Nachwuchsschauspielerin am Filmset
Latisha dreht mit Alwara Höfels, Lior Kudrjawizki und Julius Gabriel Göze. | Foto: Latisha Kohrs
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07. Mai 2019

Melis Icten

Jobben

Nachwuchsschauspielerin: Latisha Kohrs über ihren Traumberuf

Nachwuchsschauspielerin über den Beruf

UNICUM: Wie hast du den Job vom ZDF bekommen?
Latisha: Die Rolle im ZDF-Film "Mein Freund, das Ekel" ist mir ganz spontan in den Schoß gefallen. Meine Mutter ist auch Schauspielerin und war früher Mitbegründerin der Agentur JNJ-The Black Agency in Hamburg. Nachdem sie bemerkt hatte, dass es sehr wenig Agenturen gibt, die People of Colour vertreten, und dass die Rollen immer die gleichen sind (Prostituierte, Flüchtlinge oder Drogendealer), wurde sie Partnerin für die Schauspielagentur Black Universe Agency. Mit ihr setzt sie sich dafür ein, dass People of Colour neben den "Klischeejobs" auch andere Rollen bekommen. In dieser Agentur bin ich auch. Viel habe ich davon allerdings nicht erwartet, weil ich mich eigentlich auf die Schule konzentrieren wollte. Dann hatte ich aber eine Casting-Anfrage für "Mein Freund das Ekel" und nach zwei Castings habe ich die Rolle in dem Film bekommen.

Hast du vorher schon in einem Film mitgespielt oder andere Schauspielerfahrungen?
Schauspielerei war schon immer mein Traumberuf, weil ich in einer kleinen Künstlerfamilie aufgewachsen bin. Als ich jünger war, habe ich bei der Sesamstraße mitgemacht, im Theater angefangen und bei König der Löwen "Nala" gespielt. Als gebürtige Hamburgerin ist König der Löwen natürlich ein Muss! Als ich nach Berlin gezogen bin, bin ich in eine Musicalschule gegangen und habe bei kleineren Produktionen mitgemacht. In der Schule war ich nebenbei in der Theater-AG und habe mit Ehrgeiz sogar immer die Hauptrollen bekommen.

Was macht dir an dem Job am meisten Spaß?
Ich liebe es, mich in andere Rollen hineinzuversetzen. Ich mag es auch, mir Gedanken zu machen und zu reflektieren. "Was musste mein Charakter durchmachen? Was ist die Geschichte der Figur?"

In der Filmbranche gibt es nicht nur einen Job, das finde ich klasse! Man kann Schauspielerin sein und gleichzeitig Drehbuchautorin, man hat so viele Möglichkeiten. Man kann eine gute Tanzausbildung haben und sich dann dafür einsetzen im Musical zu tanzen! Viele haben die Angst, dass man nicht genug Aufträge bekommt und somit keinen Job hat, dabei ist man  aber gar nicht so beschränkt. Wenn ich will, kann ich sozusagen Produzentin oder Regisseurin UND Drehbuchautorin werden!

Was macht für dich einen guten Schauspieler aus?
Man muss definitiv ein gutes Einfühlungsvermögen haben und die Rolle authentisch rüberbringen.

Hast du Vorbilder?
Als ich noch jünger und in meiner Musical-Phase war, fand ich Idina Menzel, die Darstellerin von Wicked, total toll. Sie war definitiv mein Musical-Vorbild.

Nachwuchsschauspielerin trotz Schule?

Nachwuchsschauspielerin Latisha Kohrs Wie hast du die Arbeit mit der Schule vereinbaren können?
Ich bin während des Drehs auch zur Schule gegangen. Da meine Drehzeiten meistens morgens waren, bin ich also nachmittags zur Schule gegangen. In der Regel habe ich ohnehin bis 15:45 Uhr Schule. Meine Lehrer waren kulant und standen hinter mir. Ich war im ständigen Kontakt zu ihnen. Vom Lernstoff habe ich nichts verpasst, weil ich alles über unsere Online-Plattformen bekommen habe. Papierkram habe ich mir dann so zwischendurch abgeholt.

Wie lange geht so ein Dreh überhaupt?
Anfang November haben die Dreharbeiten angefangen und ich hatte 17 Drehtage auf ungefähr einen Monat verteilt. Ende November war ich fertig. Ich hatte am Set meist einen Sechs-Stunden-Tag. Manchmal mehr oder weniger, das kam darauf an, wie gut die Szene lief.

Wie lief ein regulärer Tag am Set für dich ab?
Ich wurde um kurz vor sieben von meinem Fahrer, Michi, abgeholt. Danach haben wir meinen Filmbruder, Lior Kudrjawizki, abgeholt und sind zum Set gefahren. Am Drehort habe ich mich umgezogen und bin in die Maske gegangen. Die Maske dauerte ca. 10-15 Minuten. Danach ging's in den Aufenthaltsraum. Dort habe ich mich manchmal mit Lior und Francesco, unserem Produktionsassistenten, unterhalten und wir haben auf meinen zweiten Filmbruder, Julius Gabriel Göze, und die anderen Schauspieler gewartet. Manchmal habe ich ein Buch gelesen oder Hausaufgaben gemacht. Als wir Bescheid bekommen haben, dass wir runter zum Set müssen, wurde eine Szene oder ein Bild gedreht. Dann wurde die Kamera umgestellt und wir hatten 5-10 Minuten Pause. Gegen 12 oder 13 Uhr gab es Mittagessen für alle bevor weitergedreht wurde. Nach dem Drehschluss wurde ich zurück zur Schule oder nachhause gefahren.

So sieht ein Drehtag von Latisha aus:


In den Drehpausen kann man Schulaufgaben erledigen

Ist der Dreh anstrengend? Du hattest Pausen von lediglich fünf bis zehn Minuten. War es dir zwischendurch zu hektisch? Konntest du überhaupt zur Ruhe kommen?
Lustigerweise war ich überhaupt nicht erschöpft. Bevor wir mit dem Dreh angefangen hatten, dachte ich auch, dass ich vielleicht überfordert sein würde, aber alle standen hinter mir, haben mich unterstützt und wussten, dass ich Aufgaben für die Schule zu erledigen hatte. In diesen fünf Minuten, in denen ich zwischendurch gelernt habe, haben Julius und Lior im gleichen Raum gespielt. Das war wie bei einer Familie zu Hause im Wohnzimmer. Ich habe nie gedacht, dass ich nur noch ins Bett will. Ich weiß nicht, ob es an meiner zielstrebigen Person liegt, aber ich habe meine Dinge strukturiert erledigt, und daher hat alles wunderbar geklappt. Die kurzen Drehpausen für die Schule zu nutzen, kann ich jedem raten, denn man kann sich schnell in den "Lernvibe" hineinfühlen, ob es nun fünf oder 15 Minuten sind. Vor allem, wenn man unter Zeitdruck steht, da der Dreh ja weitergehen muss, kommt man in einen guten Arbeitsflow.

Als Nachwuchsschauspielerin bekommt man einen Kindercoach

Wie ist es für dich gewesen, den Text einzuüben?
Für mich ist das Text einüben noch nie ein Problem gewesen. Ich liebe es, Texte auswendig zu lernen, und ich kann das relativ schnell. Außerdem war Hanna, unser Kindercoach, vor Ort. Sie hat morgens mit uns ein paar Aufwärmübungen gemacht und ist mit uns zusammen die Szenen durchgegangen. Da wir nicht chronologisch gedreht haben, haben wir morgens immer gemeinsam reflektiert, wo wir uns genau im Film befinden. Außerdem spreche ich manchmal zu schnell und verliere dadurch an Deutlichkeit. Hanna hat mir dann immer gesagt, wann ich tief durchatmen und langsamer sprechen sollte, das war unglaublich hilfreich.

Was war einer der lustigsten oder schönsten Momente während der Zeit?
Eigentlich waren die Autofahrten immer lustig, weil ich in der Zeit meinen zwei jüngeren Mitmenschen zeigen konnte, was richtige Musik ist. Wir haben oft Queen gehört und aus Julius und Lior sind zwei kleine Queen-Fans geworden. Unser Fahrer, Michi, ist auch immer mit abgegangen und wir haben die Musik voll aufgedreht.
Einer der schönsten Momente war die kurze Zeit, in der wir mit der Filmfamilie, inklusive Alwara Höfels, im Bett lagen und uns ausruhen sollten. Wir waren alle total müde, haben uns zusammengekuschelt, alle die Augen zu gemacht und versucht innerhalb von fünf Minuten zu entspannen. Davon gibt es auch ein schönes Familienfoto!

Wie fandest du die Zusammenarbeit mit so bekannten Schauspielern wie Dieter Hallervorden und Alwara Höfels? Konntest du von ihnen lernen?
Am meisten kam ich natürlich mit Alwara in Kontakt. Als wir die Außendrehs hatten, haben wir einen Trailer geteilt. Mit ihr war es immer lustig, sie hatte sogar morgens immer gute Laune. Sie hat mich Morgenmuffel immer motiviert und gesagt, dass ich das alles schaffe! Sie war offen und hat mir gleich am ersten Tag vorgeschlagen, dass ich ihr Fragen stellen soll, oder mir angeboten, die Szenen gemeinsam mit ihr durchzugehen. Sie sagte auch, dass wir unsere eigenen Späße mit in den Film einbauen können, damit das Ganze authentisch wirkt. Ebenso konnte ich von Herrn Hallervorden jede Menge lernen. Bei ihm habe ich allerdings mehr vom Zuschauen lernen können, da ich nicht so viele Szenen mit ihm hatte wie Julius.

Im Gap Year kann man Aufträge abwarten

Wie geht es für dich weiter?
Nach der Schule werde ich ein FSJ machen, also ein Gap Year. Und dann fange ich nächstes Jahr im Oktober/September mit dem Studium an. Ich werde Liberal Arts and Sciences studieren, weiß aber noch nicht genau wo. In England wurde ich schon angenommen, bewerbe mich aber Ende dieses Jahres auch noch mal in Amsterdam und Utrecht.
Der Studiengang ermöglicht es mir, meine Interessen ein bisschen auszubalancieren. Einerseits liebe ich das Schauspielen und natürlich würde ich am liebsten Schauspielerin werden. Deswegen habe ich mir auch das Gap Year freigelassen, um zu gucken, ob Aufträge kommen und ob ich das auch so meistern kann. Da ich aber auch immer an anderen Sachen interessiert war, wie z.B. Medizin und Jura, habe ich mir einen Studiengang ausgesucht, in dem ich theoretisch "alles" machen kann. Liberal Arts and Sciences beinhaltet Fachrichtungen der Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften. Es werden sowohl Film und Theater angeboten, als auch Fächer, wie International Relations oder Biomedizin. So habe ich halt immer "the best of both worlds".

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