Jella Haase in Fack ju Göhte 2
Jella Haase als Chantal in "Fack Ju Göhte 2" | Foto: Constantin Film Verleih/Christoph Assmann
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01. Sep 2015

Merel Neuheuser

Promis

Jella Haase: Alles Chantal, oder was?

Die Schauspielerin aus "Fack ju Göhte 2" im Interview

"Jella Haase ist Chantal überhaupt nicht ähnlich"

UNICUM: Der Spruch "Chantal, heul leiser" hat eigene Fanpages bei Facebook mit hunderttausenden Likes und Chantal wirkt beim zweiten Teil wie DIE Hauptrolle … war dir vor dem ersten Film klar, dass gerade deine Figur so ankommt?
Jella Haase: Krass, solche Seiten gibt es?! Nein, das habe ich überhaupt nicht geahnt. Ich war mir gerade mit meiner Rolle total unsicher – ich bin Chantal überhaupt nicht ähnlich und war mir nicht sicher, ob ich die Rolle authentisch rüberbringen kann. Und ehrlich gesagt fand ich im ersten Teil ganz viele Sachen überhaupt nicht witzig. Ich war richtig überrascht, an welchen Stellen die Leute dann am meisten gelacht haben, was aber auch ganz gut war, weil es vielleicht genau dadurch authentisch geworden ist.

Vor nicht allzu langer Zeit hast du ja selber noch die Schulbank gedrückt … du sollst 2013 dein Abi gemacht haben. Wie chantallig warst du denn als Schülerin?
Es gab schon ein paar Fächer, in denen ich ein bisschen Chantal war – in Mathe, Physik oder Chemie war ich ganz schön schlecht. Da habe ich mich ein bisschen doof angestellt, obwohl ich immer Nachhilfe hatte! In anderen Fächern wie meinen Leistungskursen Deutsch und Englisch war ich dafür total gut, engagiert und interessiert.

Hattest du auch mal einen Lehrer, der bei dir richtig Eindruck gemacht hat?
Ja, mein ehemaliger Klassenlehrer Herr Ullrich! Der war auch noch relativ jung, als wir ihn als Lehrer bekommen haben. Ein sehr intelligenter Mensch, bei dem man einfach gemerkt hat, dass ihn das, was er uns beibringt, auch selber interessiert. Auch außerhalb des Klassenraums haben mich die Inhalte beschäftigt. Herr Ullrich hatte zwar einen großen Leistungsanspruch, aber es war wirklich wahnsinnig interessant. Vielleicht liest er das hier ja!

"Fast wie eine echte Klassenfahrt"

Für "Fack ju Göhte 2" habt ihr in Thailand gedreht. Deine Kollegin Josefine Preuß hat mal gesagt, dass Drehs im Ausland immer was von Klassenfahrten haben. Wie viel reale Klassenfahrt steckte denn in der dort gedrehten Klassenfahrt?
Grundsätzlich war die Voraussetzung gegeben, weil wir ziemlich viele Jugendliche waren und sechs Wochen aufeinandergehockt und Tür an Tür in Hotels gewohnt haben. Aber dadurch, dass wir gearbeitet haben, ich jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen musste und wir manchmal bis zu sechszehn Stunden gedreht haben, haben wir uns sehr brav benommen. Natürlich sind wir manchmal weggegangen und hatten auch verrückte Abende, aber im Großen und Ganzen war das eine sehr professionelle Atmosphäre.

Mit wem kamst du auf der Fahrt besonders gut klar?
Ich habe mich super mit Gizem Emre und Anna Lena Klenke angefreundet, wir haben jede Nacht beieinander übernachtet und morgens Yoga gemacht. Aber während wir abends häufig vernünftig waren, waren die Jungs eigentlich immer aktiv!

Wie war es, in Thailand zu drehen? Da, wo andere Urlaub machen … 
Ich war vor dem Dreh noch nie in Asien und musste mich erst mal daran gewöhnen, dass man auch bei 40 Grad die ganze Zeit vor der Kamera steht und wirklich zerfließt. Einen ganzen Film mit Stunts oder ewig langen Szenen zu stemmen, war schon sehr anstrengend. Leider haben wir von der Kultur nur wenig mitbekommen, dafür fehlte die Zeit.

"Man findet in seiner eigenen Stadt keine Wohnung mehr"

Chantal spricht ja ziemlich witzig mit ihrem ausgeprägten Hauptschulhofjargon. Hattest du vorher schon Übung oder hast du stundenlang RTL II geschaut?
Ich habe immer schon mit Freundinnen aus Spaß so gesprochen. Deshalb hatte ich schon Übung. Solche Sendungen kann ich mir nicht antun (lacht)! Irgendwie bin ich diesen Sprech aber auch gewohnt. Wenn man wie ich in Kreuzberg aufwächst, dann hört man das häufiger.

Heute wollen alle nach Berlin – du bist in einem der "szenigsten" Stadtteile aufgewachsen. Wie hat sich dein Berlin verändert?
Ich wohne mittlerweile in Neukölln, wo dieser Hype ja auch total krass ist. An meiner Mama kann man gut festmachen, wie sich die Gegend verändert hat. Sie hat sich, als sie ihre Zahnarztpraxis eröffnet hat, für Neukölln entschieden, weil sie wirklich den ärmeren Menschen helfen wollte, und hat so mitbekommen, wie sich der Stadtteil komplett verändert hat. Natürlich nicht nur negativ. Es haben nette Kneipen und viele schöne Cafés aufgemacht.

Schwierig wird es, wenn die Anwohner die Miete nicht mehr zahlen können und an den Stadtrand ziehen müssen. Mit dem Problem haben gerade alle Berliner in meinem Alter zu tun. Man findet in seiner eigenen Stadt keine Wohnung mehr, weil alle nach Berlin wollen.

Deine Film-Lehrerin Karoline Herfurth studiert neben ihrer Schauspielerei noch. Kommt ein Studium für dich auch infrage?
Ich möchte auch studieren und habe auch schon einen Studienplatz in Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaften. Das mache ich aber nicht als zweites Standbein, sondern aus Interesse und weil es mir in der Film-Branche fehlt, Texte zu interpretieren und mich darüber auszutauschen.

"2016 bin ich Teil des Ermittlerteams im Tatort"

Wenn man sich deine Kanäle in sozialen Medien ansieht, fällt auf, dass du häufig sehr gut und teuer gekleidet bist. Du scheinst sehr "into" zu sein, was die Berliner Modeszene angeht?!
Wenn man über den roten Teppich geht, was als Schauspielerin gang und gäbe ist, dann ist es üblich, dass man von Labels oder Designern ausgestattet wird. Die fragen einen, ob man ihre Kreationen tragen möchte, weil diese dann möglicherweise abgelichtet werden. Das ist eine Win-win-Situation für beide. So habe ich einen guten Freund kennengelernt, den Modedesigner Kilian Kerner. Wir entdecken gerade viele Synergien, arbeiten an einem Stil und haben beide viel Spaß daran!

Wo kann man dich in nächster Zeit sonst noch sehen?
Am 03. Oktober wird "Die Klasse" im Fernsehen zu sehen sein, ein Film über den Mauerbau, und im Winter kommt "4 Könige" raus, ein Film über Jugendliche in einer Jugendpsychiatrie. Außerdem habe ich eine kleine Rolle in einer "Heidi"-Neuverfilmung und werde in einem Film namens "Jade" zu sehen sein. Und 2016 bin ich Teil des Ermittlerteams im Dresdner Tatort!


Nachgehakt

  • Wofür setzt du dich ein?
    Dass alle Menschen gleich behandelt werden und die Gastfreundschaft in unserem Land einen höheren Stellenwert bekommt. Und für Peta gegen Massentierhaltung und Fleischkonsum.
     
  • Welche fiktive Person entspricht am ehesten deiner Person?
    Pippi Langstrumpf.
     
  • Auf welche Musikalbum-Veröffentlichung freust du dich am meisten?
    Auf das der "The Allah-las".
     
  • Welches Schimpfwort rutscht dir manchmal raus?
    "Kacke" rutscht mir schon mal raus.

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