Saskia Rosendahl in Lore
Saskia Rosendahl spielt die Hauptrolle im Film "Lore" | Foto: Piffl/ good!movies
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31. Jan 2013

Janina Finkemeyer

Promis

"Shooting Star" Saskia Rosendahl

Die Schauspielerin über Schule, Zukunftspläne und den Trubel um ihre Person

Über das Ballett zur Schauspielerei

UNICUM: Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
Saskia Rosendahl: Bei mir kam das durch das Ballett. Die Tochter meiner Ballettlehrerin war Schauspielerin und dadurch ist der Kontakt entstanden. Es war keine bewusste Entscheidung, dass ich jetzt Schauspielerin werde, sondern pure Neugier. Ich habe mich dann bei einer Agentur beworben und die haben mich direkt genommen.

Und dann wurdest du auch schon für deine erste Hauptrolle in "Lore" engagiert.
Dafür habe ich erst ein E-Casting gemacht. Das heißt, man bekommt eine Szene zugeschickt, sitzt zuhause und nimmt sie auf. Das habe ich meiner Mama und meinem Bruder gemacht. Daraufhin wurde ich zu einem weiteren Casting eingeladen und dann ging auch schon das Coaching los und ich habe die Regisseurin und das Team kennengelernt.

Die Dreharbeiten liefen während deiner Schulzeit. Wie hat das geklappt?
Das hat eigentlich ganz gut funktioniert. Ich war in der elften Klasse die letzten zwei Wochen unregelmäßig in der Schule, dann die kompletten Sommerferien am Set und vielleicht noch so drei vier Wochen zu Beginn der zwölften Klasse.

Hattest du einen Lehrer am Set oder hast du Aufgaben von deiner Schule bekommen?
Ich habe überlegt, ob ich mir einen Privatlehrer ans Set nehme, aber das wäre überhaupt nicht gegangen. Ich war den ganzen Tag beschäftigt und hatte keinen Kopf für irgendwas anderes. Vor Drehbeginn wusste ich schon, dass ich ein paar Wochen in der Schule fehle und habe den Stoff dann schon vorher von meinen Lehrern bekommen. Aber das vor oder während der Dreharbeiten zu machen, habe ich nicht hinbekommen. Deshalb musste ich hinterher alles nachholen. Aber das ging auch.

Schule schmeißen? Auf keinen Fall!

Ziemlich gut sogar! Schließlich hast du dein Abi mit 1,4 bestanden. Dafür hast du doch dann nach den Dreharbeiten bestimmt nochmal voll reingehauen…
Ehrlich gesagt nicht. Also ich habe in der zwölften Klasse weniger gemacht als vorher. Das Abi ist ja eigentlich eine Vertiefung von dem Stoff der letzten Schuljahre und da habe ich immer gut mitgemacht. Wenn ich weiß, dass ich etwas machen muss, egal wie blöd es manchmal ist, gilt für mich einfach Augen zu und durch. Ich wollte meinen Abschluss unbedingt machen und habe es auch durchgezogen, obwohl es stressig war. Gerade nach dem Dreh von Lore gab es so ein schwarzes Loch, weil ich gefühlt irgendwie nichts zu tun hatte. Obwohl ich ja gleich wieder in der Schule war.

Hast du in der Zeit dann nicht manchmal daran gedacht, die Schule zu schmeißen und dich erst mal voll und ganz der Schauspielerei zu widmen?
Das kam nicht in Frage. Für mich war klar, dass ich das Abi mache. Sonst wäre der ganze Stress umsonst gewesen und vielleicht will ich ja auch noch studieren.

Hast du konkrete Pläne, was du studieren würdest?
Leider nicht. Hätte ich irgendetwas, was mich total begeistert, hätte ich vielleicht auch schon nach der Schule angefangen zu studieren. Aber ich habe noch nicht das Richtige für mich gefunden. Gerade bin ich mit ein oder zwei Beinen schon fest in dem Schauspielrhythmus. Da muss ich jetzt erst mal schauen, wie das weitergeht.

Wie war es für dich nach den Dreharbeiten in der Schule? Gab es viele Neider?
Neid und Eifersucht habe ich zum Glück gar nicht gespürt. Aber ganz viel Interesse und Neugier. Da gab es dann Fragen wie "Wie war der Dreh?" oder "Wirst du jetzt berühmt?". Das war auch alles total schön, aber manchmal war es auch schwer. Ich wollte am liebsten zum Dreh zurück und gar nicht in der Schule sein. Meinen Mitschülern konnte ich nicht genau erklären, was ich alles erlebt habe, weil es einfach so viel und so eine andere Welt war. Das kann man nicht so richtig beschreiben. Die wussten einfach nicht, was es bedeutet einen Film zu drehen und das war auch nicht schlimm. Das wusste ich vorher auch nicht. Aber deswegen war es für mich nicht so einfach.

Der Dreh war wie verlängerte Sommerferien

Hattest du dann Kontakt zu anderen Schauspielern, mit denen du deine Erfahrungen besser austauschen konntest?
Ja, und das ist auch total wichtig gewesen. Das halbe Team von Lore stammte allerdings aus Australien und war total weit weg, aber trotzdem standen wir vor allem am Anfang in gutem Kontakt. Mit meinen Filmgeschwistern treffe ich mich jetzt auch noch regelmäßig. Aber trotzdem habe ich mich am Anfang irgendwie allein gefühlt.

Für die Dreharbeiten warst du ziemlich lange von zu Hause weg. Wie war das für dich, deine Familie und Freunde länger nicht zu sehen?
Mit kam das gar nicht so lang vor, weil der Dreh für mich wie verlängerte Sommerferien war und in der Urlaubszeit auch viele Freunde verreist waren. Ich war so sehr eingebunden, dass ich nicht so viel darüber nachdenken konnte und keine Zeit für Heimweh hatte. Meine Mama war ab und zu auch am Set, eine Freundin hat mich besucht und ich habe viel telefoniert. Außerdem habe ich mich echt wohl gefühlt, deswegen war das nicht schlimm.

Wie gehst du mit dem ganzen Trubel um?
Das ist immer noch seltsam. Also ich kann mich da nicht wirklich dran gewöhnen, weil es einfach eine ganz andere Welt ist. Von außen sieht immer alles so glamourös aus, aber die ganze Promotionarbeit ist wirklich nicht leicht. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Die ganze Aufmerksamkeit ist einfach ungewohnt. Man fragt sich manchmal, warum sich alle für einen interessieren.

Was machst du, um dich von dem ganzen Rummel zu erholen?
Ich spaziere und tanze gerne. Nach der Schule habe ich auch angefangen viel zu lesen. Am liebsten Schicksalsbücher. Ich mag Sachen, die nah an der Realität sind. 

"Ich hätte auch Lust, mal was Witziges zu machen"

Du bist bis immer in ernsten Filmen zu sehen. Bleibst du in diesem Genre?
Hauptsächlich bekomme ich schon Angebote für ernstere Themen. Aber ich hätte auch Lust, mal was Witziges zu machen. Ich weiß nicht, ob ich das kann, aber gerade das ist spannend.   

Kannst du dir vorstellen, noch mal eine Schauspielschule zu besuchen?
Das ist auf jeden Fall eine Option in meinem Kopf, aber ich fühle mich noch nicht bereit dazu. Ich möchte erst noch ein paar Erfahrungen sammeln und in alle möglichen Bereiche reingucken.

Zurzeit bekommst du die Rollen ja auch ohne richtige Schauspielausbildung angeboten…
Genau, die Welle muss man mitnehmen. (lacht) Aber im Ernst, vor jeder Rolle steht ein Casting, einfach nur auswählen kann ich noch nicht.


Über den Film "Lore"

 "Lore" spielt im Jahr 1945 in Süddeutschland. Die 15-jährige Lore ist in einem nationalsozialistischen Elternhaus aufgewachsen. Der Führer und die Liebe zum Vaterland stehen für sie an erster Stelle. Doch der Krieg ist vorbei, der Führer tot und ihre Eltern verhaftet. Lore ist plötzlich auf sich allein gestellt und muss sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Sie befolgt die letzte Anweisung ihrer Mutter, sich mit ihren Geschwistern zur Großmutter nach Norddeutschland durchzuschlagen. Auf ihrer Reise durchs besetzte Land wird sie mit Hunger, Elend und Kälte konfrontiert und beginnt immer mehr an ihrem nationalsozialistischen Glauben zu zweifeln. Als sie dann dem etwas älteren Thomas begegnet, scheint ihr bisheriges Weltbild völlig auseinanderzubrechen.

Mehr Infos unter www.lore-der-film.de

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