Kygo Interview
Kygo heißt mit bürgerlichem Namen Kyrre Gørvell-Dahll | Foto: Olav Stubberud
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19. Apr 2016

Philipp Brüggemann

Musik

Kygo im Interview: "Manchmal fühlt es sich an wie ein Traum!"

Der norwegische Erfolgs-DJ ist jetzt auf Europa-Tour

Kygos Maximum: 50 bis 100 Shows pro Jahr

UNICUM: Du bist gerade auf deiner ersten Europa-Tour und spielst auch in Deutschland vor Tausenden Fans. Wie nervös und aufgeregt bist du?
Kygo: Schon ein kleines bisschen. Ich stehe ja allein auf der Bühne und spiele live viel Keyboard. Da muss ich mich konzentrieren, damit ich nicht die falschen Tasten drücke.

Was ist an so einem Gig das Schönste für dich, was macht dich glücklich?
Das Coolste ist, wenn die Leute die Texte von allein mitsingen können, sie einfach eine gute Zeit und viel Spaß haben. Außerdem spiele ich auf Konzerten gerne neue Tracks und bin gespannt, wie es den Fans gefällt. Wenn sie zu einem Song, den sie das erste Mal hören, richtig abgehen, dann ist das ein richtig gutes Gefühl.

Deine Tour wird dich unter anderem nach Barcelona, Madrid oder auch Paris führen. Gefällt dir das Tourleben oder produzierst du lieber zu Hause?
Es gehört beides dazu und ich mache beides wirklich gerne. Ich freue mich wahnsinnig auf die nächsten Konzerte und die ganzen Fans. Allerdings freue ich mich auch immer wieder auf die Zeit zu Hause. Ich habe mir ein Limit an Auftritten pro Jahr gesetzt: Im Gegensatz zu anderen DJs, die bis zu 250 Shows pro Jahr spielen, trete ich zwischen 50- und 100-mal auf. Andernfalls wird mir das einfach zu viel und ich kann mich zu wenig um meine eigentliche Leidenschaft, das Musikmachen und Kreativsein, kümmern.



Von DJ-Freunden und Musik-Konkurrenten

Das Genre, in dem du zu Hause bist, nennt sich "Tropical House". Wer hat sich das eigentlich ausgedacht und fühlst du dich wohl damit?
Ich selbst habe mir das nicht ausgedacht. Ich mag es nicht, meine Musik in Schubladen oder einzelne Genres zu stecken. Ich wollte einfach melodischen Elektro machen. Ich glaube, es war Tomas Jack, ein australischer House-Produzent, der einen ähnlichen Stil an Musik macht wie ich, und es "Tropical House" genannt hat.

Würdest du das Genre lieber umbenennen?
Kygo MusikNein, ich würde einfach gerne mehr machen. Im Mai kommt mein erstes eigenes Album raus, da ist viel mehr als nur "Tropical House" drauf. Ich möchte mich einfach weiter ausprobieren und nicht nur für einen Musikstil bekannt sein.

Auch hier in Deutschland haben wir einige DJ-Talente, zum Beispiel Felix Jaehn oder Robin Schulz. Habt ihr euch schon mal kennengelernt?
Ja, ich habe die beiden schon öfter getroffen und wir verstehen uns sehr gut. Ich sehe andere DJs viel mehr als Kollegen. Konkurrenz hilft einem da nicht weiter. Wir machen ja einfach das, was wir lieben. Natürlich will jeder seine Tracks weiter oben in den Charts haben als der andere, aber da gibt es keinen Neid. Wir gönnen uns gegenseitig den Erfolg.

Sprecht ihr untereinander über eure Tracks und gebt ihr euch gegenseitig Tipps und Ratschläge?
Wir geben uns nicht direkt Tipps, aber wir reden sehr viel über unsere Art von Musik und daraus entstehen dann auch öfter neue Ideen für Songs. Die Branche ist so groß, da kommt es oft vor, dass jemand auf dich zukommt und fragt: "Hast du den neuen Sound schon gehört?" Und dann hörst du dir das an und manchmal fällt einem daraufhin selbst ein neuer Beat ein.

In einem anderen Interview hast du Avicii als dein Vorbild genannt. Warum kommt eigentlich so viel elektronische Musik aus Skandinavien?
Das ist echt schwer zu sagen. Meine Theorie ist, dass es bei uns im Winter von September bis Februar komplett dunkel ist. Wir können draußen nicht viel machen und haben einfach nichts Besseres zu tun, als vor unseren Computern zu sitzen und elektronische Musik zu machen. (lacht)

Kygos Eltern reisen auf Tour oft mit

Du hast mit sechs Jahren angefangen, Klavier zu spielen. Wie sehr helfen dir diese Skills bei deiner heutigen Musik?
Ohne die Klavierstunden wäre ich heute nicht in der Lage, meine Musik zu machen. Abgesehen vom Produzieren im Studio spiele ich immer live auf der Bühne. Es macht mir einfach riesig Spaß. Das Klavierspielen ist insgesamt sehr wichtig für mich.

Spielst du auch noch andere Instrumente?
Nein, leider nicht. Ein wenig Gitarre, aber nicht wirklich gut. Brauche ich allerdings auch gar nicht, denn man kann ja alle möglichen Sounds auf die Tasten legen, ob es Gitarren sind oder Drums. Aber andere Instrumente möchte ich schon noch lernen, das macht mich dann vielseitiger und ich kann mehr ausprobieren. Saxophon würde mich zum Beispiel reizen.

Weißt du noch, wo dein erster richtiger Gig war?
Ja, natürlich. Das ist gar nicht so lange her. Das muss vor circa zwei Jahren in Paris gewesen sein. Zwar habe ich mit einem Freund vorher schon in ein paar kleineren Clubs aufgelegt, aber das in Paris war der erste größere Auftritt. Vor allem, weil es der erste Gig war, bei dem mein Name auf den Tickets und der Leinwand stand. Da war ich sehr stolz drauf.

Ich könnte mir vorstellen, dass du deine Eltern und Freunde im Moment nicht sehr oft siehst, oder?
Meine Eltern unterstützen mich wo sie nur können. Sie waren zum Beispiel in Amsterdam beim Eröffnungskonzert der Tour dabei. Teilweise reisen sie sogar mit mir mit. Bei meinen Freunden ist es etwas schwieriger, da sie ja am Studieren sind oder arbeiten müssen. Aber wenn sie Zeit haben oder Semesterferien, dann kommen sie mich auch besuchen. Ich versuche aber umgekehrt, meine Freunde oft in Bergen zu sehen. Ich wohne ja auch noch da, wenn ich nicht unterwegs bin. 

Du bist deiner Heimatstadt also treu geblieben – wohnst du noch bei deinen Eltern?
Nein, bei meinen Eltern bin ich ausgezogen. Ich habe ein Apartment in der Innenstadt. Dort produziere ich auch meine Songs. Ich habe mir im Wohnzimmer eine Studio-Ecke eingerichtet mit Keyboard, Computern und all dem notwendigen Equipment. Da kann ich echt gut abschalten und mich voll auf meine Musik konzentrieren. Natürlich habe ich fast immer meinen Laptop dabei, falls mir unterwegs eine Melodie in den Kopf kommt. Aber produzieren kann ich am besten zu Hause.



Das hat er vor seiner Musik-Karriere studiert!

Gibt es außer deinem Laptop noch etwas, das du immer bei dir trägst?
Ich muss immer meine Cap aufhaben. Ich trage insgesamt gerne Caps, doch der eigentliche Grund ist, dass mir sonst ständig meine Haare ins Gesicht fallen. Das ist unglaublich nervig, gerade wenn ich am Klavier spiele.

Was hättest du gemacht, wenn du kein DJ geworden wärst?
Ich hatte schon angefangen "Business & Finance" zu studieren. Das ging zwei Jahre lang und nebenher habe ich Musik gemacht. Doch irgendwann lief es damit so gut, dass ich mich entscheiden musste: Mache ich professionell Musik oder studiere ich weiter. Es war bisher die größte und wichtigste Entscheidung meines Lebens.

Und jetzt läuft es ja auch richtig gut! Kannst dir vorstellen, mit 40 noch auf der Bühne zu stehen wie zum Beispiel David Guetta?
Im Moment mache ich mir da nicht so viele Gedanken. Ich will auf jeden Fall lange Musik machen und produzieren – aber dass ich in 30 Jahren noch Konzerte spiele, glaube ich eher nicht. Ich könnte mir eher vorstellen, für andere Künstler zu produzieren. Gerade genieße ich es total, um die Welt zu reisen und aufzutreten. Aber ich denke, das sind Dinge, die man machen sollte, so lange man jung und ungebunden ist.

Was ist dein absoluter Lieblingssong?
Oh, das ist hart. Es gibt so viele richtig gute Tracks. Es ist schwer, sich nur für einen zu entscheiden. Zu "Sexual Healing" von Marvin Gaye habe ich 2013 einen Remix gemacht. Das Original ist ein echter Klassiker und mit Sicherheit einer meiner absoluten Lieblingssongs.

Was ist dein größter Traum? Oder steckst du schon mittendrin?
Manchmal fühlt es sich wirklich ein bisschen wie ein Traum an. Ich bin sehr dankbar für das, was ich habe und wie es im Moment läuft. Ich würde natürlich gerne irgendwann mit den ganz großen Künstlern zusammenarbeiten, wie Coldplay, Rihanna oder Ed Sheeran. Aber mein größter Wunsch ist es, weiterhin mit meiner Musik erfolgreich zu sein und mein Leben so weiterführen zu können.



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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 24. Apr 2016 um 12:24 Uhr von Ulrike Brügeemann
Super Interview, enthält viele Informationen, vor allem da ich ihn ja gar nicht kannte. Lässiger Eindruck von beiden. Weiter so!