Lisa-Marie Fischer im Interview
Ein Herz für Country: Lisa-Marie Fischer | Foto: Stevja Publishing
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08. Mär 2013

Barbara Kotzulla

Musik

UNICUM Abi trifft: Country-Sängerin Lisa-Marie Fischer

Die sympathische Musikerin über ihr Album "Salt & Sugar"

Auf dem Weg zur deutschen Taylor Swift

UNICUM: Lisa-Marie, wie oft bekommst du eigentlich den Vergleich mit der US-Kollegin Taylor Swift zuhören?
Lisa-Marie Fischer: Das habe ich tatsächlich schon öfter gehört! (lacht) Ich fühle mich dabei aber auf jeden Fall geschmeichelt. Taylor Swift ist ja sozusagen die derzeit größte Country-Sängerin in Amerika.

Die USA sind das Heimatland des Country. Was sagst du zu der Country-Szene hierzulande?
In Deutschland ist es schwierig, viele haben ja wirklich diese Vorurteile gegenüber der Country-Musik. Aber es gibt hier schon ein paar Country-Fans. Ich habe z.B. im Februar auf zwei Country-Festivals in Berlin gespielt. Da waren natürlich auch die ganz extremen Fans (lacht). Aber auch die haben ziemlich gut auf mich reagiert. In Deutschland habe ich noch keine negativen Erfahrungen gemacht.

Und warum kam nur Country für dich infrage? Du würdest sicherlich ebenso gut eine tolle Pop-Sängerin abgeben!
Ich glaube, dass meine Stimme gar nicht so gut zu anderer Musik passen würde (lacht).  Mein Vater hört aber auch schon immer Country, deswegen musste ich ganz einfach diese Musik machen. Und dann war ich 2008 auf einer Musikkreuzfahrt in den USA, auf der ganz viele Country-Musiker aufgetreten sind – das war so ein Schlüsselmoment für mich. Danach habe ich angefangen, Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben. Da wusste ich, daß ich das unbedingt machen möchte.

Was macht den Reiz der Country-Musik für dich aus?
Ich finde Country einfach authentisch. Alle Musiker in diesem Genre schreiben z.B. ihre Songs selber. Man ist in dem ganzen Prozess als Künstler mehr beteiligt. Ich glaube, das ist in der Pop-Musik anders. Im Country geht es um das Leben, die Liebe – eigentlich wie in Pop-Songs, nur ein wenig ehrlicher. (lacht)

Das Abitur war keine leichte Zeit für die Sängerin

Du hast 2012 dein Abi gemacht...
Es war zwischenzeitlich schwer Musik und Abitur unter einen Hut zu bekommen. Ich habe aber versucht, beides gleichzeitig zu schaffen. Ich musste allerdings Musik in der Schule abwählen, weil ich nicht so gut im Notenlesen bin. (lacht) Als ich während der Schulzeit mehr und mehr Musik veröffentlicht habe, haben das natürlich auch alle mitbekommen. Leider gab es da nicht immer positive Reaktionen. Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen.

Was genau ist denn passiert?
Es gab viele Neider und viele, die mir keinen Erfolg zugetraut haben. Auch unter den Lehrern. Da wurde dann hinter meinem Rücken im Lehrerzimmer geredet, dass ich mich doch lieber aufs Abitur konzentrieren und nicht noch gleichzeitig Musik machen soll. Ich bin einfach froh, dass ich mein Abitur bestanden habe, noch einmal möchte ich es aber nicht machen! (lacht)

Dir wurde 2007 in einem Tonstudio geraten, ein Instrument zu lernen. Würdest du diesen Tipp unbedingt weitergeben?
Auf jeden Fall! Wenn ich kein Instrument spielen würde, würde ich wahrscheinlich auch keine Musik machen. Ich stehe z.B. viel alleine auf der Bühne. Es ist einfach ganz, ganz wichtig – gerade in der Country-Musik. Da spielen einfach alle ein Instrument. Das hilft einem, sich als Künstler weiterzuentwickeln, man lernt ja nie aus. Es ist dann spannend, etwas von anderen Musikern zu lernen. Ich bin auch immer sehr froh, wenn ich mit anderen spielen oder üben kann. Das bringt einen schon sehr weiter.

Kannst du dich an den ersten Song, den du geschrieben hast, erinnern?
Ja, den habe ich 2009, ein Jahr nach der Country-Kreuzfahrt geschrieben. Es ging natürlich auch um Liebe, eine gescheiterte Beziehung.

Gab es für dich nach der Schule einen Plan B neben der Musik?
Mir war zumindest klar, dass ich nicht studieren möchte. Ich wollte nicht nur studieren, um zu studieren. Es gibt auch kein Studienfach, das ich machen möchte. Das einzige, was mir neben der Musik noch einfallen würde, wäre vielleicht Stewardess. Ich bin einfach jemand, der viel unterwegs ist und gerne reist.

Einer ihrer Träume: Ein Duett mit Keith Urban

War dir schon früh klar, dass dein Weg als Musikerin über die USA gehen muss?
Nein, diese Erkenntnis kam erst nach und nach. Ich hatte das Glück, dass ich auf der Kreuzfahrt 2008 viele Leute kennenlernen durfte, u.a. auch meinen jetzigen Produzenten. Vorher war mir allerdings  nie so bewusst, dass Country in Deutschland nicht so angesagt ist. Ich fühle mich sehr wohl damit, dass ich jetzt oft in den USA sein kann.

Du warst schon in den USA auf Tour – wie würdest du diese Erfahrung beschreiben?
Ich habe dort auf alle Fälle positive und nicht so positive Erfahrungen gemacht. Die letzte  Tour war sehr gut, da habe ich auch in tollen Clubs gespielt und nette Leute kennengelernt. Aber die erste Tour war schon anstrengend. Wenn einen noch gar keiner kennt und man erst ein bisschen Fuß fassen muss. Gerade in den USA, wo es ganz viele Leute gibt, die Musik machen, das ist schon schwierig. Die Konzertbesucher haben aber alle sehr gut auf mich reagiert. Die meisten fragen aber, wo ich zurzeit in Deutschland wohne und woher ich aus den USA denn herkomme. Viele sind fest davon überzeugt, dass ich in Amerika geboren wurde! (lacht)

Ich war auch ziemlich überrascht: Du singst ja quasi akzentfrei!
Ich glaube, das kommt daher, dass ich viel Country-Musik höre und den Leuten beim Sprechen zuhöre. Bei den Aufnahmen für mein neues Album war es sogar so, dass mein Produzent  mich gebeten hat, nicht so amerikanisch zu klingen. Ich hatte mir da nämlich seinen Slang so ein bisschen abgehört. (lacht)

Du bist mit vielen Künstlern getourt und hast in Nashville an deinem zweiten Album gearbeitet...
Es ist allerdings schon schwierig, sich in den USA zu etablieren. Aber gerade durch meinen Produzenten, der auch in Nashville bekannt ist, ist der Einstieg vielleicht nicht ganz so schwer wie für jemanden, der gar keinen kennt.

Welche Vorbilder in der Musik hast du?
Emmylou Harris, John Hiatt – also Leute, die auch nicht unbedingt im Radio in Nashville laufen.

Mit welchem Star würdest du gerne mal einen Song aufnehmen?
Oh… (denkt nach) Von den bekannteren wahrscheinlich Keith Urban.

Den kenn sogar ich, das ist der Mann von Nicole Kidman!
Genau! (lacht)

Welchen Künstler würdest du einem Country-Neuling zum Einstieg empfehlen?
Zum Einstieg würde ich ganz klar Johnny Cash empfehlen! Ansonsten gibt es ja so viele Künstler … wenn man zum Beispiel mehr in die Pop-Country-Richtung möchte, dann kann man mit Taylor Swift und Carrie Underwood nichts falsch machen.

Zum Schluss: Wo siehst du dich in fünf Jahren?
Es gibt eine Show, die heißt "Grand Ole Opery" – da haben alle bekannten Leute gespielt und da möchte ich auch einmal hin. Da sollte jeder Country-Musiker einmal gestanden haben!


UNICUM Musik-Tipp

Lisa-Marie Fischer

Sugar & Salt

Stevja Records

VÖ: 08.03.2013

Für Fans von: modernem Country, aber auch einfach von gefühlvoller Musik, die ehrlich Herz und Gehörgänge berührt! Und von sommerlichem Sound und einer starken Stimme!

www.lisamariefischer.com

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