine Beförderung an und verschwindet aus der Stadt. Heute würde man neudeutsch von "Ghosting" sprechen.

Nichtsahnend trifft Michael während einer Exkursion im Rahmen seines Jurastudiums auf Hanna. Sie ist Angeklagte in einem Kriegsverbrecherprozess, soll als Wärterin im Zweiten Weltkrieg verantwortlich für den Tod Gefangener während eines Kirchenbrandes sein. Hanna gesteht und avanciert zur Hauptschuldigen, da sie angibt, den Bericht zum Vorfall verfasst zu haben – obwohl sie Analphabetin ist, wie Michael nun erkennt. Dennoch lässt er seine alte Liebe lebenslang ins Gefängnis wandern.

Nach sieben Jahren – Michael ist inzwischen geschieden und hat auch eine Tochter (nur der Vollständigkeit halber) – beginnt er, Hanna selbst besprochene Kassetten ins Gefängnis zu schicken. Diese lernt mit deren Hilfe lesen und schreiben, doch auf ihre zarten Schreibversuche reagiert Michael nicht. Als er sie nach 18 Jahren im Gefängnis besucht, da ihre Entlassung bevorsteht und er bei der Resozialisierung helfen soll, sieht er eine gealterte Frau, die wenig mit seiner idealisierten Geliebten von damals gemein hat. Das spürt auch Hanna: Statt am Tag ihrer Freilassung einen Neubeginn zu wagen, wählt sie den Freitod.


Hier geht's zum vorherigen Teil der Literatur-Zusammenfassungen mit "Die Dreigroschenoper", "Effi Briest", "Max und Moritz", "Der Sandmann" und "Parzival"

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