Leolixl im Interview
Leolixl verrät im Interview, warum sie unbedingt Ukulele spielen wollte. | Foto: Martin Wolf
Autor

21. Okt 2020

Sherin El Safty

Musik

Leolixl im Interview

"Ich bin auch unverliebt sehr glücklich"

Interview: "TikTok war das Tor zur Welt"

UNICUM: 2016 hast du damit begonnen, kurze Cover-Videos von dir mit deiner Ukulele zusammen auf der Plattform TikTok hochzuladen. Mittlerweile können User /-innen ihre Musikclips auf TikTok mit Audiospuren deiner eigenen Songs musikalisch unterlegen. Was für ein Gefühl ist das für dich? Hast du damals erwartet, dass die App dein musikalischer Durchbruch ist?
Leolixl: Das Gefühl ist auf jeden Fall krass. Als ich mit den Cover-Videos auf TikTok begonnen habe, habe ich definitiv nicht gedacht, dass daraus irgendetwas Größeres werden könnte. Ich habe die Videos eigentlich nur hochgeladen, weil ich dachte, dass das niemand außer mir sehen kann. Ich war dann tatsächlich sehr überrascht, als ich auf der Plattform das Feedback von Leuten bekommen habe, dass sie meine Videos gut finden und ich mehr Videos hochladen soll. Dadurch habe ich mich angespornt gefühlt. Ohne die positiven Kommentare hätte ich da nicht groß weitergemacht.

Du bist in einem 2000-Einwohner Dorf bei Bebra, in der Nähe von Hessen aufgewachsen. Was sind deiner Meinung nach Vorteile, seine Jugend in einem so kleinen Dorf zu erleben? Was sind Nachteile? 

Ein Vorteil ist in jedem Fall die Natur direkt vor der eigenen Haustür zu haben. Als Kind genießt man eine große Freiheit, gemeinsam mit seinen Freunden im Feld oder im Wald spielen zu können. Ich glaube, man kann das auch ganz gut "Dorfkindergefühl" nennen. Nachteile, die mit dem Älterwerden aufkommen, sind natürlich, dass man sehr wenig unternehmen kann. Einfach mal spontan ausgehen ist nicht drin, da die nächste Bar nur mit dem Auto zu erreichen ist. Man kann auch nicht im Club feiern gehen, weil es eben keine Clubs gibt.

Funktionieren Plattformen wie TikTok und Instagram hierbei auch als Möglichkeit, aus dem Dorf rauszukommen? 

Absolut, für mich war TikTok damals ein Tor zur großen weiten Welt. Ich habe über die Plattform sehr viele Leute kennengelernt und hatte plötzlich Freunde aus Orten, die ich ohne diese Kontakte so wahrscheinlich nie besucht hätte. Ich habe mir mit der Zeit immer öfter ein Zugticket gekauft und bin zu meinen neuen Freunden gefahren und habe so für mich ganz neue Städte sehen können. Ich war zum Beispiel in Berlin, München, Dortmund und Köln – alles Städte, die ich vorher noch nie besucht habe.


Leolixl "Vielleicht verliebt"


Die Ukulele, die dich bis heute musikalisch begleitet, hast du auf eigenen Wunsch hin von deiner Oma zu Weihnachten geschenkt bekommen. Warum hast du dir gerade eine Ukulele gewünscht? Konntest du davor schon andere Instrumente spielen?  

Ganz klassisch war das erste Instrument, das ich gelernt habe, die Blockflöte. In der sechsten Klasse habe ich angefangen in der Schule eine Gitarren-AG zu besuchen. Im Anschluss hatte ich dann auch noch privat Gitarrenunterricht, sodass ich auch dieses Instrument sehr gut beherrsche. Damals war das wirklich mein großes Hobby. Eine Zeit lang habe ich auch immer gedacht, dass ich eines Tages Rockstar werde und habe mir zusätzlich noch eine E-Gitarre und einen Verstärker besorgt. Im Internet habe ich ein Video, von einem Mädchen, welches Ukulele spielt, gesehen und fand das direkt richtig toll. Ich wollte unbedingt auch Ukulele spielen können. So schwer kann das ja nicht sein, habe ich gedacht. Mit der Ukulele war das echt wie Liebe auf den ersten Blick.
 

Auf der Plattform TikTok konntest du dein musikalisches Talent einer breiten Öffentlichkeit zeigen und bist dadurch berühmt geworden. Wie würdest du sagen, verändern und beeinflussen Social Media die Musikbranche im Allgemeinen sowie das Berühmtwerden von Newcomer /-innen? 

Social Media eröffnen vielen Menschen Türen in die Musikbranche, dessen Öffnung ohne diese Plattformen wahrscheinlich weniger einfach möglich gewesen wäre. Es macht den einzelnen Künstler etwas unabhängiger von großen Plattenfirmen, weil man sich selbst veröffentlichen und selbstständig starten kann. Durch Social Media ist es außerdem möglich, wie in meinem Fall, sich musikalisch auszutesten. Bevor man direkt 500 CDs aufnimmt und die dann versucht zu kaufen, kann man durch ein paar hochgeladene Videos auch erst einmal schauen, wie es den Leuten überhaupt gefällt.
 
 

Wie gehst du mit Kritik um, die es immer wieder gegenüber der App TikTok aufgrund von Vorwürfen der Zensur sowie des Datenmissbrauchs gibt?  

Ich muss sagen, dass ich von diesen Vorwürfen eine Menge gehört habe, ich es aber gleichzeitig dennoch sehr schwierig finde, mir da ein richtiges Bild von zu machen. Prinzipiell würde ich sagen, dass man eigentlich keiner Social Media wirklich vertrauen kann, wenn es um die persönlichen Daten geht. Man sollte im Internet generell vorsichtig mit persönlichen Daten umgehen und versuchen, so wenig persönliche Daten wie möglich anzugeben. 
 

Würdest du sagen, junge User /-innen jeglicher sozialer Plattformen machen sie zu wenig Gedanken über die Verwendung ihrer Daten im Internet?  

Ich denke, dass viele nicht den Blick dafür haben, was es bedeutet, seine Daten irgendwo anzugeben. Wenn mir beispielsweise ein Online-Shop beruhend auf meinem vorherigen Kaufverhalten personalisierte Werbung zuschickt, dann ist das für mich ehrlich gesagt nicht so dramatisch. Wo man meiner Meinung nach mehr aufpassen sollte, sind persönliche Daten wie Nachname, Adresse, der eigene Wohnort oder der Name der Schule, die man besucht. Mit solchen Daten sollte man im Internet nicht nur aufgrund von Social Media-Plattformen, die deine Daten abgreifen wollen, aufpassen, sondern auch wegen fremden Menschen, von denen man nicht möchte, dass sie diese Informationen über einen haben. Durch diese Informationen macht man sich selbst sehr leicht auffindbar und angreifbar. Ich achte persönlich sehr darauf, über meine veröffentlichten Posts nicht zu zeigen, wo genau ich wohne. Außerdem versuche ich, meinen Nachnamen aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Meine Privatsphäre ist mir sehr wichtig und durch solche Maßnahmen versuche ich, mir diese auch so zu bewahren.
 
 

In deinem Song aus dem Jahr 2018 "Liebe lieber nicht" singst du "Ich brauch noch etwas Zeit. Erstmal lieb ich lieber mich". Würdest du also sagen, Selbstliebe ist Voraussetzung, um jemand anderen zu lieben und um glücklich in einer Beziehung zu werden? 

Absolut, darum geht es eigentlich im ganzen Song. Wenn man mit sich selbst nicht klar kommt, dann kann man ja gar nicht mit jemand anderem klar kommen. Wenn man Probleme mit sich selbst hat oder damit sich selbst lieben und wertschätzen zu können, erwartet man ja quasi, dass der Partner oder die Partnerin einem dabei helfen kann. Früher oder später wird man merken, dass niemand einem dabei helfen kann, sich selbst zu lieben, außer eben man selbst. Wenn du dich selbst vor einer Beziehung nicht lieben konntest, wirst du es auch in dieser Beziehung nicht tun. Diese Einsicht kann zunächst frustrierend sein (lacht), bringt einen im Endeffekt aber auch unglaublich weiter.  

Leolixl: Selbstliebe muss man lernen

Ist Selbstliebe etwas, was du im Laufe deines Lebens erstmal lernen musstest?  

Auf jeden Fall. Ich denke, dieser Prozess ist etwas, wo jeder Mensch früher oder später in seinem Leben durchgeht, besonders in der Jugendphase, in der Pubertät, wenn man sich Fragen stellt wie beispielsweise "Wer bin ich eigentlich?", "Was will ich eigentlich?", "Wo will ich eigentlich hin?". Das muss man erstmal für sich persönlich herausfinden. Das dauert in jedem Fall auch eine Zeit lang, bis man sich selbst besser kennen und dadurch auch lieben lernt. Ich finde, dass ich das mit der Zeit sehr gut hinbekommen habe. Ich bin mittlerweile sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie ich bin und wie ich aussehe. Mit dem Alter sind meine Selbstzweifel immer mehr in den Hintergrund gerückt.
 

Was sind deine Ratschläge an Jugendliche, die Probleme damit haben, selbstbewusst zu sein und sich selbst wertzuschätzen? 

Ein wichtiger Tipp ist in jedem Fall, sich selbst und die Menschen und Dinge um einen herum, nicht zu ernst zu nehmen und als endgültig zu erachten. Außerdem sollte man, sich selbst auch den Raum zugestehen, Fehler zu machen. Fehler sind wichtig, um jeden in seiner Persönlichkeitsbildung weiter zu bringen.
  

Glaubst du, viele Jugendliche mit Geschwistern erleben in ihrem Leben eine Phase, in welcher sie sich von ihren Schwestern oder Brüdern entfernen? Wenn ja, woran könnte das liegen?  

Ich denke, sehr viele Geschwister erleben genauso eine Phase. Ich glaube, so eine Phase hängt viel damit zusammen, dass man sich eigentlich sehr nah steht, aber insbesondere in einer Phase wie die der Pubertät, in der man so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, es sehr schwierig werden kann, wenn da noch jemand ist, der so sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Dadurch stößt man glaube ich sehr leicht aneinander und möchte sich eher voneinander abkapseln und sich selbst finden. Wie ist das Verhältnis zu deiner Schwester heute? Wie habt ihr wieder zueinander gefunden? Sehr gut. Meine Schwester wohnt auch hier in Frankfurt, ganz in der Nähe von mir. Letzten Sonntag hat sie mich noch zu sich und ihrem Ehemann zum Bratenessen eingeladen. Insbesondere als ich hierher nach Frankfurt gezogen bin, hat sie mir sehr geholfen. Sie gibt mir Große-Schwestern-Tipps, die ich manchmal wirklich brauche und unterstützt mich unglaublich. Da bin ich sehr dankbar für und weiß das auch, absolut wertzuschätzen. Besonders, weil wir uns früher oft so sehr gestritten haben. Wir hatten vor einiger Zeit mal ein klärendes Gespräch, was wir beide gebraucht haben. Wir brauchten beide unsere Zeit, mit uns selbst klar zu kommen, um dann wieder zueinander zu finden. Wir mussten uns beide auch der anderen gegenüber öffnen, damit wir voneinander überhaupt wissen, wie es in uns drin aussieht. 
 

Im Gegensatz zu "Liebe lieber nicht" hört sich deine neue Single "Vielleicht verliebt" sehr viel hoffnungsvoller der Liebe und dem Verlieben gegenüber eingestellt an. Wie hat sich deine Einstellung diesbezüglich verändert? Gab es hierfür einen konkreten Auslöser?  

Ich würde sagen, dass auch hier das Erwachsenwerden einen sehr großen Einfluss hatte. Ich musste mich erstmal selbst finden und mich selbst lieben. Im Endeffekt sagt der Song aber auch, dass ich doch nicht verliebt bin, auch wenn es so hätte kommen können. Ich bin aber trotzdem glücklich, auch wenn es nicht geklappt hat. Ich hätte mich verlieben können, bin aber auch unverliebt sehr glücklich. 
 



In "Vielleicht verliebt" sinnierst du darüber, ob es mit einem Jungen, den du auf einer Party kennen lernst, geklappt hätte, wenn er nicht so weit weg wohnen würde, ob du jetzt eben "vielleicht verliebt" in ihn und zusammen mit ihm wärst. Was sind denn deine Gedanken zu Fernbeziehungen? Würdest du eine eingehen oder sie kategorisch ablehnen?  

Ich hatte selbst noch keine Fernbeziehung. Deswegen weiß ich gar nicht, ob für mich eine in Frage kommt. Prinzipiell würde ich sagen, was man selbst noch nicht ausprobiert hat, kann man nicht beurteilen. Meine Schwester beispielsweise hat ihre Fernbeziehung geheiratet. Fernbeziehungen können also auf jeden Fall funktionieren. Um zu sagen, ob es zu mir passt oder nicht, müsste ich es aber erst einmal ausprobieren. 

Leolixl mag Falco, Nena und die Neue Deutsche Welle

"Vielleicht verliebt" wird beschrieben als "inspiriert von den Beats der Neuen Deutschen Welle". Welche musikalischen Vorbilder hast du aus dieser Zeit und auch generell? 

Aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle ist auf jeden Fall Nena eines meiner musikalischen Vorbilder. Ich finde sie absolut mega! Falco mag ich auch sehr gerne. Musikalisch gesehen möchte ich zwar nicht so sein wie er, ich finde aber sein ganzes Image und die Kunstfigur Falco unglaublich interessant. Nina Hagen finde ich auch sehr cool. Ein zeitgenössischer Musiker aus dem deutschen Pop, der schon sehr lange Musik macht und zu dem ich aufschaue, ist zum Beispiel Clueso. Prinzipiell schaue ich mir gerne was von Musikern ab, bei denen ich die Musik und die Songs einfach selbst cool finde.
 
 

Was sind deine Pläne für die Zukunft? 

Ich möchte in jedem Fall von meiner Musik eines Tages leben können. Ich möchte alle meine Rechnungen nur von meinen Musikeinnahmen bezahlen können und nicht mehr nebenbei kellnern müssen. Ich hoffe, nebenbei auch noch mein Studium der Erziehungswissenschaften abschließen zu können. Ich kann mir auch gut vorstellen meine musikalischen und pädagogischen Fähigkeiten miteinander zu verbinden. Momentan wohne ich in einer Ein-Zimmer-Wohnung und ich träume von einem Schlafzimmer, also einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Ich möchte mir aber auch gar nicht so viele feste Ziele setzen und dann im Endeffekt traurig sein, weil ich sie nicht erreicht habe. Ich lasse die Zukunft auf mich zukommen und mich vom Leben überraschen. Bis jetzt hat das ja auch ganz gut geklappt.


UNICUM Musiktipp

Vielleicht Verliebt

Leolixl

VÖ: 04. September 2020

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