Johannes Strate Familie
Konzentriert beim Backen: Johannes Strate | Foto: Jens Wiesner
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20. Dez 2011

Simone Zettier

Musik

Weihnachtsbäckerei mit Johannes Strate

-ARCHIV-

Zu Besuch bei dem charmanten "Revolverheld"-Sänger

"Früher habe ich immer mit Mutti gebacken"

Wir schreiben den 7. Oktober 2011 und sind in Hamburg mit Johannes Strate, Frontmann der Band "Revolverheld", zum Plätzchenbacken verabredet. Warum? Der 31-Jährige hat mit "Die Zeichen stehen auf Sturm" just sein erstes Soloalbum herausgebracht. Es passt perfekt in die Weihnachtszeit, es ist ruhiger, persönlicher und akustischer als eine typische "Revolverheld"-Platte.

Der Wahl-Hamburger, der im Schanzenviertel wohnt, hat Hunger mitgebracht. Gleich zu Beginn stibitzt er eins von den Lebkuchenherzen, die wir kurz zuvor noch gekauft haben. Aber jetzt wollen wir zusammen Kekse backen: Den Teig haben wir schon vorbereitet, das heißt, Johannes kann gleich mit dem Ausrollen starten. Der Sänger bestäubt die Arbeitsplatte mit reichlich Mehl und bearbeitet mit dem Nudelholz den Mürbeteig. "Das sieht so aus, als wenn ich es schon mal gemacht hätte, oder? Früher habe ich zu Weihnachten immer mit meiner Mutti Plätzchen gebacken", erzählt Johannes .

Eine musikalische Familie Strate

Auch in diesem Jahr rechnet er wieder mit selbst gebackenen Keksen als Geschenk. Im Hintergrund läuft "Last Christmas". Zuhause in Bremen singt die Familie an den Feiertagen regelmäßig Weihnachtslieder – allerdings deutsche Klassiker.

Sein Vater ist Französischlehrer im Ruhestand, aber in seiner Freizeit auch Sänger. Seit den 60er-Jahren gibt es auf der Nordseeinsel Spiekeroog das Dünensingen mit Eckart Strate. Seine Mutter, eine Pianistin, begleitet ihre beiden Männer bei den Weihnachtsliedern auf dem Klavier. In diesem Jahr verbringt die Familie das Fest in Hamburg, weil viele Cousins und Cousinen von Johannes ebenfalls dort wohnen.


"Ich hasse Silvester!"

UNICUM: In der Weihnachtszeit bist du auf Tour und verbringst Weihnachten mit deiner Familie. Wie sieht es mit Silvester aus?
Johannes Strate: Ich hasse Silvester. Immer dieses Trara, dass es die größte Party des Jahres sein muss. Es wird immer so viel erwartet. Dann ist man drei Tage vorher frustriert, weil sich wieder keiner drum gekümmert hat. Wenn ich die Chance habe, bin ich Silvester immer weg.

Dein Album ist sehr persönlich geworden, aber das hat ja gleichzeitig immer etwas von Seelenstriptease. Wie ist das für dich?
Als Musiker habe ich mich daran gewöhnt, meine innersten Seiten nach außen zu bringen. Das ist für mich eine Form von Therapie. Ich finde aber trotzdem, dass jeder in seinem Leben mal zum Psychotherapeuten gehen und eine Therapie machen sollte. Das ist total hilfreich.


Viele Hobbies, doch die Liebe ist tabu

Das Backen hat auch ein wenig von Therapie: es ist sehr entspannend, nicht zuletzt, da der Weihnachtstrubel noch sehr weit weg ist. Johannes macht seit ein paar Monaten Hatha-Yoga, um abzuschalten, oder geht golfen. Er liebt es, in der Natur zu sein. Jeden Sommer besucht er seinen Vater beim Singen auf Spiekeroog und trifft dort zudem alte Freunde. Wie so viele Musiker träumt er auch von einem Haus im Grünen: "Ich hätte schon Bock, auf dem Land zu wohnen mit Hund und drum und dran."

Derzeit wohnt er allein in einer WG-Wohnung, weil er so viel unterwegs ist. Sein Mitbewohner hat ihn allerdings vor kurzem verlassen, da er mit seiner Freundin zusammengezogen ist. Obwohl fast alle Songs auf dem Album Beziehungen thematisieren, möchte der 31-Jährige darüber nicht sprechen. Viel lieber macht er sich ans Ausstechen. Da darf es dann aber doch noch das Herz-Förmchen sein.

"In meiner Brust schlagen zwei Herzen", erklärt er sein Bestreben nach einem Soloalbum. Seine Singer-Songwriter-Seite sei in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen. Seine Revolverheld-Kollegen hätten dafür Verständnis gehabt. Eine neue, gemeinsame Platte soll erst 2013 erscheinen, bis dahin widmen sich die Jungs eigenen Projekten.

Die "Revolverhelden" an der Uni

Schlagzeuger Jakob Sinn hat beispielsweise ein Psychologie-Studium aufgenommen. Johannes hat sein Studium in der letzten Bandpause 2009 erfolgreich abgeschlossen. Für seine Bachelorarbeit im Bereich Kulturwissenschaften hat er Kollegen aus dem Showbusiness befragt. Von Heinz Strunk bis Simon Triebe von "Juli" und "Tarzan" Alexander Klaws. Das Thema: "Die Eigenwahrnehmung von Popmusikern im Gegensatz zur medialen Wahrnehmung". Dafür gab es eine glatte Eins.

Johannes Abinote? Eine 2,9

Auch beim Backen läuft es wie geschmiert. Johannes schiebt das erste Blech in den Backofen und macht sich gleich an Nummer zwei. In der Schule lief es dagegen nicht immer ganz so rund. In Physik und Chemie gab es auch schon mal eine Sechs, sein Abischnitt lag bei 2,9.

Gute Erinnerungen hat er dennoch an seine Schulzeit, vor allem an die auf der Schultoilette. Dorthin hat er sich gerne mal mit seiner damaligen Freundin zurückgezogen. Also warst du ein schlimmer Finger? "Nein, ich war nie ein Schwein, ich hatte die ganze Zeit über Freundinnen. Jetzt aber genug von dem Thema."

Johannes widmet sich wieder den Keksen und holt das erste Blech aus dem Backofen. Mehr als die Hälfte ist unten verbrannt. Doch Johannes verzagt nicht und macht sich gleich an die zweite Fuhre X-Mas-Cookies, die dann auch gelingt. Denn die Zeichen stehen auf Weihnachten – auch, wenn der Kalender an diesem Tag erst den 7. Oktober anzeigt.

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