K.I.Z Hurra die Welt geht unter
K.I.Z. im Interview zum Album "Hurra die Welt geht unter" | Foto: Christoph Voy/Universal Music
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13. Jul 2015

Steffen Rüth

Musik

K.I.Z.: Hurra die Welt geht unter

Das HipHop-Quartett mit neuem Album

"Das hier ist stellenweise ein Kuschelalbum"

UNICUM: Jungs, ist "Hurra die Welt geht unter" ein ernstes Album?
Nico: Ernst klingt doof. Ernst klingt langweilig.
Maxim: Vom Sound und von den Themen her ist es sicher unser finsterstes Album.
DJ Craft: Meine Mutter meinte allerdings, dass die neue Platte viel feinfühliger ist als alle, die wir davor gemacht haben.

Sind euch einfach keine Peniswitze mehr eingefallen sind?
Maxim: Dadurch, dass in den Texten dieses Battle-Ding wegfällt, wir also kaum noch über andere Rapper herziehen und uns mit ihnen messen, wird eben viel weniger verbal gefickt. Früher gab es ja nur wenige zärtliche Momente bei K.I.Z., es ging mehr darum, den anderen platt zu machen. Das hier ist stellenweise ein Kuschelalbum.

Titel und Titelsong legen nahe, dass ihr euch auf den Weltuntergang freut. Ist das so?
Maxim: Natürlich nicht. Wir machen uns lustig über die ganzen Weltuntergangsszenarien, die ständig herumgereicht werden. Jetzt gerade wieder: Die Krise. Alles soll zusammen brechen, Deutschland, Europa, die Welt, es ist eine ewige Hysterie. Am lautesten schreien oft ausgerechnet die Leute, die normalerweise total viel an der Welt auszusetzen haben und alles doof finden. Das ist eine seltsame Kombination, zu sagen "Die Welt ist scheiße", aber gleichzeitig krass Sorge zu haben, dass sie untergeht.

Ist denn überhaupt etwas schlechter geworden seit der letzten K.I.Z.-Platte vor vier Jahren?
Tarek: Natürlich spürt man durch die eine oder andere Begebenheit, dass es einigen Menschen sehr schlecht geht. Man denke nur an die Flüchtlinge, die wochenlang in einer besetzten Schule ausharren mussten. Aber auch die Flüchtlingsthematik spielt bei uns schon viel länger eine Rolle, sei es, weil man familiär aus der linken Ecke kommt oder weil man Freunde hat, die das persönlich betrifft.
Maxim: Ich denke auch nicht, dass sich an der Gesamtsituation viel geändert hat. Für uns ist der Weltuntergang einfach ein cooler Aufhänger. Da wir die "Ich fick deine Mutter"-Songs außen vor gelassen haben, sind die Geschichten und Inhalte mehr in den Vordergrund gerückt.  



"Wir sind auch nicht schlauer als andere"

Besauft ihr euch beim Songschreiben eigentlich?
Maxim: Nein, ich bin kein Typ, der auf Drogen oder Alkohol gut schreiben kann.
Nico: Wir können schon saufen, auch viel saufen, aber nicht im Studio. Bei der Arbeit müssen auch wir uns konzentrieren, das ist die unbequeme Wahrheit.

Als ihr vor rund zehn Jahren angefangen habt, seid ihr gegen die damals dominierenden Aggro-Berlin-Dumpfrapper angetreten, richtig?
Maxim: Falsch. Das wird uns immer nachgesagt, aber wir finde es doof, wenn das behauptet wird. Das lässt uns so arrogant und elitär dastehen. Wir sind auch nicht schlauer als andere. Die Aggro-Jungs haben uns an den deutschen Rap rangeführt, das waren Typen aus der Nachbarschaft und als die berühmt wurden, war das unfassbar wichtig für uns.
Tarek: Wir sind nie angetreten, um die zu verarschen. Aber man kann den Gedankengang irgendwo verstehen, weil wir uns wirklich ausufernd über männliche Allmachtsphantasien und Geschlechtsteile lustig gemacht haben.

Ihr kommt aus Berlin, habt das aber nie besonders hervorgehoben. Wieso nicht?
Nico: Ach, das ist so eine nervige Masche. Dieses "Wir sind Berliner, wir sind so cool". Allerdings ist "Ariane" ein totaler Berlin-Song, in wenigen anderen Städten auf der Welt könnte eine solche Geschichte wirklich passieren.
Maxim: Das hat auch was von: "Hast du denn sonst nichts vorzuweisen?" Am Anfang war das witzig, die Berliner gegen die Stuttgarter gegen die Hamburger, aber das ist schnell langweilig geworden.

Könnt ihr euch selbst eigentlich euren Erfolg erklären?
Maxim: Wir machen etwas, das vorher noch nicht da war. Wir machen harte Musik, aber nicht nur für die Leute von der Straße, sondern für alle. Jeder kann sich das anhören, von den Studenten bis zu den Asis.

Um eine Sache kommen wir nicht herum. Die Veröffentlichung von "Hurra die Welt geht unter" wurde um eine Woche nach hinten verschoben. Wolltet ihr dem Cro-Album aus dem Weg gehen? Habt ihr vor dem Pandamann gekniffen?
Tarek: Nein, das war wegen dem Ramadan (lacht). Ach Quatsch, natürlich war das, um dem Panda aus dem Weg zu gehen. Wir haben die Nummer Eins verdient. Wir wollen die Nummer Eins. Niemand soll uns ins Gehege kommen.


UNICUM Abi-Musiktipp

"Hurra diese Welt geht unter", das fünfte Album vom K.I.Z., ist am 10. Juli 2015 bei Vertigo Berlin erschienen. Passend dazu sind die HipHopper im November und Dezember auf Tournee.

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