Jannis Niewöhner Interview
Jannis Niewöhner spielt Zach | © 2017 Constantin Film Verleih GmbH/die film gmbh/Marc Reimann

Filme

30.08.2017

Jugend ohne Gott

Jugend ohne Gott

Die Dystopie kommt am 31. August in...

Jeder kämpft für sich, Werte wie Mitgefühl oder Empathie gibt es nicht mehr. Nur die Besten bekommen eine Chance: Wer nicht schnell genug ist, fliegt. Wer nicht klug genu ... mehr »

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01. Sep 2017

Nina Weidlich

Promis

Jannis Niewöhner im Interview: "Mein Abi habe ich für Oma gemacht!"

Jannis war nicht "der begabteste Schüler"

UNICUM: Warst du in der Schule eher Elite oder "Substandard", wie die Normalos in "Jugend ohne Gott" genannt werden?
Jannis: Auf jeden Fall eher Substandard! Ich musste wegen der Schauspielerei jedes Jahr mindestens zwei Monate aus der Schule raus und deshalb viel Stoff nachholen. Ich war aber auch einfach nicht so der begabteste Schüler, der sich in allen Fächern gut bewähren konnte. Das ist ein Prozess, den man irgendwann für sich annehmen muss. Trotzdem habe ich natürlich immer versucht, mein Bestes zu geben. Ich wusste aber schon immer, was ich später machen will. Dadurch hatte ich zum Glück etwas, worauf ich vertrauen konnte.

Wenn du als Schauspieler schon so früh erfolgreich warst: Warum hast du dein Abitur dann überhaupt gemacht?
Das war eher so eine Sache, die von meiner Familie aus kam. Eigentlich wurde mir immer die Wahl gelassen. Ich hätte also auch sagen können: "Jetzt höre ich auf". Eine Zeit lang hab ich das auch stark überlegt, aber ich habe es dann doch nicht über's Herz gebracht. Weil ich zum Beispiel wusste, dass meine Oma unbedingt will, dass ich die Schule zu Ende mache. Und obwohl ich heute manchmal denke, dass ich die letzten zwei, drei Jahre schon anders hätte nutzen können, hatte ich in der Schule trotzdem eine gute Zeit. Deshalb glaube ich auch, dass es nie verkehrt ist, sein Abi zu machen.



"Auf meine Art war ich schon rebellisch"

Hast du aus der Schulzeit denn etwas mitgenommen, das dir bei deiner Arbeit als Schauspieler weiterhilft?
Jannis Niewöhner SelfieDie Schule ist ein Ort, an dem man mit allen möglichen, unterschiedlichen Charakteren konfrontiert wird. Und das ist natürlich total wichtig für den Beruf: Offen zu sein, Interesse für andere Menschen zu haben, sich nicht zu verschließen. Auch für einen Film wie "Jugend ohne Gott" ist die Schule wichtig, weil man all die Missstände, die dort aufgezeigt werden, auch aus der eigenen Schulzeit kennt. Zum Beispiel, dass Menschen aufgrund ihrer körperlichen Verfassung oder schlechter Leistung ausgeschlossen werden.

In dem Film stellst du dich gegen das System und setzt dich für schwächere Schüler ein. Warst du in der Schule auch so ein Rebell?
Ich glaube, auf meine Art war ich schon rebellisch. Ich finde es aber schwierig, wenn man alles ablehnt, nur weil man ein Rebell sein will. Es bringt nichts, anderen Meinungen mit Aggressivität und Unverständnis entgegen zu treten. Das Verständnis der Gegenseite erlangt man am stärksten dadurch, dass man erst einmal selbst Verständnis aufbringt und mit Ruhe und Offenheit nach den Schwachstellen im System sucht.

Besser sein als alle anderen – darum geht es Jannis Niewöhner nicht

Wie gehst du persönlich mit Leistungsdruck um?
Druck entsteht ja eigentlich immer nur, wenn man jemandem gerecht werden will. Meistens ist man das nicht selbst, sondern die Gesellschaft um einen herum. Ich glaube, dass es immer einen Weg gibt, sich die Dinge nicht als Druck auszulegen. Man muss sich einfach bewusst machen, dass man alles für sich selbst macht – dann verliert man auch nicht den Spaß an der Sache.

Für einen Schauspieler ist natürlich leicht gesagt, wie viel Spaß einen der Job macht…
Das stimmt, aber ich kann das für mich zum Beispiel auf die Casting-Situation übersetzen. Es gibt viele Schauspieler, die beim Casting wahnsinnig aufgeregt sind und unter einem totalen Druck stehen, weil sie denken: Ich muss die Rolle kriegen, ich muss dem Regisseur gefallen. Ich finde, das ist die falsche Herangehensweise. Weil das immer bedeutet, dass man sich vergleicht und versucht, besser als andere zu sein – darum geht's aber eigentlich gar nicht. Wenn ich zu einem Casting gehe, dann auch, um den Regisseur auszutesten und die Rolle für mich auszuprobieren. So nehme ich mir selbst den Druck.

"Die Angst vorm Scheitern bringt mir gar nichts"

Was ist die wichtigste Erkenntnis, die du aus den Dreharbeiten zu "Jugend ohne Gott" mitnehmen konntest?
Dass die Dystopie, die wir in dem Film erzählen, sehr nah an unserer jetzigen Gesellschaft dran ist. Ich verstehe es ein bisschen als Warnsignal und hoffe, dass viele Schulklassen ins Kino gehen und hinterher gemeinsam überlegen: Was können wir dagegen machen? Diese Frage stelle ich mir auch selber: Ich weiß, dass ich selbst zu diesem System gehöre und das auch zum Teil mitspiele. Das zu ändern ist total schwierig, aber zumindest wirft der Film Fragen auf und regt zum Nachdenken an.

Die Story macht auch deutlich, dass Erfolg sehr schnell wieder vorbei sein kann. Hast du als Schauspieler auch manchmal Angst vor einem Absturz?
Darüber denke ich tatsächlich ganz befreit nach. Ich kann Angst vor einer neuen Rolle haben, in der ich vielleicht mehr von mir preisgeben muss und nicht weiß, ob ich das wirklich will. Dann ist die Angst konstruktiv, weil ich mich etwas trauen muss. Einfach nur Angst vorm Scheitern zu haben, bringt mir aber gar nichts.

Im Film bekommen alle Schüler einen Chip unter die Haut injiziert, der sie jederzeit orten kann. Findest du solche Technologien praktisch oder eher gruselig?
Ich finde das total gruselig, aber eigentlich gibt's das ja auch schon in Form meines iPhones in der Tasche. Wir werden abgehört, seitdem es Siri gibt. Zusätzlich geben wir selbst durch die sozialen Netzwerke ganz viel preis. Man muss sich echt klar machen, dass wir so einen Chip eigentlich alle schon tragen – unbewusst.

In einer überwachten Welt bleibt wenig Platz für Geheimnisse, deshalb spielt das Tagebuch für Zach eine große Rolle. Wenn du dich einem Tagebuch anvertrauen würdest: Was für Zukunftspläne würdest du aufschreiben?
Eigentlich möchte ich einfach das weitermachen, was ich gerade mache. Aber es gibt ja immer Dinge, die die man an sich gerne noch verändern würde. Ich finde es immer wichtig, ein Idealbild von sich zu haben. Nicht, um zu sagen: Das muss ich irgendwann erreicht haben. Aber wenn ich etwas habe, das ich anstreben kann, führt das immer zu etwas Gutem, Sinnvollen. Ich würde also wahrscheinlich mein Idealbild aufschreiben.


UNICUM Filmtipp:

Jugend ohne Gott FilmplakatJugend ohne Gott

Drama / Thriller, Deutschland 2017

Regie: Alain Gsponer

Darsteller u.a.: Jannis Niewöhner, Alicia von Rittberg, Emilia Schüle, Fahri Yardim

Verleih: Constantin Film

Laufzeit: 114 Minuten

Kinostart: 31. August 2017

Mehr unter www.constantin-film.de/kino/jugend-ohne-gott

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