BRKN
BRKN bringt am 18. August sein zweites Album raus | Foto: Ferhat Topal Photography/BESTE/®Filatow
Autorenbild

21. Aug 2017

Barbara Kotzulla

Musik

BRKN im Interview: 1.000 Prozent Leidenschaft für Musik

Musik oder Architektur? "Wenn die Leidenschaft fehlt wird es zur Qual"

UNICUM: Du bist auf Festivals wie dem Deichbrand aufgetreten, nun erscheint dein zweites Album: Du scheinst einen ziemlich guten Sommer 2017 zu haben – oder fehlt noch etwas für den perfekten Sommer?
BRKN: Als Künstler fehlt mir relativ wenig, als Mensch hatte ich aber noch gar keine Zeit, den Sommer irgendwie zu genießen. Wir sind direkt von der Albumproduktion zur Promophase übergegangen. Ich habe noch nicht einmal einen halben Tag im Park gelegen. Dafür kann ich endlich die Musik rausbringen, an der ich die ganze Zeit gearbeitet habe – und das macht den Sommer ziemlich perfekt.

Auf deiner Facebook-Seite kommentieren die Leute begeistert unter deinen Auftritten – vor allem dank der guten Stimmung, die du verbreitest. Du wirkst auch in deinen Musikvideos wie der geborene Entertainer, bist du auch privat so oder ganz anders als auf der Bühne?
Wenn ich nach einem Festival nach Hause komme, dann bin ich auch einfach nur still und freue mich über die Ruhe. Aber generell bin ich ein positiv eingestellter Mensch. Bei mir ist nichts vorgegaukelt: Ich freue mich wirklich jedes Mal, wenn ich auf die Bühne komme – das bin einfach ich.

Langeweile scheint ein Fremdwort für dich zu sein: Würdest du dich selber als rastlos bezeichnen?
Früher als Kind konnte ich nie stillsitzen, mittlerweile freue ich mich, wenn ich zuhause auf der Couch sitzen und Playstation spielen kann. In  einer Albumproduktionsphase ist Langeweile aber ein Fremdwort, höchstens, wenn man im Backstagebereich auf einen Auftritt wartet. Sonst ist derzeit wirklich von morgens bis abends irgendwas. Und selbst, wenn man denkt, dass nichts ansteht – dann kommt garantiert noch etwas!

Auf der anderen Seite wirkst du wie ein sehr zielstrebiger Mensch, der Sachen zu Ende bringt. So auch dein Architektur-Studium, dass für dich zum Schluss "eine Qual" war. Warum hast du es seinerzeit nicht einfach abgebrochen und bist direkt mit der Musik gestartet?
Ob es tatsächlich beim Architektur-Studium Zielstrebigkeit war, kann ich nicht genau sagen. In der Musik bin ich aber jetzt definitiv sehr zielstrebig. Da gebe ich 1.000 Prozent. Damals war es so, dass ich mitten im Studium gemerkt habe, dass ich sehr, sehr viel Zeit mit etwas verschwende, das ich gar nicht will. Dabei hatte ich immer vor Augen, was mein eigentliches Ziel ist. Das war gefühlt eine noch größere Belastung. Letztendlich ist es daran gescheitert, dass ich nicht genug Leidenschaft für die Architektur hatte. Natürlich macht das Designen und Gestalten Spaß, aber zum Bau eines Hauses gehören auch Dinge wie Gebäudetechnik und Bauphysik – wenn da die Leidenschaft fehlt, wird das wirklich zur Qual. Ich wollte dann aber doch meinen Bachelor machen, damit die drei Jahre nicht vollkommen vergeudet gewesen sind. Der Abschluss war jetzt nicht so glamourös, aber meine Eltern waren ziemlich erleichtert. Am Anfang wussten die ja auch nicht, was das Ganze mit der Musik soll.

"Das Leben viel zu kurz ist, um sich mit Dingen aufzuhalten, auf die man keine Lust hat"

Gab es für dich so etwas wie den EINEN Moment, an dem dir klar geworden ist: Okay, ich will das jetzt wirklich mit der Musik machen oder war das eher ein schleichender Prozess?
Ein bisschen von beidem. Ich hatte mich für Architektur entschieden, weil es für mich wie eine coole Kombination aus Kreativität und "seriösem" Beruf wirkte. Musik wollte ich nicht studieren – ich dachte, das würde die Liebe aus der Sache nehmen. Aber eigentlich haben mich die Leute immer schon gefragt: "Digga, warum machst du nicht Musik?" Ein Kumpel von mir hat dann 2012 einen ziemlich nicen Vertrag unterschrieben – der Kumpel, mit dem ich zusammen Musik mache, seit wir 12 waren. Da habe ich gemerkt, dass es gar nicht so utopisch ist, damit Geld zu machen. Etwa zum gleichen Zeitpunkt sind zwei Menschen aus meinem nahen Umfeld verstorben. Mir ist dadurch bewusst geworden, dass das Leben viel zu kurz ist, um sich mit Dingen aufzuhalten, auf die man gar keine Lust hat. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt. Ich bin selber für mein Leben und das, was ich damit mache, verantwortlich.

Du hast etwa mal gesagt: "Ein gutes Abitur bedeutet nur, dass man ein guter Roboter sein kann". Ist dem wirklich so?
Ich bin mir sicher, dass sehr viele heute erfolgreiche Leute früher schlecht in der Schule waren. Ein schlechtes Abitur sagt nichts über dich aus. Es gibt einfach Menschen, denen liegt das trockene Auswendiglernen von Schulstoff – und anderen nicht. Und Schule ist nichts anderes als Auswendiglernen. Kreative Fächer werden dagegen kaum gefördert. Ich hatte damals Glück, dass es an meiner Schule eine Jazz-Band gab und ich Saxophon-Unterricht bekommen habe. Ein Abitur ist aber kein Beweis für Intelligenz oder "Nicht-Intelligenz".

Hast du deine eigene Schulzeit eher in guter oder in schlechter Erinnerung?
Den Unterricht vermisse ich überhaupt nicht, aber ich vermisse die Unbeschwertheit der Zeit. An sich habe ich die Schulzeit aber eher als nervig in Erinnerung.

Seine Mama hat BRKN verboten, zum Arbeitsamt zu gehen

Du als Künstler machst einen entspannten Eindruck. Wie steinig war der Weg bis hier hin?
"Steinig" ist vielleicht nicht der passende Begriff. Als wir meine erste CD rausgebracht haben, haben wir uns relativ schnell ein relativ gutes Netzwerk aufgebaut. Aber natürlich konnte ich nicht von heute auf morgen davon leben. Wir haben uns schließlich dazu entschlossen, alles selber zu machen. Da gibt es dann keinen, der dir einen Vorschuss zahlt. Dieser Weg ist relativ beschwerlich, es gehört viel harte Arbeit dazu – aber wir wussten von vornherein, dass das auf uns zukommt. Ich habe das Glück, dass ich mit meinem Management und Label Menschen um mich habe, die der ganzen Sache so verschrieben sind wie ich. Seit 2014 geht es immer weiter nach vorne, und sind die Schritte manchmal noch so klein. Ich hätte natürlich auch jederzeit zum Arbeitsamt gehen können, aber das hat mir meine Mama verboten, als ich ausgezogen bin. 

Ich habe gelesen, dass du viele Nebenjobs gemacht hast, um dich über Wasser zu halten.
Ich habe immer noch einen Nebenjob, aber es ist nicht mehr ganz so schlimm wie am Anfang. Ich arbeite so 10 bis 15 Stunden in der Woche am Empfang bei einer Werbeagentur. Davor habe ich viele unterschiedliche Nebenjobs gemacht – Arbeit ist halt Arbeit, da braucht man sich nicht beschweren. Ich bin nicht so der Fan von Zukunftsprognosen, aber vielleicht brauche ich bald keine Nebenjobs mehr.

Was würdest du tun, wenn es mit der Musik-Karriere von heute auf morgen nicht mehr klappen sollte?
Auf keinen Fall wieder Architektur! Ansonsten mache ich mir da keine Gedanken. Es liegt noch viel harte Arbeit vor mir, darauf will ich mich konzentrieren. Ein Plan B würde sich für mich so anfühlen, als ob ich nicht wirklich daran glaube, was ich jetzt mache. Aber das tu ich. Und deswegen hab ich keine Zeit, mir andere Dinge auszudenken.

2016 kam dein Debüt, 2017 dein zweites Album – was kommt 2018?
Ich habe viele Ideen für Sachen, die ich machen möchte, und Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten will. Nur weil mein Album nun rauskommt, heißt das nicht, dass ich erst einmal ein halbes Jahr Pause mache.

Letzte Frage: Wenn du nur einen Song nennen dürftest, der dein Leben verändert hat, welcher wäre das?
Al sich das erste Mal "Brown Sugar" von D’Angelo gehört habe, ist für mich eine neue Welt aufgegangen. Da habe ich einfach gecheckt, was es für Musik gibt und in welche Richtung ich als Musiker gehen will. Einer meiner Lieblingssongs ist auch "The World is yours" von Nas – als ich den zum ersten Mal gehört habe, sind einfach Gefühle in mir hochgekommen. Früher habe ich auch viel Deutschrap gehört, zum Beispiel "Kopf hoch" von Azad und Jonesmann. Das war für mich ein sehr starker Song, der mir Kraft gegeben hat.


Einzimmervilla BRKNUNICUM Musik-Tipp

Einzimmervilla

BRKN

Beste/Groove Attack

VÖ: 18. August 2017

Artikel-Bewertung:

3.19 von 5 Sternen bei 47 Bewertungen.

Deine Meinung: