Taylor Swift im UNICUM ABI Interview
Taylor Swift ist mit "1989" in der Popmusik angekommen | Foto: Universal Music/Sarah Barlow
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30. Mai 2015

Simone Zettier

Musik

UNICUM ABI trifft: Taylor Swift

Ein fast normales Leben

"1989 war von sozialen Umbrüchen geprägt"

Du hast vor allem als Country Star Karriere gemacht, "Red" tendierte schon stark Richtung Pop, warum machst du jetzt nur noch Pop?
Als Songschreiberin ist es immer eines meiner größten Ziele, mich selbst und meine Fans zu überraschen. Es fühlte sich einfach natürlich an, mit einer ganzen Palette an Instrumenten sowie Stimmenverzerrung zu experimentieren, anstatt nur auf Gitarren und akustische Instrumente zu setzen. Das habe ich jetzt sechs oder sieben Jahre lang gemacht.

Aber es ist nicht gesagt, dass du nun nie mehr ein Country-Album machst?
Ich habe gelernt, dass man niemals nie sagen kann. Früher habe ich beispielsweise mir nie vorstellen können, einmal in New York zu leben oder mir meine Haare kurz schneiden zu lassen, aber genau diese beiden Dinge sind dieses Jahr passiert.

Das neue Album ist nach deinem Geburtsjahr 1989 benannt. Insbesondere für Deutschland ist das in der jüngsten Geschichte das bedeutendste Jahr. Bist du dir dessen bewusst? Interessierst du dich für Geschichte?
Oh, natürlich! Ich habe ein wirklich leidenschaftliches Interesse für Geschichte! Ein Grund, warum ich das Album „1989“ genannt habe, war neben der Tatsache, dass es mein Geburtsjahr ist, dass es aus historischer Sicht ein Jahr war, das von sozialen Umbrüchen, Widerstand gegen die Normen und Befreiung geprägt war: Die Menschen trauten sich fortan das zu fühlen und tragen, was sie wollten. Sie konnten sein, wer sie wollten und lieben, wen sie wollten. Auch in der Pop-Musik gab es einen großen Sprung: Die Künstler trauten sich etwas und veröffentlichten gewagte Songs. Die Mode war ebenfalls in dieser Zeit sehr gewagt mit grellen Farben und Neonmustern. Alles in allem haben die Leute in dem Jahr das gemacht, wozu sie Lust hatten. Und das Leben nach seinen Vorstellungen zu leben, hat etwas Inspirierendes. Dieses Gefühl wollte ich auf dieses Album übertragen.
 


Dein Album heißt "1989", viele Polaroid-Bilder schmücken das Cover und letztens hast du dich beschwert, dass die Leute gar keine Autogramme mehr von dir wollen und stattdessen lieber ein Selfie mit dir machen. Bist du nostalgisch?
Ich würde eigentlich nicht sagen, dass ich die Dinge in unserer modernen Welt kritisiere, aber ich gehe sehr bewusst damit um. Wir leben in einer Zeit, die sich rasend schnell, schneller als jemals zuvor, verändert. Die Erfindung und Verbreitung des Internets hat unser Denken, unsere Kommunikation, unser Selbstbild und die Wahrnehmung anderer verändert. Es ist verblüffend darüber nachzudenken, wie schnell sich die Dinge verändern. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein Mädchen meiner Klasse, als Erste prahlte, dass ihr Vater ein Mobiltelefon besitze. Damals konnte ich das kaum glauben. Heute kaufen Eltern schon den Neunjährigen ein Handy. Es wäre also nachlässig, wenn ich den Leuten nicht zeigen würde, dass ich mir des sozialen Wandels durchaus bewusst bin und ihn auch kommentiere. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass es noch Menschen da draußen gibt, die gerne Vinyl-Platten und komplette Alben kaufen und Polaroid-Bilder aufnehmen, was nicht bedeutet, dass das jeder machen muss. Aber ich bin zufällig ein Mensch, der das irgendwie cool findet, Dinge von früher wieder aufzugreifen.

"Ich versuche ein ganz normales Leben zu führen"

Einer bekannter US-Journalist betitelte dich just als "größter Popstar der Welt", das "New York Magazine" stellte dich auf eine Stufe mit Bruce Springsteen. Wie gehst du mit solchen Vergleichen um?
Das ist ein interessantes Thema. Ich denke viele Prominente lassen sich vom Prominentsein einnehmen. Irgendwann verschmelzen dann Persönlichkeit und Berühmtheit und lassen sich nicht mehr trennen. Ich versuche ein ganz normales Leben zu führen – allerdings unter ziemlich unkonventionellen, hektischen, chaotischen und verrückten Umständen. In einem Moment ist also so, dass ein hoch angesehenes, etabliertes Magazin ein paar sehr nette Dinge über mich sagt, im anderen Moment krache ich schlafwandelnd gegen eine Glastür in meinem Hotelzimmer. Es gibt genügend Momente, in denen ich tollpatschig und faul bin, nicht geradeaus denken kann, Fehler mache oder der falschen Person vertraue. Natürlich ist es schön, Komplimente zu bekommen, ich genieße das auch, bin aber stets auch sehr selbstkritisch, Mit meinen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren denke ich, dass man weder auf die Komplimente noch auf Kritik zu viel geben sollte. Viel wichtiger ist, dass man weiß, wer man ist. Aktuelle Komplimente oder Kritik dürfen nichts daran ändern.


Auf die Schnelle

  • Essen gehen oder daheim kochen?
    Ich koche lieber zuhause. Meine Freundinnen und ich lieben es zu kochen. Ich mache sehr guten Heilbutt mit einer Weißwein-Senf-Kruste. Da viele meiner Freunde Vegetarier sind, habe ich auch noch viele gute vegetarische Gerichte drauf. 
  • Sport oder Sofa?
    Working Out!
  • Kaffee oder Smoothie?
    Kaffee. Am liebsten mag ich einen Latte.

Taylor Swift 1989 CoverUNICUM Musiktipp

1989

Taylor Swift

Universal Music

VÖ: 27. Oktober 2014

Anspieltipps: Blank Space, How You Get The Girl

Mehr Infos: http://taylorswift.com/ & https://www.facebook.com/TaylorSwift

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