Lords of the Fallen
Lords of the Fallen im Game-Test | Foto: Koch Media
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24. Nov 2014

Christopher Lymer

Games

Lords of the Fallen

Stimmungsvolles Action-RPG für Hartgesottene

Als Bösewicht gegen das Böse

In der düsteren Fantasywelt von Lords of the Fallen steht die Menschheit kurz vor dem Untergang: Dämonische Heerscharen eines vor Jahrtausenden vernichteten Gottes haben eine Brücke zwischen den Dimensionen erschaffen und fallen getrieben von zerstörerischer Wut in die Welt der Lebenden ein.

In der Rolle eines verurteilten Schwerverbrechers namens Harkyn werden wir von unserem Mentor, dem Magier Kaslo, aus dem Kerker befreit, um die Einfallstore zu schließen und die dämonischen Horden zurückzutreiben. Warum dabei ausgerechnet auf unseren Schultern die letzte Hoffnung der Menschheit lastet, erfahren wir allerdings nicht. Sei's drum: Wir wissen, welches Ende der Axt wir auf den Feind richten müssen – das muss erstmal reichen!

Harkyn, der Alleskönner

Anders als bei den meisten Rollenspielen wird uns mit Harkyn ein fertiger Spielercharakter vorgegeben. Der glatzköpfige Hüne mit Dreitagebart und Runen-Tattoos auf dem Gesicht lässt sich zwar leider nicht weiter individualisieren, macht dafür aber von Haus aus eine gute Figur.

Zu Beginn des Spiels können wir Harkyn eine von drei Magieschulen zuweisen, von denen jede unseren Helden mit vier freischaltbaren Zaubern ausstattet. Zudem dürfen wir eine Startausrüstung wählen, die sich grundlegend auf die Spielweise auswirkt: So bietet das leichte Wams zwar weniger Schutz, ermöglicht aber wendige Manöver, wo hingegen wir mit schwerer Panzerung zwar einige Hiebe einstecken können, aber recht unbeweglich sind.

Auf Basis der gewählten Kombination werden anschließend unsere Startwerte festgelegt. Im Laufe des Spiels können wir unser Vorgehen bald nach Belieben wechseln, je nachdem welche Ausrüstung wir anlegen.

Ressourcenmanagement á la Dark Souls

Und damit wären wir auch schon bei der Kernmechanik: Wie bei den Souls-Spielen ist die Kondition unseres Helden die wichtigste und zugleich knappste Ressource. Jeder Schlag, jedes Blocken mit dem Schild, jedes Ausweichen kostet uns wertvolle Ausdauer. Entsprechend taktisch müssen wir bei der Wahl unserer Ausrüstung vorgehen: wuchtige Waffen richten beispielsweise großen Schaden an, sind aber meist langsam und kosten viel Energie. Zudem bewegt sich unser Held umso behäbiger, je mehr seine Ausstattung wiegt.

Zwar lassen sich durch das Investieren gesammelter Erfahrungspunkte alle Attribute und somit auch die Traglast und Ausdauer erhöhen, das Ressourcenmanagement bleibt jedoch stets eine immense Herausforderung.

Letzteres gilt allerdings auch für das Bekämpfen unserer Gegner: Wie bei der Souls-Reihe lautet auch hier das Zauberwort "Geduld". Denn jeder noch so kleine Gegner kann uns gefährlich werden, gehen wir unbedacht vor. Beobachten, abwarten, zuschlagen – nur auf diese Weise ist hier ein Überleben möglich. Dies gilt umso mehr für die abwechslungsreichen Bossgegner, welchen uns Lord of the Fallen in regelmäßigen Abständen zum Fraß vorwirft.

No risk, no fun

Dark Souls-Veteranen wird dies alles nur allzu bekannt vorkommen. Allerdings bringt Deck13 an vielen Stellen eine eigene Note ins Spiel, zum Beispiel über das Risk-Reward-System: Auf unserer Reise durch die Welt von Lords of the Fallen sammeln wir bei jedem Sieg Erfahrungspunkte, die wir an Check-Points zum Aufleveln einlösen können. Entscheiden wir uns aber, diese nicht zu investieren, winkt ein Multiplikator, der uns je nach Menge an Erfahrung in unserem Gepäck mit zusätzlichen Punkten belohnt. Das Risiko? Trifft der nicht unwahrscheinliche Fall ein, dass wir bei der nächsten Feindberührung unser Leben aushauchen, verlieren wir alles.

In diesem Fall gilt es, so schnell wie möglich zum Ort unseres Ablebens zurückzukehren. Denn dort bleibt unsere eifrig gesammelte Erfahrung zurück, verringert sich aber kontinuierlich, je mehr Zeit wir für die Bergung benötigen. Sterben wir bei dem Versuch, müssen wir uns endgültig von ihr verabschieden. So stellt uns Lords of the Fallen permanent vor die süß-quälende Entscheidung, abzuwägen und setzt uns somit unter Dauerspannung.

Fazit zu Lords of the Fallen

Lords of the Fallen macht keinen Hehl daraus, dass es sich die Spielmechanik der Souls-Reihe zum Vorbild nimmt. Braucht es auch nicht! Das Gameplay funktioniert, ist fesselnd und bietet gerade genug eigene Elemente, um nicht als kompletter Abklatsch negativ aufzufallen.

Während das Action-RPG mit hochaufgelösten Texturen, üppigem Design und beeindruckenden Lichteffekten gegenüber der Vorlage punktet, kann es in Sachen Komplexität und Atmosphäre allerdings nicht mithalten. Ebenso vermissen wir die grandiosen Multiplayer-Optionen des Vorbilds.

Trotzdem ist Lords of the Fallen ein lohnendes Spielerlebnis und ein wichtiger Schritt, die charakteristische Spielmechanik des Souls-Franchise als Grundlage eines neuen Genres zu etablieren. Also: Ran an die Axt!

 

Lords of Fallen

Koch Media/Deck13

Erhältlich für PC, Playstation 4 und Xbox One

Ab 16 Jahren

lordsofthefallen.com

Artikel-Bewertung:

3.46 von 5 Sternen bei 95 Bewertungen.

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