Emma Watson in "Vielleicht lieber morgen"
Emma Watson als Sam in "Vielleicht lieber morgen" | Foto: Capelight Pictures
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15. Mär 2013

Rüdiger Sturm

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In "Vielleicht lieber morgen" spielst du ein flippiges amerikanisches Highschool-Mädchen. Aber du selbst hast solche Erfahrungen nicht gemacht. Geht so etwas überhaupt?
Genau deshalb habe ich mir totale Sorgen gemacht und mich selbst zerfleischt. Ich dachte mir: Jemand anders kann doch das viel besser spielen. Das schrieb ich auch Regisseur Stephen Chbosky, der zudem die Romanvorlage geschrieben hat. Aber er antwortete mir: "Ich habe dich nicht in der Rolle der Sam besetzt, weil du auf deine Erfahrungen zurückgreifen sollst, sondern weil ich ihre Persönlichkeit in dir wiederfinde. Zerbrich dir wegen solcher Äußerlichkeiten nicht den Kopf." Das gab mir wieder Selbstvertrauen, obwohl ich beim Dreh schon sehr nervös war. In den ersten Wochen musste Stephen regelrecht mit mir Händchen halten, was sehr nett von ihm war. So habe ich dann letztlich doch an mich geglaubt.

Welche Gemeinsamkeiten gibt es denn zwischen dir und deiner Figur?
Ich bin ziemlich spontan, kann auch verletzlich sein, wie Sam. Und ich bin auch sehr emotional – auf jeden Fall mehr als die Hermine in "Harry Potter".

Bist du froh, dass du dieses Leben hinter dir gelassen hast, wo du zehn Jahre lang nur die Potter-Serie gedreht hast?
Das würde ich schon so sagen. Ich hatte damals keine Ahnung, wie sehr ich mich damals eingeschränkt hatte. Ich war sehr hart mit mir, hielt mich ständig unter Kontrolle, und es war auch schwierig, ständig im Rampenlicht zu stehen. Die Sam in "Vielleicht lieber morgen" zu spielen, war das Beste, was mir passieren konnte. Sie ist so lebendig, dass sie mir geholfen hat, innerlich Grenzen zu überwinden und mehr auf meine innere Stimme zu hören. Das, was andere Leute von mir denken, ist mir dagegen egal.

In welchen Momenten fühlst du dich jetzt richtig frei?
Zum Beispiel auf Rockkonzerten. Ich versuche das sogar jede Woche hinzubekommen. In den letzten Monaten habe ich unter anderem The Black Keys, Ellie Goulding, Bon Iver und Patti Smith gesehen. Live-Musik in einer Menschenmenge zu hören und zu tanzen, liebe ich über alles.

Taucht ein Star wie du wirklich ins Gewühl auf den Stehplätzen ab?
Teilweise schon – aber es ist nicht immer einfach. Ich möchte möglichst nicht erkannt werden. Ich gehe auch normalerweise nicht in Clubs tanzen, sondern mache das, wenn ich mit Freunden zusammen bin.

"Ich muss noch viel lernen"

Die Figuren in "Vielleicht lieber morgen" müssen erst herausfinden, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Aber bei dir ist das ja vorgegeben. Nimmt dir das nicht eine gewisse Freiheit?
Offen gestanden, war ich mir nach den "Potter"-Filmen nicht hundertprozentig sicher, dass ich Schauspielerin bleiben wollte. Das musste ich erst für mich herausfinden. Dabei hat mir die Erfahrung von "Vielleicht lieber morgen" geholfen. Und es war auch wichtig, dass ich eine Auszeit nahm und mit meinem Studium begann – erst so habe ich verstanden, was die Schauspielerei wirklich bedeutet. Trotzdem habe ich noch andere Interessensgebiete, wo ich mich ausprobieren möchte. Zum Beispiel liebe ich es zu malen und zu zeichnen. Vielleicht kommt noch der Punkt, wo ich mich hauptsächlich der Kunst widme.

Aber mit der Schauspielerei machst du vorerst weiter?
Ja, ich habe danach ja auch mit Regisseur Darren Aronofsky, der "Black Swan" gemacht hat, die biblische Geschichte von Noah und der Sintflut gedreht. Dieser Mann macht keine Kompromisse, obwohl du normalerweise in dieser Branche ständig dazu gezwungen wirst. Ich bin zwar vom Dreh fix und fertig, aber ich überwinde dabei in mir neue Grenzen. Dieser Film gibt mir das Potenzial, etwas zu machen, was weit jenseits von allem liegt, das ich bislang in diesem Beruf gemacht habe.

Andererseits lebst du dein Leben rückwärts – wie du unlängst in einem Interview sagtest. Während deine Altersgenossen in ihrer Jugend alles Mögliche ausprobierten und dann ins Berufsleben einstiegen, läuft es bei dir andersrum. Macht dir das auch mal Angst?
Nein, denn ich weiß, dass ich noch viel lernen muss. Wahrscheinlich werde ich auch diverse Fehler machen. Aber ich möchte eben herausfinden, wer ich bin, und die Dinge tun, die mir entsprechen. Ich möchte ehrlich mit mir selbst sein.


UNICUM Abi Filmtipp: Vielleicht lieber morgen

Wenn es um Stories über Leid und Lust von Teenagern geht, ist das Kino schizophren. Entweder bietet es drastische Komödien oder hochseriöse Kunstdramen. Filme, die die Befindlichkeiten dieser hormongeladenen Zeiten authentisch vermitteln und zugleich schlicht Spaß machen, sind rar. Wenn "Vielleicht lieber morgen" dieser Spagat gelingt, dann liegt das nicht zuletzt daran, dass Autor Stephen Chbosky seinen eigenen Roman verfilmte. Im Zentrum steht der von psychischen Traumata heimgesuchte Charlie (Logan Lerman), der in den Wirren seines Lebens Ahnungen von Glück und Sinn findet, als ihn ein exzentrisches Geschwisterpaar (Emma Watson, großartig: Ezra Miller) unter seine Fittiche nimmt. Angesiedelt ist dieses Szenario einer konfliktgeplagten Jugend in den 80ern. Doch trotz vergangener Zeiten und geballter 80s-Songs bleibt die Geschichte zeitlos und verliert nichts von ihrer emotionalen Durchschlagkraft.

Weitere Infos: www.vielleichtliebermorgen-film.de

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