Cro im Interview
Cro über die erste Liebe, Schule und Bushido | Foto: Delia Baum
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16. Jun 2012

Barbara Kotzulla

Musik

UNICUM trifft: Cro

Ein Interview ohne Pandamaske über Pandamasken

"Die erste Liebe vergisst man einfach nie"

UNICUM: Carlo, dein Debütalbum "Raop" hat dich zum heißeste Newcomer der deutschen Musikszene gemacht. Druck merkt man dir aber nicht an...
Cro/Carlo: Ich spüre komischerweise gar keinen Druck. Vielleicht kommt das im Nachhinein. Für die anderen, die mit mir an dem Album gearbeitet haben, war der Stress wahrscheinlich viel schlimmer als für mich. Ich habe mich auch ein bisschen gezwungen, mir keinen Druck zu machen. Unter Druck kann man nicht gut arbeiten. Das ist so, wie wenn man sagt: "Stell dich jetzt dahin und pinkle" – das funktioniert einfach nicht.

Deine Tracks erinnern an gut gelaunten US-College Rap. Welche Vorbilder hast du?
So Leute wie Wiz Khalifa oder Mac Miller, also die jungen Wilden aus Amerika, sind mir wahrscheinlich wirklich etwas ähnlich. Aber eigentlich mache ich das, was ich will. Aber natürlich wird man durch die Musik, die man hört, beeinflusst. Man bewegt sich dann in die Richtung von dem, was man mag. Wie bei allem im Leben.

Du spielst mehrere Musikinstrumente, könntest jetzt ebenso gut Mitglied in einer Rockband sein. Warum machst du jetzt gerade Hip Hop und Pop?
Meine Kindheit war halt Hip Hop. Und die erste Liebe vergisst man einfach nie. Man testet zwar etwas anderes aus, aber irgendwie treibt es einen immer wieder dahin. Ich bin aber nicht jemand, der nur Hip Hop hört. Ich glaube, dass hört man aus meiner Musik auch ein bisschen heraus. Ich versuche einfach alles, was mir gefällt, in meine Musik einfließen zu lassen.

Hat dir bei deinem Debütalbum niemand reingeredet?
Nein, das Album ist allein "Ich". Da halte ich meinen Finger drauf. Da kam niemand – die anderen haben sich nicht mal getraut, etwas zu sagen. Da lässt sich Cro nicht reinreden ...

"Ich will nicht die Weltherrschaft übernehmen"

Gibt es denn einen Unterschied zwischen der Privatperson Carlo und dem Alter Ego Cro?
Nein! Da gibt es gar keinen Unterschied, außer dass Cro eine Maske auf hat. Die Maske verändert mich nicht in meiner Person.

Warum hast du dich bei deiner Maske für einen Panda entschieden?
Hmmm, dafür gibt es eigentlich gar keine Erklärung. Da steckt nicht wirklich eine Idee dahinter. Das ist einfach ein schönes, stylisches Tier und es war die schönste Maske, die ich auftreiben konnte. Da dachte ich: Let's Go! Pandas sind cool, genauso gechillt wie ich – und können bestimmt auch mal auf den Tisch hauen.

Auf der Maske erkennt man auch ein umgekehrtes Kreuz. Bist du ein gläubiger Mensch?
Das Kreuz hat nichts mit Religion zu tun. Es ist einfach ein cooles und schönes Symbol. Da lag halt ein Edding rum und mir war langweilig. Ich kritzle sowieso immer alles voll, und da war die Maske irgendwann auch mal dran. Es steckt jetzt keine Botschaft dahinter. Keine Angst, ich will jetzt nicht die Weltherrschaft übernehmen.

So war die Schulzeit von Cro!

In einem deiner Tracks rappst du davon, die halbe Schulzeit verpennt zu haben – hast du gute Erinnerungen an die Schule?
Aber jeder hat doch irgendwie die halbe Schulzeit verpennt, oder? (lacht) Die Schulzeit war auf jeden Fall witzig. Es war zumindest so lange witzig, bis es irgendwann zu witzig wurde. Dann kam der Knall – Peng! Und ab da wurde ich ein bisschen gechillter und dachte mir, dass ich jetzt mal anziehen muss. Ich habe dann Vollgas gegeben und war zum Schluss ganz gut in der Schule. Ich hatte so einen Zweier-Schnitt.

Was war dein Lieblingsfach?
Bildende Kunst – da war ich am Start. Da hatte ich Bock drauf. Bei Mathe war's bei mir eher so eine Sinuskurve, es war immer so ein Auf und Ab. Manche Dinge lagen mir gut, die habe ich direkt kapiert. Auf andere Sachen hatte ich gar kein Bock. Wenn man bei Mathe blockiert und abschaltet, keine Lust hat oder der Lehrer doof ist, dann kann es echt schwer werden. Das Nachholen ist dann schwierig und man hinkt hinterher. Aber wenn man irgendwie Lust darauf hat und das am Anfang schnallt, dann wird's einfach.

Gehörtest du in der Schule denn zu den "Coolen" oder warst du eher ein Kunst-Nerd?
Ne, ich gehörte schon eher zu den "Coolen". (lacht) Aber eigentlich war ich halt ein ganz normaler Typ. Ich war nicht der Klassenclown, aber auch nicht der Nerd, der nur rumsitzt.

Carlos Eltern sind stolz auf ihn

Hätten deine Klassenkameraden damals gedacht, dass du eines Tages die Musikcharts eroberst?
Die haben auf alle Fälle immer alle gesagt, dass ich mal ein Karikaturist werde, der Comic malt. Bei mir hat niemand an Musik gedacht. Damals habe ich Musik nur für mich gemacht und das auch niemandem gezeigt. Das war immer schön geheim – ist es jetzt irgendwie immer noch. Vielleicht weiß die Hälfte meiner ehemaligen Klassenkollegen auch gar nicht, dass ich unter der Pandamaske stecke.

Hast du dich damals nicht getraut, deine Musik anderen vorzuspielen?
Nein, ich habe es echt eher einfach so für mich und für meine Kumpels gemacht. Ich wollte meine Musik nie jemandem aufbinden und habe deswegen nie Demos rumgeschickt. Nie. Ich wollte damit auch eigentlich nichts erreichen. Ich hing damals einfach mit meiner Crew – wir waren so zehn Leute – ab, jeder machte mit, jeder machte irgendetwas. Die Musik war einfach für uns.

Was haben deine Eltern dazu gesagt, dass du professionell Musik machst?
Ich habe ja immer schon alles von alleine abgecheckt. Ich habe einen guten Realschulabschluss gemacht, dann habe ich mich von ganz alleine bei der Zeitung beworben, wurde als Einziger als Comiczeichner angenommen und habe das durchgezogen. Meine Mom wusste, dass sie mich laufen lassen konnte. Ich habe ihr gesagt: "Vertrau mir, das funktioniert. Bisher hat alles funktioniert". Für sie war das okay. Papa war ein wenig skeptisch, der meinte: "Ich hab auch Freunde, die in einer Band waren, und aus denen wurde nix!" Aber jetzt ist er geflasht. Jetzt hab ich den. Er schickt mir nun andauernd irgendwelche Youtube-Videos: "Guck mal da, guck mal hier, könnte das nicht was für dich sein?"

Du sagst selber, dass du dir nur wenig Sorgen um die Zukunft machst – anders als viele Gleichaltrige...
Ich habe nie mehr als zwei Jahre im Voraus geplant. Es war nie so, dass ich jetzt dachte: "Okay, nach der Schule werde ich...". Das weiß man doch auch ewig nicht. Bei mir kam irgendwann der Schnellschuss: Ich wollte dann Mediendesigner werden. Man muss im Leben eigentlich immer spontan und schnell entscheiden. Und einfach machen. Man kann nie planen, das Leben geht nie geradeaus. Es nimmt immer eine Kurve und dann steht man vor etwas ganz anderem.

"Bushido ist bestimmt auch ganz nett"

Jan Delay hält dich für die "Zukunft des Deutsch-Rap". Wie steht jemand, der nicht an die Zukunft denkt, zu so einer Aussage?
Ich selbst denke nicht, dass ich die Zukunft oder der Anführer von etwas Neuem bin. Aber es kommen mittlerweile echt viele auf mich zu und behaupten das. Scheinbar verändert sich da gerade etwas in der Musikszene. Das ist auf jeden Fall krass – mal sehen, was daraus wird. Ich gebe jedenfalls mein Bestes.

Deine Musik wird auch gerne als Gegenentwurf zu Aggro-Rap á la Bushido beschrieben. Machst du dir Gedanken um so etwas?
Das ist mir egal (lacht). So wie alles. Ich mache einfach etwas anderes, Netteres. Wobei Bushido bestimmt auch ganz nett ist und sicherlich ein paar Lieder hat, die total lieb sind. Aber ich will da niemandem sagen: "Ey, ich löse dich ab. Deine Zeit ist vorbei, jetzt bin ich da." So etwas entwickelt sich von alleine. Das war nicht mein Plan.

Im Internet wirst du als "Hipster" beschimpft ...
Keine Ahnung. Ist es jetzt schlimm, ein Hipster zu sein? Ich weiß gar nicht, wie ich darauf reagieren soll. Ist es blöd, wenn man so rumläuft, wie man mag? Soll doch jeder machen, was er will. Und wenn der eine gerne Skinny Jeans trägt, dann soll er das machen. Wenn der andere gerne nackt rum läuft, soll er eben das machen. Und, wenn mich jemand Hipster nennt, dann bin ich eben für ihn ein Hipster. Das passt schon.

Sein peinlichster Lieblingssong ist...

Du hast in einmal gesagt, dass du mit einem Dauergrinsen durch die Welt läufst. Was für Musik hörst du, wenn du schlecht gelaunt oder traurig bist?
Wenn ich schlecht gelaunt bin, höre ich Mucke, die mich aus dem Tief herausholt. Irgendein Rock-Lied, vielleicht von Bloc Party. Ich höre wenig melancholische Musik. Das kann ich nicht lange, da wird man ja traurig und fängt an über alles nachzudenken...

Was ist dein peinlichster Lieblingssong?
Lass mich kurz überlegen .... Backstreet Boys mit "Quit Playing Games with my Heart"! Find ich super.

Bist du dann auch in der Disko immer auf der Tanzfläche oder bist du doch eher der Thekenbesetzer?
Ich bin eher auf der Tanzfläche, aber dann richtig! Es kommt natürlich auf die Musik an. Aber wenn die stimmt, dann muss ich mich unbedingt bewegen. Ich kann zwar nicht tanzen, aber ich versuche halt rumzuhampeln.


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