Fotos: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V.
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21. Dez 2022

UNICUM Onlineredaktion

Nach dem Abi

Arbeiten als Narkoseärztin oder Narkosearzt: Wenn sich das Büffeln für Biologie, Chemie und Physik auszahlt

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Welche Funktionen stecken in einer menschlichen Zelle? Welche Eigenschaften hat Sauerstoff? Und was ist der Unterschied zwischen Diffusion und Osmose? - Mit diesen und vielen anderen Themen müssen sich Schülerinnen und Schüler über Jahre im Unterricht, in Biologie, Physik und Chemie, beschäftigen. Oft stellt sich ihnen dabei die Frage: „Wozu brauche ich dieses Wissen im Leben überhaupt?“

In der Anästhesiologie lassen sich auf diese Frage sofort die Antworten finden! Jeden Tag! Bei Narkosen im Operationssaal, bei Behandlungen auf der Intensivstation und selbst bei Rettungseinsätzen im Notarztdienst kristallisieren sich ständig spannende naturwissenschaftliche Zusammenhänge heraus: Geht es bei der Narkose zum Beispiel um die Wirkung von Medikamenten im Gehirn oder den Austausch von Sauerstoff gegen Kohlendioxid in der Lunge, sind auf der Intensivstation beispielsweise die Fließeigenschaften des Blutes oder das Prinzip der Diffusion bei der Dialyse sehr wichtig. Schnell wird klar: Mit naturwissenschaftlichem Interesse und Verständnis, dem Medizinstudium und entsprechender Ausbildung im Krankenhaus kann man Kranke behandeln oder sogar Menschenleben retten.

Schnell reagieren und kommunizieren

Aber die Anästhesiologie bietet noch mehr: Nämlich zum Beispiel zu lernen, schnell und gezielt auf Situationen zu reagieren und im Tagesablauf mit vielen Beteiligten zu kommunizieren. Eine eigene, sehr spannende öffnet sich!

Wer sich entschlossen hat, Medizin zu studieren und danach Anästhesistin oder Anästhesist zu werden, braucht vom Abitur bis zur ersten eigenen Narkose gut sechs Jahre. Die erste eigene Patientin oder der erste eigene Patient ist ein ganz besonderes Ereignis im Leben einer Anästhesistin oder eines Anästhesistin. Mit Medikamenten einen Menschen in Schlaf versetzen, ihr oder ihm eine Operation ermöglichen, damit sie oder er danach wieder gesund wird. Einschlafen lassen, überwachen, beatmen und zum Ende des Eingriffs wieder aufwachen lassen. Zur Seite stehen der Anfängerin oder dem Anfänger dabei natürlich immer erfahrene Kolleginnen und Kollegen, eine Oberärztin oder ein Oberarzt.

Persönliche Interessen verwirklichen

Wir besuchen Constanze, Jessica und Lars, drei Anästhesistinnen und Anästhesisten in der Universitätsklinik Dresden. Obwohl alle drei noch jung sind und erst seit wenigen Jahren in der Anästhesiologie arbeiten, haben sie schon alle verschiedene Tätigkeiten - weil das in der Ausbildung so vorgesehen ist, aber auch, weil es ihren persönlichen Interessen entspricht.

Die Anästhesiologie besteht aus fünf Fachbereichen: Neben der Arbeit als Narkoseärztin oder Narkosearzt sind das die Intensivmedizin, die Notfallmedizin, die Schmerztherapie und die Palliativmedizin. Jedes dieser Gebiete ist eigentlich noch mal eine eigene Welt. Die Anästhesistin oder der Anästhesist hat die Möglichkeit, ständig in allen fünf Bereichen zu arbeiten oder aber sich im Laufe der Jahre zu spezialisieren. Damit bietet der Beruf so viel Abwechselung wie kaum ein anderer Job! Zudem gilt er wegen der Flexibilität als besonders familienfreundlich.

Constanze ist als Anästhesistin in der Uniklinik Dresden derzeit im OP eingeteilt. Pro Tag macht sie etwa fünf Narkosen. Je nach Operation kann die Anzahl der Narkosen aber auch schwanken: Bauchoperationen dauern länger, Operationen am Auge sind kürzer. Und manchmal hat Constanze auch Nacht- oder Wochenend-Dienst.

„Besonders interessant ist, dass ich mich als Anästhesistin im OP zu einer Zeit nur um einen Patienten kümmern muss, bei ihm zwar verschiedene Dinge behandele, das aber als Ganzes sehen kann“, sagt sie begeistert. Ihr Wissen als Ärztin und ihre Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge sind dabei wichtige Grundlagen: Wieviel Sauerstoff braucht der Patient in bestimmten Phasen der Narkose? Welche Wirkung hat Adrenalin, das sie aus einer Spritze gibt? Oder was passiert durch verschiedene Beatmungsstärken in der Lunge?

Als Notarzt unvorhersehbare Situationen beherrschen

Lars ist ebenfalls junger Anästhesist. Er ist heute auf einem der Notarzt-Einsatzfahrzeuge in Dresden als Notarzt eingeteilt. Wenn sein Funkmeldeempfänger piepst, muss er schnell zum Fahrzeug laufen und wird mit Blaulicht zur Einsatzstelle gefahren. Was Lars dort erwartet, wer die Patientin oder der Patient ist oder wie schlimm sich die Situation darstellt, weiß er vorher nie so ganz genau: „Wir kommen zu Säuglingen ebenso wie zu alten Menschen, erleben Geburten und Verkehrsunfälle und müssen dann oft schnell Entscheidungen treffen. Diese Herausforderungen und diese Abwechslung machen den Job aber auch so interessant!“

Und auch Jessica arbeitet als Anästhesistin in der Uniklinik Dresden, aber heute nicht als Notärztin oder Narkoseärztin, sondern als Ärztin auf der Intensivstation. Gemeinsam mit den Pflegekräften versorgt sie schwerkranke oder auch schwerverletzte Patientinnen und Patienten: „Hier auf der Intensivstation behandeln wir bei einer Patientin oder einem Patienten nicht nur das Herz oder die Lunge, sondern müssen bei ihr oder ihm alles im Blick haben“, erklärt Jessica. „Den Kreislauf, die Beatmung, die Laborwerte und viele anderen Dinge zusätzlich.“

Jessica, Constanze und Lars haben in der Anästhesiologie und ihren Fachbereichen ihren Lieblingsjob gefunden. Und endlich macht für die drei Vieles Sinn, das sie schon im Biologie-, Physik- oder Chemieunterricht in der Schule mühsam lernen mussten …

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