Emma Watson Interview
Emma Watson bei der Pressetour zu "Die Schöne und das Biest" in Paris | Foto: Walt Disney

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01. Mär 2017

Rüdiger Sturm

Promis

Emma Watson: "Für Männer und Frauen gelten andere Standards"

"Man muss nicht nur auf Äußerlichkeiten achten"

UNICUM: Du spielst jetzt in einer neuen Verfilmung von "Die Schöne und das Biest". Hat uns diese Geschichte überhaupt noch etwas zu sagen?
Aber natürlich. Beide – die Schöne und das Biest stehen symbolisch für die beiden Seiten in uns selbst, die männlichen und die weiblichen Aspekte, und die Geschichte zeigt, wie wir beide in Einklang miteinander bringen. Deshalb identifizieren wir uns ja auch mit beiden Figuren. Und wir lernen dabei, dass man nicht nur auf Oberfläche, auf Äußerlichkeiten achten sollte, sondern tiefer schauen muss. Deshalb spricht uns dieses Märchen auch heute noch an.

Auf den ersten Blick wirkt es aber ziemlich frauenfeindlich. Da wird ein Mädchen von einem Monster versklavt, und dann verliebt sie sich auch noch in das Biest.
Da würde ich entschieden widersprechen, jedenfalls was die Musical-Fassung angeht, die wir verfilmt haben. Du musst dir nur bestimmte Songs anhören. Da geht es um eine junge Frau, die mehr vom Leben will. Sie sagt: "Ich will mehr, als das, was die Leute von mir erwarten. Ich kann den Status quo nicht akzeptieren." Dieses Selbstbewusstsein und diese innere stäre haben mich als Mädchen stark geprägt. Ich dachte mir: "Die spricht das aus, was ich empfinde." Und so ist sie von meinem persönlichen Reifungsprozess nicht zu trennen.


Die Schöne und das Biest Realverfilmung


"Junge Frauen werden dafür belohnt, nett und fügsam zu sein"

Teil dieses Reifungsprozesses waren natürlich auch deine "Harry Potter"-Filme. Haben die dir dabei geholfen oder waren sie eher hinderlich?
Teils, teils. Natürlich hat mir das einen gewaltigen Schub gegeben, und ich möchte diese Erfahrung nie und nimmer missen. Aber ich hatte dabei auch Widerstände zu überwinden. Man hat mir immer wieder gesagt, wie schwierig ich angeblich sei, weil ich Sachen in Frage gestellt oder nicht widerspruchslos hingenommen habe. Und die Medien haben sich mehr dafür interessiert, welche Designer ich mag – nicht was mich wirklich bewegt. Früher habe ich mir selbst dafür die Schuld gegeben, dachte ich, das Problem läge bei mir. Ich war mir teilweise nicht mehr sicher, ob ich mir überhaupt den richtigen Beruf ausgesucht hatte. Aber in einem langen, schwierigen Prozess habe ich für mich herausgefunden "Wenn ich etwas nicht mag, dann ist das mein gutes Recht."

Hattest du Leute, die dir bei diesem Prozess geholfen haben?
Ja. Zum Glück war ich immer von Leuten umgeben, deren Meinung ich sehr schätze und bei denen ich mir Feedback abhole – meine Eltern zum Beispiel. Für die zählte es nicht, dass ich als Schauspielerin Karriere mache, sondern dass ich glücklich bin. Und aus dem Grund waren sie immer offen und ehrlich mit mir.

Aber weshalb hat man versucht, dich kleinzumachen?
Für Männer und Frauen, Jungen und Mädchen gelten eben unterschiedliche Standards. Wenn du als Mädchen deine Meinung offen sagst, dann heißt es: 'Du bist so herrschsüchtig'. Wenn ein Mann das tut, dann spricht man ihm gute Führungsqualitäten zu. Junge Frauen werden immer dafür belohnt, wenn sie nett und fügsam sind. Aber wehe, wenn du von diesem Stereotyp abweichst.

Ist das heute immer noch so schlimm?
Das Bewusstsein ändert sich, aber solche Prozesse brauchen Zeit. Du kannst die Politik und Gesetze ändern, aber die Denkweise in der Gesellschaft ist fest einprogrammiert. Das gilt auch für mich. Immer wieder gebrauche ich spontan Ausdrücke, wo ich mir danach denke "Oh mein Gott, das klingt doch eigentlich frauenfeindlich. Wo habe ich das bloß her?"

Engagement ist wichtig, aber auch stressig: Emma entspannt mit Yoga

Du versuchst ja diese Prozesse selbst zu beeinflussen. Unter anderem bist du Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrecht. Vor zweieinhalb Jahren hast du vor den Vereinten Nationen eine vielbeachtete Rede zum Thema Gleichberechtigung gehalten. Was war das für ein Gefühl?
Ich war supernervös. Es war ein Gefühl, als würde ich aus einem Flugzeug springen. Hier konnte ich mich nicht hinter einer Filmrolle verstecken, sondern musste 100 Prozent Emma sein. Da habe ich Sachen formuliert, über die ich mir Jahre lang Gedanken gemacht hatte. Schon mit 14, 15 hatte ich dazu meine Ideen ins Tagebuch geschrieben. Eigentlich hatte ich geglaubt, ich vermittle das alles indirekt über meine Filmrollen, aber wenn du acht Minuten hast, wo du das alles auf einmal auf einem Podium sagen kannst, dann ist das vielleicht doch effektiver.

Aber du bist dafür auch angegriffen worden, oder nicht?
Es gab schon einen Haufen Menschen, die anderer Meinung waren, mit meinen Aussagen Probleme hatten oder die glaubten, ich hätte was ausgelassen. Wenn du dafür angegiftet wirst, dann trifft dich das ziemlich tief. Aber im Innersten wusste ich, dass ich mit so etwas rechnen muss.

Wie wirst denn mit all diesem Stress fertig?
Ich mache viel Yoga und absolviere auch eine Ausbildung zur Meditationslehrerin.

Willst du beruflich womöglich umsatteln?
Das nun auch wieder nicht. Aber solche Sachen tun mir einfach gut. Ich habe im Rahmen meiner Ausbildung auch schon mal Schweigeexerzitien gemacht, wo ich eine Woche lang nicht gesprochen habe.

Woher kommt dieses Interesse?
Es fing damit an, dass mich der Buddhismus ziemlich fasziniert hat. Und ich habe begriffen, dass ich mich nicht nur intellektuell damit beschäftigen kann, ich muss das auch richtig praktizieren.



Emma Watson "will weiter lernen und reisen"

Davon abgesehen hast du auch noch ein Literaturstudium beendet.
Vielleicht setzte ich das sogar noch fort und mache einen Master-Studiengang. Ich bin momentan noch ein wenig unentschlossen, aber das Ganze hat mir Riesenspaß gemacht.

Du hättest doch nach den "Harry Potter"-Filmen einfach ganz normal mit der Schauspielerei weitermachen können.
Als Schauspieler tust du ständig so, als wärst du jemand anders. Und das tat ich seit meinem neuen Lebensjahr. Es war als höchste Zeit, dass ich mal mein eigenes Leben führe. Ich wollte nicht, dass diese ganzen imaginären Figuren mein Leben sozusagen übernehmen. Das ist nicht gesund für deinen Geist. Und zu studieren, war die beste Methode, um das zu vermeiden.

Und du hattest auch keine Angst, dass das deine Karriere gefährdet?
Ich musste nach "Harry Potter" sowieso nochmal für mich herausfinden, ob ich in diesem Branche bleiben will. Deshalb brauchte ich eine Denkpause. Natürlich gab es verschiedenste Leute, die mir davon abgeraten haben, weil es angeblich schlecht für meine Karriere war. Aber ich hätte nichts Besseres tun können. Auf diese Weise wurde mir klar, dass ich eben die Schauspielerei weiterfolgen möchte und ich habe in der ganzen Zeit Nebenrollen in ganz spannenden Projekten gespielt. Als ich jetzt in "Die Schöne und das Biest" dann wieder eine Hauptrolle hatte, habe ich mich richtig darauf gefreut.

Und wie geht’s jetzt bei dir weiter?
Ich habe meinen feministischen Buchclub "Our Shared Shelf", für den ich viel lesen muss. Ich mache mit meiner Meditationsausbildung weiter, was mir enorm Spaß macht, und engagiere mich für die UN. Demnächst kommt noch der Film "The Circle" heraus, in dem ich auch eine Hauptrolle hatte. Aber das Entscheidende für mich ist: Ich will weiter lernen und reisen. Ich finde es sehr wichtig, auch mit Menschen zusammenzukommen, die nicht so privilegiert sind wie ich. Damit begreife ich erst, wie viel Glück ich habe und wie das Leben wirklich ist.


Die Schöne und das Biest FilmplakatUNICUM Kino-Tipp:

Die Schöne und das Biest

Fantasy / Musical, USA 2017

Darsteller u.a.: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans

Regie: Bill Condon

Verleih: Walt Disney

Kinostart: 16. März 2017

Artikel-Bewertung:

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