Urbanatix Drop the Beat
Urbanatix: Artisten- und Musikshow mit rund 50 Künstlern aus aller Welt | Foto: UNICUM

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14.11.2014

Outside the Box Urbanatix

Die Nachwuchs-Artisten der Street-Art-Show Urbanatix

Junge Talente treffen auf...

Bei Urbanatix trifft New York auf Gelsenkirchen, mischen sich junge Künstler unter angesagte Stars der Artisten-Szene. Im November 2014 stehen Biker, Tricker, Freerunner, ... mehr »

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17. Nov 2016

Nathan Niedermeier

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Urbanatix: Streetartistik vom Feinsten

Trampolin-Profi Nick Berg im Interview

Durch Glück und Zufall in die Streetartistik-Szene gerutscht

UNICUM: Was ist Wall Tramp eigentlich genau?
Nick Berg: Beim Wall Tramp springen wir auf einem riesigen Trampolin die Wand hoch, sodass es aussieht, als würden wir sie ganz easy hochlaufen. Die Sportart kommt ursprünglich aus Kanada. Dort gibt es auch Artistenschulen, die das anbieten. Ich hab mir das als Geräteturner aber selber beigebracht. Eine Artistenschule war für mich irgendwie nie so wirklich im Gespräch. 

Wie bist du dann damit zu "Urbanatix" gekommen?
Ich komme aus dem Geräteturnen und habe schon vorher leistungsmäßig Sport gemacht. Durch Zufall haben die Leute von "Urbanatix" eine Wintertraingsmöglichkeit gesucht und dann die Halle gefunden, in der ich zu der Zeit trainiert habe. Die haben eine Wand zum Trainieren aufgebaut – und wie man so als Spielturner ist, probiert man dann nach dem Training auch mal ein paar Sachen aus. Durch Glück wurden gerade auch Leute für "Urbanatix" gesucht und so wurden wir gefragt, ob wir nicht Bock hätten, mitzumachen. So bin ich dann da reingerutscht. Das war echt Zufall und ein Riesen-Glück, einfach toll. Heute turne ich also kaum noch Wettkämpfe, sondern bin jetzt im Showbusiness viel auf dem Trampolin unterwegs.

Also bist du neben Urbanatix auch bei anderen Shows auf der Bühne zu sehen?
Genau. Immer da, wo man als Freelancer gerade gebraucht wird, auch international: Von der Gala über Messen bis zu solchen Projekte wie "Urbanatix". Letzten Sommer habe ich zwei Monate in Dubai gespielt, das war schon eine krasse Geschichte. Es war in etwa so, wie man das von einer Stunt-Show kennt. Es gab da einen Freizeitpark und eine kleine Bühne, auf der wir dann mit internationalen Artisten so drei Mal am Tag eine kleine Show gemacht haben.


Urbanatix Akrobatik


"Urbanatix ist für mich wie ein Zuhause"

Wirst du für die Shows gebucht oder fragst du selbst bei den Veranstaltern an?
Man muss einmal in die Szene reinrutschen und die richtigen Connections aufbauen. Dann Nick Berkkennt man Leute und die kennen wieder andere und so weiter. Klar, man muss auch immer zusehen, dass man ein bisschen Werbung für sich macht. Es gibt zum Beispiel Demovideos, die man verschicken kann. So kann man die Leute Up-to-Date halten – und wird mit etwas Glück gebucht.

Aber "Urbanatix" ist schon etwas Besonderes für dich?
Auf jeden Fall, hier bin ich ja groß geworden. Nur durch "Urbanatix" bin ich erst in die Szene reingerutscht. Ich werde auch jedes Mal mitmachen, wenn ich kann. "Urbanatix" ist für mich wie ein Zuhause.

Ist dir denn während einer Show auch schon mal ein grober Fehler passiert?
Ich habe mal einen Trick gemacht, bei dem ich nicht zurück an die Wand gekommen bin. Man rudert mit den Armen und landet irgendwann wieder unten, guckt nach oben – dahin, wo man eigentlich jetzt stehen sollte. Dann muss man gucken, dass man irgendwie möglischst unauffällig wieder hoch kommt. Aber sonst – Toi, toi, toi – noch nichts Gravierendes. Und fies verletzt habe ich mich zum Glück noch nie.


Urbanatix Wall Tramp Nick Berg


Studium gut mit der eigenen Leidenschaft kombinierbar

Physiotherapie zu studieren passt ja gut zu deiner Sportart. Hast du denn überhaupt noch Zeit für das Studium?
Also jetzt gerade eher wenig, wegen der Probenzeit muss ich einige Abstriche machen. Aber normalerweise kann man das Trainieren ja ganz gut in den Abend schieben. Wenn so längere Shows wie "Urbanatix" sind, muss man halt echt gucken, dass das irgendwie passt. Aber generell ist das ganz gut machbar.

Musstest du deine Kollegen denn auch schon mal einrenken?
(Lacht) Bisher zum Glück noch nicht! Ich habe allerdings auch erst vor zwei Monaten mit dem Studium angefangen.

Und was machst du sonst noch so außer den Shows und dem Studium?
Das füllt das Leben momentan schon so ziemlich aus. Ansonsten bin ich nach dem Abitur viel gereist, war in Australien und in Südamerika. Danach habe ich mir halt gesagt: Trampolinshows und Physiotherapie – das ist das, wo mein Weg mich immer hinführt. So ist dann die Entscheidung darauf gefallen.



"Urbanatix war wie ein Türöffner"

Was ist das Wichtigste, das du bei "Urbanatix" gelernt hast und du für dich selbst mitnimmst?
Ich habe mich selbst komplett neu kennengelernt. Es gibt nicht nur eine Sache, die ich gelernt habe. Es war ein komplett neuer Selbstanteil von mir, der auf einmal da raus kam und mit dem ich jetzt weiter reise. Urbanatix war wie ein Türöffner für mich.

Welche Eigenschaft braucht man, damit eine Performance mit einer so großen Gruppe funktioniert?
Wichtig ist, sich klar zu machen, dass man nicht nur für sich die Show spielt. Das fiel mir am Anfang relativ schwer, denn man konzentriert sich natürlich darauf, dass die eigenen Tricks sitzen. Aber dann ist es wirklich diese Verbindung, die man zu dem Team und allen Akteuren aufbauen muss. Man kreiert zusammen eine Energie, die man dem Publikum schenken kann. Man könnte sagen, die größte Herausforderung bei diesem Projekt ist, mit der Gruppe zu verschmelzen, aber gleichzeitig selbst zu strahlen.

Und wenn ich das jetzt sehe und denke: "Wow, das will ich auch unbedingt mal machen." Wie steige ich ein?
Wir haben jetzt seit einiger Zeit den offenen Trainingsplatz "Openspace" in Bochum. Wir Trampolinspringer trainieren da, die Breakdancer, die Parcourleute, Tricker – wirklich jeder. Und wer einfach Bock hat, da mal was zu machen, der ist immer herzlich eigeladen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich will mich einfach treiben lassen und gucken, was das Leben noch so bringt. Bis jetzt läuft es einfach absolut Wahnsinn und kann gerne so bleiben.


Urbanatix - "Drop the Beat"

Die neue Show "Drop the Beat" von  Urbanatix ist vom 11. bis zum 22. November in der Jahrhunderthalle in Bochum zu sehen. Leute, die Lust haben auf reichlich Action, frische Beats und beeidruckende Performence, sollten sich diese Veranstaltung nicht entgehen lassen. Menschen wirbeln durch die Luft, Hip-Hop-Tanz und Bodypercussion bringen die Bühne zum beben – dazwischen immer wieder Momente, die einem den Atem rauben.

Die rund 50 Künstler kommen aus der ganzen Welt, zum Beispiel aus Kanada, Russland, oder Schweden. Der größte Teil der Crew hat seine Trainingstätte allerdings im Bochumer Openspace, der Jugendlichen offen steht, um dort Streetartistik zu trainieren. "Urbanatix" ist ein womöglich weltweit einmaliges Projekt, das nicht nur Profis und Amateure, lokale und internationale Artisten zusammenbringt, sondern auch unterschiedlichste Formen moderner Streetartistic und Bewegungskunst grandios miteinander vereint.

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