Malte Pieper
Comedian Malte Pieper | Foto: PR/www.maltepieper.de
Autorenbild

17. Jul 2012

Janina Finkemeyer

Promis

Wie wird man eigentlich ... Comedian?

-ARCHIV-

Comedian und Autor Malte Pieper im Interview

"Es darf ruhig mal ein Gag schiefgehen"

UNICUM: Du bist Comedian, hast ein Buch geschrieben, schreibst Texte für andere und du studierst auch noch. Wie schaffst du das alles?
Malte Pieper: Das erfordert viel Organisation und man braucht Leute die einem dabei helfen. Meine Agentur nimmt mir zum Beispiel viel Organisatorisches ab. Ansonsten muss man immer gucken, dass alles so nebeneinander passt. Momentan bin ich zu 50 Prozent Student und zu 50 Prozent Comedian, bis jetzt geht das ganz gut. 

Mit 16 hattest du deinen ersten Auftritt als Comedian. Du hast seitdem schon viele Preise abgesahnt - wie bist du überhaupt zur Comedy gekommen?
Ich habe mich schon immer für Comedy interessiert und viel Comedy im Fernsehen geguckt. Alle Jungs wollen natürlich zuerst Fußballer werden, mir war aber relativ schnell klar, dass ich nicht Fußballspielen kann. Dann wollte ich zum Fernsehen und so kam irgendwann die Comedy. Ich habe angefangen, selber Texte zu schreiben. 2008, mit 16, hat sich dann die Chance ergeben, auf einer kleinen Bühne in Köln aufzutreten, auf der jeder aufführen kann was er möchte. Mein Auftritt hat dort gut funktioniert und dann habe ich immer weiter gemacht. 

Wie hast du Schule und Comedy unter einen Hut bekommen?
Am Anfang hatte ich noch nicht so viele Auftritte, deshalb war die Belastung nicht so groß. Wenn es aber zum Beispiel zum "Quatsch Comedy Club" nach Berlin ging, musste ich ab und zu von der Schule beurlaubt werden. Dann bin ich immer schön brav zum Lehrer gegangen und habe mir eine Beurlaubung geholt. Wenn es zu häufig wurde, musste ich mir die Beurlaubung dann vom Rektor holen. Ein bisschen Aufwand war das schon, aber es ging.

Gab es da gar keine Probleme von Seiten der Schule aus?
Natürlich gibt die Schule einem nicht einfach so frei und ich musste genau erklären was ich mache. Aber dann fanden die Lehrer und der Rektor es gut und haben mich für Auftritte immer beurlaubt.

Die Ideen kommen aus dem Leben oder einem Geistesblitz

Wie entsteht ein neues Bühnen-Programm bei dir? Kommen dir alle Ideen im Alltag oder sitzt du auch manchmal am Schreibtisch und tüftelst an neuen Gags?
Manchmal habe ich quasi einen Geistesblitz, wenn ich etwas gerade erlebt habe oder mich irgendwas aufregt. Es gibt aber auch Themen, da denke ich, dass es mal interessant wäre und ich mal etwas dazu schreiben könnte. Dann setze ich mich auch mal hin und mache ein bisschen Brainstorming. Manchmal kommt dann was raus, manchmal aber auch nicht. 

Wem stellst du neue Gags zuerst vor?
Das mache ich auf kleineren Bühnen, da darf ruhig mal ein Gag schiefgehen. Manchmal finden Leute dort aber auch Sachen lustig, bei denen ich gar keinen Lacher eingeplant hatte. Neue Sachen meiner Familie oder meinen Freunden vorzustellen, habe ich relativ schnell aufgegeben. Sie wissen meist nicht wie sie reagieren sollen und können nicht neutral sein.

"In der Schule war ich nie der Klassenclown"

Was haben deine Lehrer und Mitschüler gesagt, als sie das erste Mal richtig gesehen haben, was du auf der Bühne machst und sagst?
Die waren relativ überrascht. In der Schule war ich nämlich nie der Klassenclown, sondern eher ein ruhigerer Typ. Es war nicht logisch, dass ich Comedy mache. Aber als sie die Videos meiner Auftritte auf Youtube angeschaut haben, kam durchweg positives Feedback.

Haben sich Lehrer oder ehemalige Mitschüler bei dir gemeldet, als im Juni dein Buch "Wenn der Keks redet, haben die Krümel Pause" erschienen ist? Darin schilderst du die Höhepunkte deines Schülerlebens und deine Lehrer und Mitschüler kommen dabei nicht immer so gut weg…
Von Lehrern habe ich noch nichts gehört. Zu meinen ehemaligen Mitschülern habe ich natürlich über Facebook Kontakt und da haben sich schon viele gemeldet. Sie schreiben, dass sie einiges wiedererkennen, es aber gut finden, dass ich das Buch geschrieben habe.

Musstest du denn nicht manchmal auch ein bisschen aufpassen was du schreibst, damit Schüler und Lehrer nicht beleidigt werden?
Es ist ein unterhaltsames Buch, ein Stück weit Satire, und ich glaube, ich tue damit keinem weh. Das war auch nicht meine Absicht. Sämtliche Namen habe ich natürlich komplett geändert und auch vieles sehr entfremdet. Klar gibt es auch kritische Passagen, und die soll es auch geben, aber ich denke, dass sich keiner wirklich beleidigt fühlen muss. Man muss das ganze Buch mit Humor aufnehmen.

Du übst in deinem Buch auch Kritik am deutschen Bildungssystem aus. Gibt es etwas ganz Konkretes, was du dir als Verbesserung wünschen würdest?
Da gibt es vieles. Am meisten stört mich, dass Dinge verordnet werden, obwohl keine Mittel dazu da sind. Plötzlich hieß es Ganztagsschule und G8-Abitur. Es sind aber gar keine Schulbücher für G8 da, es gibt keine Mensen und keine Räume zum ruhigen Arbeiten. Die Bedingungen sind oft einfach so unglaublich schlecht.

"Ich habe noch einen Plan B"

Trotz deiner Erfolge als Comedian hast du ein Studium angefangen. Warum wolltest du noch studieren und dich nicht voll und ganz auf deine Comedy-Karriere konzentrieren?
Ich denke, dass studieren oder eine Ausbildung machen eine wichtige Erfahrung ist. Außerdem bin ich niemand, der sich einfach blind irgendwo reinstürzt. Ich habe noch einen Plan B und wollte, wie man immer so schön sagt, etwas Vernünftiges lernen. 

Gefällt dir das Studieren besser als deine Schulzeit oder ist es für dich ein ähnlicher alltäglicher Wahnsinn?
Studieren ist anders und ich finde es wesentlich besser. Gerade die letzten Schuljahre waren für mich ein bisschen nervig und quälend. Da war ich froh, als es vorbei war. Im Studium finde ich die Arbeitsform ganz gut, dass man sich alles selbst einteilen kann. Wobei es natürlich auch da wieder diese ganzen bürokratischen Strukturen gibt und die sind ziemlich nervig.

Kleiner Tipp: "Ausprobieren, einfach ausprobieren"

Siehst du dich in Zukunft hauptsächlich auf der Bühne oder reizt dich das Schreiben mehr?
Mein Traum wäre es Beides machen zu können – als Komiker auf der Bühne zu stehen und Zuhause am Schreibtisch als Autor zu arbeiten. Beides macht mir sehr viel Spaß.  

Was würdest du Jugendlichen raten, die auch den Wunsch haben Komiker zu werden?
Ausprobieren, einfach ausprobieren. Auf kleine und offene Bühnen gehen und einfach testen. Sich auch nicht vom ersten Auftritt gleich abschrecken lassen. Ich hatte Glück, dass mein erster Auftritt gut lief. Es gibt viele Kollegen, bei denen es anders war. Wenn sie dann direkt aufgehört hätten, gäbe es sie heute nicht. Deshalb sollte man es immer mehrfach ausprobieren. 

Warum trägst du fast immer ein rotes T-Shirt?
Das ist so eine gewisse Art Kostüm. Wenn ich kurz vor dem Auftritt da reinschlüpfe, bin ich quasi der "Bühnen-Malte". Das Rot spielt dabei keine besondere Rolle, das hat sich einfach so ergeben.


Artikel-Bewertung:

3.43 von 5 Sternen bei 129 Bewertungen.

Deine Meinung: