Mass Effect Andromeda
Mass Effect: Andromeda – Seit dem 23. März 2017 erhältlich | Foto: © 2017 Electronic Arts Inc.

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20.03.2017

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12. Apr 2017

Christopher Lymer

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Mass Effect: Andromeda

Galaktischer Exodus oder fataler Exitus?

Neustart mit Hindernissen

Während die in der Shepard-Trilogie erzählte Reaper-Invasion gut ein halbes Jahrtausend zurückliegt, erreichen die Archen der Ratsvölker aus der Milchstraße nach ihrer 600 Jahre andauernden Reise ihr Ziel – die Andromeda-Galaxie. Frisch aus dem Kryoschlaf erwacht, schlüpfen wir in die Rolle von Sara Ryder oder deren Zwillingsbruder Scott, um als "Pathfinder" die Kolonisierungsbemühungen der Menschheit im Heleus Cluster voranzutreiben.

Die geplante Mission droht jedoch zu scheitern, noch bevor sie beginnt: Nicht nur breitet sich ein zerstörerisches, kosmisches Phänomen im System aus, das Schiffe vernichtet und zur Kolonisierung auserkorene Planeten unbewohnbar macht. Auch eine fremde Alien-Spezies, die Kett, treten den Neuankömmlingen feindlich entgegen.

Als Pathfinder und somit Speerspitze der "Andromeda Initiative" ist es nun an uns, eine sichere Heimat für unser Volk zu finden, Erstkontakte zu fremden Spezies zu knüpfen und den allgegenwärtigen Bedrohungen entgegenzutreten.

Schöne neue Welten

Dafür bekommen wir von der Initiative mit der "Tempest" ein hochmodernes Schiff gestellt, das uns – wie seinerzeit die "Normandy" – als Einsatzzentrale und Heimstatt unserer stetig wachsenden Crew dient. Mit ihr bereisen wir fortan die unterschiedlichsten Welten des Heleus Cluster: Von staubigen Wüsten, über frostige Eislandschaften bis hin zu lila-fluoreszierenden Dschungeln warten hier zahlreiche Ökosysteme darauf, von uns entdeckt zu werden.

Dabei setzt Mass Effect: Andromeda im Gegensatz zur Shepard-Trilogie auf deutlich größere Areale und versucht damit offensichtlich, dem geltenden Open-World-Trend zu entsprechen. Allerdings hinken die gigantischen Landschaften – so ansehnlich sie auch sind – im Vergleich zu aktuellen Genre-Konkurrenten wie z. B. Horizon: Zero Dawn weit hinterher: Schließlich verfügen die fremdartigen Welten – bis auf regelmäßig platzierte Gegner-Gruppen – weder über ein lebendiges Environment, noch begegnen uns dynamische Wetter-Effekte oder Tag-Nacht-Zyklen.

Erforschen, sammeln, basteln

Nichtsdestotrotz macht sich die fleißige Erkundung der Areale bezahlt, da sie mit zahlreichen versteckten Items sowie wertvollen Mineralien locken – und diese spielen eine wichtige Rolle: Denn Mass Effect: Andromeda wartet mit einem umfangreichen Crafting-System auf, das uns innerhalb von drei verschiedenen Technologie-Zweigen Baupläne freischalten lässt, welche wir durch den Einsatz von Forschungspunkten erwerben.

Letztere können wir während unserer Einsätze durch das Scannen bekannter oder fremdartiger Technologien ansammeln. Liegt die Blaupause vor, dürfen wir die gewünschten Waffen, Panzerungsteile oder Mods an Forschungsstationen herstellen, vorausgesetzt wir verfügen über die benötigten Ressourcen.

Und auch wenn das Crafting-System anfangs etwas Einarbeitungszeit erfordert, kann das Freischalten und Herstellen verschiedener Waffen- und Rüstungstypen ungemein motivieren.

Der Pathfinder – ein echtes Multitalent

Wie schon zu Zeiten Commander Shepards kommt auf dem Schlachtfeld aber nicht nur das Waffenarsenal zum Einsatz, sondern auch eine Reihe mächtiger Spezialfähigkeiten. Da sich Mass Effect: Andromeda von der festen Bindung an eine Charakterklasse löst, dürfen wir unsere Kräfte innerhalb der drei Talentbäume Biotik, Tech und Kampf erstmals uneingeschränkt ausbauen und kombinieren: So können wir unsere Gegner beispielsweise mit einer Granate (Kampf) aus der Deckung treiben, sie anschließend via Kraftfeldmanipulation in die Luft heben (Biotik), um ihnen dann ein automatisches Geschütz auf den Hals hetzen (Tech).

Das sorgt nicht nur für explosive Synergieeffekte, sondern lädt zum ausgelassenen Experimentieren ein; zumal wir die Talentpunkte, die wir bei jedem Stufenanstieg investieren, gegen ein paar Credits immer wieder neu verteilen dürfen. Leider wird diese neugewonnene Freiheit jedoch gleich wieder eingeschränkt, da wir von allen Spezialfähigkeiten immer nur drei zur gleichen Zeit ausrüsten dürfen – schade!

Schlachtfeld 2.0

Das tut den spannenden Gefechten jedoch keinen Abbruch. Schließlich haben die Entwickler großes Augenmerk darauf gelegt, mehr Dynamik in die Third-Person-Deckungs-Shooter-Mechanik der Vorgänger zu bringen. Nicht nur sind viele Kräfte auf die strategische Nutzung des Raums ausgelegt, auch das im Kampfanzug integrierte Jetpack ermöglicht uns, auf dem Schlachtfeld eine erhöhte Position einzunehmen oder schnelle Ausweichmanöver auszuführen.

Die neue Deckungsmechanik allerdings, bei dem sich unser Protagonist nicht länger per Knopfdruck, sondern automatisch bei Annäherung hinter einem Vorsprung verschanzt, funktioniert leider nicht immer verlässlich, so dass wir nicht selten unverschuldet im Kugelhagel stehen.

Wenn die größte Stärke zur Schwäche wird

Mass Effects größte Stärke war jedoch seit jeher das Inszenieren und Erzählen einer fesselnden Geschichte sowie die Etablierung liebevoll gezeichneter Charaktere. Ironischerweise offenbart sich gerade hier Mass Effect: Andromedas Achillesferse. Denn obwohl uns auch in Andromeda viele interessante und sicherlich liebenswerte Charaktere begegnen, gelingt es uns nur selten, eine emotionale Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Das liegt zum einen an den bereits seit der Early-Access-Phase stark bemängelten Charakteranimationen, insbesondere aber an der zum Teil hölzernen Dialogführung: Viel zu oft müssen wir uns wundern, warum gerade die Fragen, die uns in spezifischen Gesprächssituationen am meisten unter den Nägeln brennen, nicht im Repertoire unseres Protagonisten vorkommen. Dieser Umstand führt nicht nur zu einem wiederkehrenden Unverständnis unsererseits, sondern auch für eine streckenweise extrem ungelenke Dramaturgie – und da sind wir von einem Mass Effect definitiv besseres gewohnt.

Fazit zu Mass Effect: Andromeda

Keine Frage, für sich genommen ist Mass Effect: Andromeda ein lohnendes Sci-Fi-Rollenspiel mit enormem Umfang, einer unterhaltsamen – wenn auch nicht sonderlich innovativen – Story, schnellen, effektgeladenen Kämpfen und massenweise interessanter Charaktere. In diesem Sinne können wir die Expedition in die Andromeda Galaxie ohne weiteres empfehlen!

Was wir jedoch ebenfalls empfehlen, ist, nicht zwangsläufig den Vergleich zur vorangegangenen Shepard-Trilogie zu ziehen – diesem kann Mass Effect: Andromeda nämlich nicht ansatzweise standhalten.


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Mass Effect: Andromeda

Electronic Arts/BioWare

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