Allerbeste Freundin
Cool oder crazy: Mit der besten Freundin geht beides | Foto: Thinkstock/DomnitchNastia
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28. Mai 2015

Nathalie Klüver

Freunde

Freundinnen-Kult

Warum es nicht ohne eine allerbeste Freundin geht

Die beste Freundin ist auch im Internet wichtig

"Meine allerbeste; freundinn ist die zuckersüßeste" – so heißt die Facebook-Seite von Amalia und Chiara. Mit der Seite zeigen die Schülerinnen, dass sie beste Freundinnen sind, allerbeste Freundinnen, die gemeinsam durch dick und dünn gehen. Vor anderthalb Jahren haben sich die beiden im Schulbus kennengelernt: Als sie feststellen, dass sie beide Justin-Bieber-Fans sind, hat es schnell klick gemacht. Sie waren sich gleich sympathisch und wurden zu besten Freundinnen, die sich jeden Tag in der Schule sehen und über Facebook und Whats App miteinander kommunizieren. Freundinnen, die sich noch nie gestritten haben: "Wir können miteinander lachen, weinen, sind füreinander da, hören einander zu und lassen uns nicht im Stich.

Viele Freundinnen zeigen ihre Freundschaft öffentlich. Was früher die beste Freundin war, ist heute die allerbeste, die ABF. Der Sprachforscher Martin Voigt von der LMU München setzt sich in seiner Doktorarbeit mit dem Phänomen ABF auseinander und hat festgestellt: "Der Pausenhof wird durch die sozialen Netzwerke in die virtuelle Welt gespiegelt." Es ist geradezu zu einem Kult geworden. Gleichaltrige durchstöbern die Profile ihrer Freunde und Klassenkameraden und sehen, wer mit wem befreundet ist.

Und vor allem: wer die allerbeste Freundin hat, die möglichst oft "I like" sagt, Herzchen postet und Fotos teilt. "Es scheint den eigenen Marktwert zu steigern, wenn man jemanden hat, der möglichst oft seine Zuneigung bekundet." Wobei es um Liebe geht. Hochemotionale Botschaften, wie Martin Voigt beobachtet hat. "Unter Freundinnen gehört es dazu, immer wieder 'ich liebe dich' zu sagen." Und zwar so, dass es alle mitbekommen.

Die beste Freundin als Familienersatz?

Der Sprachwissenschaftler hat Gästebücher und Netzwerkseiten analysiert. Gedichte hat er gefunden, lange Gästebucheinträge, in denen es um Liebe geht, darum, dass man ohne die andere nicht leben kann. Auf Fotos wird gemeinsam posiert, Hand in Hand ins Wasser gesprungen, Arm in Arm in den Sonnenuntergang geschritten.

"Auffallend ist, wie ähnlich sich die Mädchen sehen. Wie gleich die Mimik ist, wie gleich die Posen und die Aussagen", hat Voigt beobachtet. Und die Art, wie geschrieben wird: lange Vokale ("hüüüübsch", "süüüß", "Liiiiiebe"), Smileys, nicht zu vergessen das liegende Herz <3. Wenn die Freundschaft zerbricht, gibt es Liebeskummer.

Woher kommt der Kult um die ABF? Martin Voigt vermutet, dass es daran liegt, dass die Schule immer mehr zum Lebensraum der Jugendlichen von heute wird. Das klassische Familienmodell von früher gibt es immer seltener, zudem sind die Schüler immer länger in der Schule, oft den ganzen Tag. "Als Doppelpack ist man nicht so angreifbar." Selbst abends wird kommuniziert: Das Smartphone macht's möglich und kommt auch gleich mit auf den Nachttisch. Angeschaltet, natürlich, man will ja nix verpassen. "Da wird die beste Freundin zur Bezugsperson."

"Sie gibt dir das Gefühl, dass du geliebt wirst"

Es seien vor allem die 12- bis 16-Jährigen, die einen Kult um die ABF machen, hat Voigt festgestellt. Kommt der erste Freund ins Spiel, dann verändert sich auch die allerbeste Freundschaft.

Aber die beste Freundin bleibe immer wichtig, sagen Chiara und Amalia. "Jede sollte eine beste Freundin haben, da man immer eine Person braucht, der man alles erzählen kann, mit der man immer lachen kann, die immer für einen da ist", findet Chiara. Ohne eine beste Freundin gehe es nicht, sagt auch Amalia: "Sie gibt dir Halt und das Gefühl, dass du gebraucht und geliebt wirst."

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 23. Jun 2015 um 00:41 Uhr von semspare
Mein Kommentar zum Artikel wäre: es ist in erster Linie gelungen, die veränderten Freundschaften darzustellen, die eben mit der Technisierung und der erhöhten virtuellen Kommunikation einhergehen. Bemängeln wäre aber an diesem Artikel die Aussage, die beste Freundin gebe einem das Gefühl, gebraucht und geliebt zu werden, welcher auch den Gesamtkontext des Artikels umfasst. Nicht jeder braucht eine beste Freundin, um sich gut und vor allem 'nützlich' zu fühlen. Dies ist nicht der richtige Umgang, zu einem besseren Selbstwertgefühl zu verhelfen. Hilfreicher wäre es die Tatsache zu bestärken, dass jeder sich selbst der Nächste ist und jeder seinen eigenen sozialen Status selbst bestimmt und definiert; nämlich durch ein gesundes Selbstbewusstsein, was das Individuum dann auch ausstrahlt. Folglich braucht niemand zwingend eine beste Freundin, um sich auf dem Schulhof behaupten zu können. Ein Artikel, der jedem Mädchen ihre eigene innere Kraft und Stärke zeigt, wäre an dieser Stelle viel hilfreicher gewesen.