Chris Tall
Chris Tall macht Gags über Randgruppen - und über sich selbst | Foto: Sony Music / Spaßgesellschaft!

Promis

27.05.2014

Luke Mockridge

Luke Mockridge: Mathe ist ein Arschloch!

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03. Nov 2016

Nina Weidlich

Promis

#darferdas? Comedian Chris Tall im Interview

Chris als Versicherungskaufmann: Voll seriös – oder was?!

UNICUM: Du bist gelernter Versicherungskaufmann. Wie konnte das passieren?
Chris Tall: Weiß ich auch nicht! (lacht) Nee, das ist ganz einfach: Ich habe erst die Realschule und dann mein Fachabitur gemacht. Das ging schon in Richtung Wirtschaft und Verwaltung, und dann hängst du danach ja ausbildungsmäßig irgendwas Kaufmännisches dran. Ich habe mich dann als Bürokaufmann beworben. Oder Bürokommunikationskaufmann oder Kaufmann für Bürokommunikation – wie auch immer. Auf jeden Fall wollte die erste Versicherung mich sofort einstellen. Ist ja einfach, dachte ich mir. Dann geh' ich da mal hin! Das hat mir auf jeden Fall auch Spaß gemacht.

Wirklich? Man stellt sich den Job ja eher total trocken vor…
Man denkt halt, dass man nur im Büro sitzt und irgendwelchen Papierkram macht. Aber ich war bei den Kunden und habe mit den Leuten gesprochen, habe mir ihre Geschichten angehört. Und auch da musste ich mich quasi schon mit Witz verkaufen, so wie heute. Naja, ok. Es ist schon ein bisschen anders. Aber die Ausbildung hat tatsächlich auch ihre spaßigen Seiten gehabt.

Würdest du die Ausbildung denn nochmal machen?
Auf jeden Fall. Aber jetzt gerade kann ich mir nicht vorstellen, wieder normal zu arbeiten. Was ich jetzt machen darf, ist für meinen Geschmack und meine Vorstellungen vom Leben viel geiler. (Von hinten sagt jemand: Der muss nicht mal kochen) Das ist richtig! (lacht) Im Moment ist mein Leben definitiv ziemlich cool.

Chris Tall Show

"In der Schule habe ich eher genervt!"

Warst du damals in der Schule schon der Klassenclown?
Also, Klassenclown ist ja immer so eine Sache. Ich wollte schon lustig sein, aber ich glaub, ich habe eher genervt. Und irgendwann sagt man sich dann: Jetzt muss ich mal dahin gehen, wo die Leute das wirklich hören wollen. Auf der Bühne hat es dann auch besser geklappt als in der Schule.

Kannst du dich an einen richtig peinlichen Moment aus deiner Schulzeit erinnern?
Ein Kollege und ich haben mal so lange die Luft angehalten, bis unsere Köpfe total rot waren. Ich habe es ein bisschen übertrieben und einen kleinen Kreislaufkollaps bekommen. Ich wusste gar nicht mehr wo ich war, als wäre ich in einer anderen Welt. Die Lehrerin hat mich total böse angeguckt und alle Mitschüler haben mich auch angeglotzt, weil ich ja immer noch so rot war. Und da bin ich dann noch roter geworden, weil's mir so peinlich war. Jap, das war schon unangenehm.

Was waren denn damals deine Lieblingsfächer? Gab es die überhaupt?
Sport war cool, weil man da keine Hausaufgaben machen musste. Das war immer gut! Ansonsten war ich in Sprachen auch nicht so schlecht, gerade in Deutsch und Englisch. Aber alles Naturwissenschaftliche – Chemie, Physik, Bio und so – da war ich immer richtig kacke. Bei Mathe kam es immer drauf an, ob man das Thema verstanden hat, oder verstehen wollte. Da war von einer 2 bis zur 4 minus immer alles drin.

"Soziale Netzwerke sind nicht so mein Ding."

Du machst dich ja in deinem Programm "Selfie von Mutti" viel über die Smartphone-Gewohnheiten deiner Eltern lustig. Hilfst du ihnen denn auch mal bei WhatsApp und Co., oder überlässt du sie lieber ihrem Schicksal?
Mal so, mal so: Wenn ich merke, dass die irgendwas nicht verstanden haben, dann helfe ich ihnen schon manchmal. Aber ich nehme auch nichts vorweg. Bei neuen Sachen, die auf sie zukommen, warte ich dann immer einfach mal ab. Sonst würde ich mir ja selbst die Storys kaputt machen, die ich dann später auf der Bühne zum Besten gebe. Ich muss ja auch von irgendwas leben! Und ich profitiere halt davon, dass meine Eltern sich in dieser Hinsicht manchmal etwas dämlich anstellen (lacht).

Meinst du denn, du wirst selbst irgendwann mal der "coole Dad" sein?
Ich glaube, jeder Vater denkt, dass er der coole Dad ist. Ich werde es natürlich viel einfacher haben mit der ganzen Technik, weil ich damit groß geworden bin und das Grundgerüst in Sachen Internet und so weiter schon steht. Deshalb werden mir wahrscheinlich nicht so viele Fauxpas passieren wie unseren Eltern heutzutage. Die sind ja quasi ohne PC groß geworden, was für uns unvorstellbar ist. Oder ohne Handy, ich mein: ohne Handy! Krass! Trotzdem wird mein 13-jähriger Sohn mich wahrscheinlich irgendwann genauso uncool finden wie ich meinen Vater damals. Aber ich glaube, das gehört einfach dazu.

Gehen dir Facebook, Instagram und Co. manchmal auch auf den Sack?
Total! Diese ganzen sozialen Netzwerke sind eigentlich nicht so mein Ding, Snapchat und sowas habe ich z.B. auch gar nicht. Instagram habe ich mir – warum auch immer – irgendwann mal eingerichtet, aber da bin ich jetzt seit zwei Jahren und habe insgesamt nur zehn Posts oder so veröffentlicht. Auf meiner Facebook-Seite habe ich aber über 770.000 Fans, was mich total freut. Deswegen poste ich da natürlich häufiger Geschichten und News. Das macht mir dann auch Spaß, aber für alles andere fehlen mir einfach die Zeit und die Lust.


Nachgehakt: Chris, entscheide dich!

  1. Mit welchen Promi würdest du gerne mal ein Selfie machen? | Cro! Den feiere ich mega.Chris Tall Interview
  2. Schlummermodus oder direkt aufstehen? | Schlummermodus. Aber nur einmal, dann steh ich wirklich auf.
  3. Iron Man oder Captain America? | Iron Man.
  4. Kaffee oder Kakao? | Kakao.
  5. WhatsApp-Nachricht oder anrufen? | Kommt auf die Situation an… aber eher WhatsApp
  6. Pizza mit Rand oder den Rand liegen lassen? | Käserand!
  7. Fotoalbum oder Smartphone-Galerie? | Smartphone-Galerie.
  8. Mayo auf die Pommes oder daneben? | Drauf! So 'ne richtige Matsche – geil.

Sind wir nicht alle ein bisschen "Opfer"?

Im Film "Männertag" spielst du den 16-jährigen Paul, den du selbst als Opfer bezeichnest. Warst du in dem Alter auch so ein Opfer?
Auf jeden Fall! Ich glaube, das hat jeder von uns irgendwann mal durchgemacht. Sogar die Coolen versuchen ja eigentlich nur, mit ihrer Coolness irgendwas zu überspielen, womit sie in ihrem Inneren nicht so richtig klarkommen. Die Figur Paul hat mit mir persönlich eigentlich sehr wenig zu tun, aber trotzdem kann ich mich gut in seine Lage hineinversetzen. Ich glaube, viele sind in dem Alter so wie Paul: Ein bisschen Emo-mäßig, aber nicht so krass, dass man von der Welt total abgehängt wird. Oder auch wenn man verliebt ist, denkt man als Junge dann oft, man ist nicht cool genug für das Mädel. Ich habe mich in manchen Situationen schon das ein oder andere Mal wieder erkannt.

Hattest du denn selbst auch eine Phase, in der du rebelliert und dich extrem angezogen hast?
Nee, gar nicht. Aber ich habe mich Tausend Mal peinlich benommen. Zum Beispiel hatte ich einen blonden Strich diagonal über meine Haare und an den Seiten so Linien einrasiert. Oder grüne Haare und blonder Pony – was Frisuren anging war ich echt experimentierfreudig. Gerade als Kind war ich da manchmal ein bisschen zu offen (lacht). Aber so richtig rebelliert habe ich eigentlich nie, weil ich mich meistens mit allem sehr wohl gefühlt habe. Schule hat mich zwar immer richtig abgefuckt, aber ich habe viel Sport gemacht: Fußball, Skaten, sowas halt. Dabei konnte ich mich immer ganz gut ausleben.

Welcher Comedian hat dich inspiriert, selbst auf die Bühne zu gehen?
Definitiv Mario Barth! Ich war in seiner Show, als ich 13 war. Da hat er aber noch nicht das Olympiastadion gefüllt, damals waren da vielleicht 1.000 Leute. Oder 800, 700, keine Ahnung. Ich war 13, da kann man sowas nicht gut schätzen! Für mich waren das damals auf jeden Fall ziemlich viele Menschen. Ich habe ihn immer bewundert, habe aber nie gedacht, dass ich das selbst machen könnte. Damals war so eine Form der Karriere ganz weit weg und undenkbar. Als ich 19 war, habe ich dann den Comedian Fabian Hintzen beim RTL II Fun Club gesehen, der war damals 18 Jahre alt. Da dachte ich: Vielleicht kann ich das auch schaffen! Und dann habe ich einfach mit Comedy angefangen.



"Die 'Betroffenen' lachen sich in meinen Shows kaputt!"

Hat es dich damals viel Mut gekostet, Gags über Schwule, Behinderte und Schwarze zu machen?
Damit auf der Bühne aufzutreten, war für mich überhaupt kein Problem. Das Schwierige war eher die Erarbeitung: Wie bringe ich den Leuten das bei, ohne dass die mich falsch verstehen? Bei solchen heiklen Themen ist es wichtig, dass man keine Fragezeichen in den Köpfen hinterlässt. Mein Freund und Kollege Kay Ray hat mich dabei sehr unterstützt. Er ist ja sozusagen der geistige Vater dieses Themas.

Vor dem "TV total"-Auftritt hatte ich allerdings schon Schiss. Weil im Fernsehen alles nochmal ein bisschen anders ist – da muss jeder Satz perfekt sitzen, damit die Leute dich richtig verstehen. Außerdem hatte die Show eine Riesen-Reichweite, manchmal über eine Millionen Zuschauer – mega heftig!  Dazu kommen dann noch die ganzen sozialen Netzwerke. Da tummeln sich viele Hater. Ich hatte totales Glück: Bei Youtube hat der Auftritt glaube ich über 8 Millionen Klicks, bei Facebook auch ein paar Millionen. Also für mich lief alles mehr als gut, dafür bin ich dankbar.

Deine Witze sind ja schon manchmal ziemlich derbe. Hast du darauf auch schon mal negatives Feedback bekommen?
Einmal habe ich einen Artikel gelesen, der komplett aus dem Zusammenhang gerissen war und mich dann in die rechte Ecke stellen wollte. Ich habe dann eine Gegendarstellung veröffentlicht, es war mir wichtig, das richtig zu stellen.

Mir fällt noch eine Geschichte ein: In einer Show saß mal eine Schwarze in der ersten Reihe, die einfach nicht gelacht hat. Als ich sie dann darauf angesprochen habe, ob sie generell findet, dass man keine Witze über Schwarze machen sollte, meinte sie eiskalt: "Doch, die Witze müssen nur gut sein." In dem Moment dachte ich nur: Alter fuck, was mach ich denn jetzt? Später habe ich dann aber doch noch die Kurve bekommen und es geschafft, sie zum Lachen zu bringen. Aber ich fand's cool, dass sie so ehrlich war. Respekt, wirklich.

Ansonsten sitzen andauernd "Betroffene" in meinen Shows, die sich richtig kaputtlachen. Sogar mehr als früher – die warten nur darauf, dass ich diese Witze mache. Das ist super!

Angenommen, du hast mal so einen richtigen Scheißtag. Wie schaffst du es, abends auf der Bühne aufgedreht und witzig zu sein?
Ich kokse. Nein, Quatsch! (lacht) Das ist eine ganz einfache Geschichte: Kurz vor der Show kommt das Adrenalin, das ist einfach die krasseste Droge überhaupt. Wenn du es schaffst, dass die Menschen im Zuschauerraum dich feiern, dann kannst du einfach nur gute Laune haben. Das ist zwar ein Job, aber für mich irgendwie auch nicht. Das ist meine Berufung, meine Leidenschaft. Ich liebe einfach, was ich tue.


  • Du möchtest den Comedian auch gerne live erleben? Alle Tour-Daten und weitere Infos über Chris findest du unter www.chris-tall.de

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