Tiger Girl Sicherheitsdienst
Szene aus "Tiger Girl" | Foto: © 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Fogma

Filme

05.04.2017

Tiger Girl

Tiger Girl

Einmal aufs Maul, bitte

Echte Charaktere, echte Dialoge, echte Gefühle: "Tiger Girl" macht Schluss mit Fake, denn im wahren Leben ist nicht alles rosa Watte und Plüsch. Das muss die schüchterne, ... mehr »

Autorenbild

06. Apr 2017

UNICUM Onlineredaktion

Filme

Wie im Film? So arbeiten Sicherheitsexperten wirklich!

"Wer vorbereitet bleibt, braucht sich nicht ständig vorzubereiten"

UNICUM: Herr Feldschau, warum haben Sie sich für den Karriereweg als Sicherheitsexperte entschieden?
Orce Feldschau: Es war weniger eine spontane Entscheidung, als eine gewisse Form von Berufung. Ich habe eine besondere  Ausprägung im Sinne meines Rechts- und Unrechtsbewusstseins und dies ist sicher auch ein Antrieb gewesen. Tugenden sind für mich persönlich eine elementare Kenngröße, diese sind für die Durchführung meines Berufes sehr zielführend und sicher auch eine starke Motivation in bestimmten Situationen. Mein Lebensweg hat mich in diesen bestimmten Bereich der Dienstleistung geführt, wohin es in der Zukunft geht, weiß ich nicht vorherzusagen. Sicherheit ist ein wesentlicher Aspekt in jedem Lebensbereich; ich hoffe sehr, einen Beitrag im Sinne der Aufrechterhaltung beziehungsweise Wiederherstellung geleistet zu haben und leisten zu können. Meinen Mitmenschen zu helfen war mir stets ein persönliches Anliegen und das habe ich immer in verschiedenster Art und nach meiner Möglichkeit umgesetzt.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Glücklicherweise bewege ich mich in einem sehr facettenreichen Dienstleistungssektor. Die Fülle an Anforderungen an meine Person macht meinen Alltag sehr abwechslungsreich, denn es ist ein Credo, vorbereitet zu sein. Wer vorbereitet bleibt, braucht sich nicht ständig vorzubereiten. Es handelt sich hierbei um körperliche sowie geistige Attribute, die zu berücksichtigen sind. Jeder neue Auftrag bestimmt eine neue Aufgabe; jeder neue Klient ist in seiner Individualität eine neue Erfahrung, eine Erkenntnis und eine Herausforderung, der man sich anpassen sollte und welche auch ein gehöriges Maß an Improvisationstalent erfordert.

Da es für den Film ja kein richtiges Drehbuch mit vorgeschriebenen Dialogen gab,  sondern nur ein sogenanntes "Skelettbuch“, vermischen sich in den Szenen Fiktion und Realität. Wie war die Erfahrung beim Dreh für Sie? Waren die Szenen ähnlich wie das, was Ihnen im Alltag begegnet?
Ich hatte schon die ein oder andere Berührung mit der Schauspielerei und es war immer etwas, das ich, wenn auch nebenbei, sehr gerne gemacht habe. Die darstellende Kunst hat mich schon in früher Kindheit begleitet, jedoch habe ich ein Auskommen in diesem Bereich bisher nicht besonders forciert. Gelegenheiten wie dieses tolle Projekt lasse ich mir ungern entgehen. In der Realität prägen sich derartige Verhaltensmuster eher nicht aus; zumindest würde ein solches oder ähnliches Verhalten zu sofortigen Konsequenzen führen, die in einer Ablösung der betreffenden Person zum Ergebnis hätten. Eine derart kurze Geschichte sollte in diesem Film jedoch nicht erzählt werden, so habe ich mich den Wünschen meiner Regie gefügt und es ist das entstanden, was der Betrachter nun geboten bekommt. Es gab kein klar definiertes Drehbuch, jedoch wurde schon eine bestimmte Richtung vorgegeben, die es umzusetzen galt. Die Kulisse war jedoch so realitätsnah wie möglich. Dieses wunderbare Projekt mit den ebenso wundervollen Beteiligten hat mich mit Freude, Spaß, Erfahrungen und tiefem Respekt für die Professionalität erfüllt. Ich habe mich gerne daran beteiligt, da mich die Kreativität und das ungewisse Ergebnis sehr gereizt haben. Kaum einer wusste um die tatsächliche Geschichte, die am Ende dargestellt werden sollte. Das Risiko hat sich aus meiner Sicht vollends ausgezahlt und Ich möchte den Machern meinen Dank aussprechen.



Die Ausbildung zum Sicherheitsexperten ist gesetzlich nicht geregelt

Welche Voraussetzungen muss man für die Ausbildung zum Sicherheitsexperten mitbringen? Wie sieht die Ausbildung aus?
Es gibt in diesem Metier sehr viele Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung und mittlerweile noch viel mehr Anbieter, welche diese durchführen. Auch der Gesetzgeber regelt hier sehr wenig, was zu abenteuerlichen Inhalten in einigen Ausbildungen führt. Hier entsteht ein Dilemma, denn es ist für Novizen kaum möglich, die Spreu vom Weizen zu trennen. Grundsätzlich sollte ein einwandfreies Führungszeugnis nachweisbar sein, ein gepflegtes Äußeres sowie ein entsprechendes Durchsetzungsvermögen können helfen. Körperliche und geistige Fitness sind ebenso maßgebend, um nur einige zu nennen. Innerhalb der Ausbildung spielen aus meiner Sicht bestimmte Grundlagen eine wichtige Rolle, hier einige Beispiele: ein fundierter Aufbau von Kenntnissen der Rechtslage in diesem Zusammenhang, einsatztaktisches Training und die Vermittlung von Fachwissen, das Erreichen eines  gewissen Levels an körperlicher Fitness, die Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Selbstverteidigung und der Verteidigung Dritter, etc. etc. Diese Liste lässt sich noch ein wenig erweitern, ich unterbreche das jetzt, um nicht auszuschweifen.

Security ist ja ein eher männlich konnotierter Beruf, im Film geht es um ein Mädchen, das diese Ausbildung macht. Wie ist die Geschlechterverteilung bei den Auszubildenden? Gibt es Unterschiede im Verhalten während der Ausbildung?
Dieser Feststellung möchte ich zustimmen; Frauen bilden nach wie vor einen geringeren Anteil der Kräfte in diesem Gewerbe. Ich möchte großzügig einen Anteil von 15 Prozent schätzen. Ich habe in der durchgeführten Ausbildung in der Vergangenheit keinen größeren Anteil an weiblichen Trainees feststellen können, als jenen, welchen ich zuvor genannt habe. Zusätzlich zu den herkömmlichen und naturgegebenen Unterschieden zwischen den Geschlechtern, kann ich keine Besonderheiten wiedergeben, diese sind auch nicht Teil meines Verständnisses der Vermittlung von Basiskenntnissen im Rahmen der Qualifikation von Auszubildenden. Es gibt klare Parameter, die es unabhängig von Alter oder Geschlecht zu erfüllen gilt oder eben nicht, alles Weitere ist aus meiner Perspektive surreal und unangemessen. Diese Parameter sollten den realen Anforderungen im jeweiligen beruflichen Alltag angepasst sein, gerne mehr, jedoch nicht weniger.

Wie sehen die Berufsaussichten aus? Ist das ein Beruf, den man bis zur Rente machen kann?
Dieser Sektor ist wie man gerne formuliert "im ständigen Wachstum", wie das sich verwächst vermag ich nicht zu sagen. Es gibt sehr viele Einsatzfelder, was durchaus in vielen Altersgruppen zu einer Aufgabe und Einsatzmöglichkeit führt, solange man seine Nische findet und seinem Auftrag gerecht wird, kann es in bestimmten Fällen bis zur Rente reichen.


Orce Feldschau Tiger Girl


"Leider ist es mit der Anerkennung und dem Ansehen noch ausbaufähig"

Im Film nutzen die beiden Mädchen die Autorität als Security aus, um mit Leuten zu machen, was sie wollen und sie sogar zu beklauen. Wie realistisch ist das? Haben Leute tatsächlich solchen Respekt vor einem Security-Mann/einer Security-Frau, dass sie quasi alles mit sich machen lassen? 
Leider gibt es eben überall schadhafte Individuen und dies äußert sich dann im Umgang mit der jeweiligen Umwelt. Im großen Gesamtbild möchte ich behaupten, das die Masse der eingesetzten Kräfte nach bestem Wissen und Gewissen handelt; Ausnahmen bestätigen hoffentlich auch zukünftig die Regel. Ein wesentliches Problem ist nach meiner Feststellung das mangelnde und sehr oberflächliche Wissen über die eigenen Rechte sowie Pflichten des einzelnen Betroffenen, was schnell zu fehlerhaften Reaktionen auf beiden Seiten in dieser Konfrontation führen kann. Die Ausprägung der "Ausschweifungen" kann durchaus irritierend sein und ist in wenigen Einzelfällen leider nur durch die Fantasie des Handelnden begrenzt. Wie gesagt, es mag vorkommen, ist aber in seriösen Unternehmen eher nicht zu erwarten, welche diese seriösen sind, ist zu prüfen.

Wie wird der Beruf Ihrer Meinung nach in Deutschland angesehen?
Leider ist es mit der Anerkennung und dem Ansehen noch ausbaufähig, im Bewachungsgewerbe, wie in Bezug auf andere Berufsbilder, die ähnlich geartet sind (Polizei/ Feuerwehr/Pflegekräfte etc.). Das Ansehen ist hierzulande aus meiner Sicht nicht immer angemessen – das mag daran liegen, dass ein "Eingreifen" fast hauptsächlich bei Unregelmäßigkeiten erforderlich ist und dann als Störung und/ oder Einschränkung seitens der Sicherheitskräfte wahrgenommen wird. Ziel eines Sicherheitsdienstleisters, ob Unternehmer oder Mitarbeiter sollte es sein, Schaden abzuwenden und nach bestem Wissen und Gewissen Sicherheit zu generieren.

Was ist das "Krasseste", das Ihnen je passiert ist?
Hier möchte ich nicht gerne zu sehr ins Detail versinken, leider habe ich am eigenen Leibe Gewalt erfahren müssen, dazu gehören verbale Entgleisungen, körperliche Angriffe, Messerattacken sowie Zwischenfälle mit Schusswaffen. Einiges hat sichtbare Narben hinterlassen anderes bleibt im Stillen eine innere Auseinandersetzung.  Es ist auch Teil des Tagesgeschäftes, zu sehen, was anderen widerfährt. Ich bin kein Freund von Gewalt, gerade deshalb ist die intensive Auseinandersetzung mit derartigen Konflikten wichtig. "Si vis pacem para bellum" scheint mir als Zitat und ergänzende Erläuterung passend.


Tiger Girl FilmplakatUNICUM Film-Tipp

Tiger Girl

Martial Arthouse, Deutschland 2017

Regie: Jakob Lass

Darsteller: u.a. Ella Rumpf, Maria Dragus, Enno Trebs

Verleih: Constantin Film Verleih GmbH

VÖ: 6. April 2017

Mehr Infos: https: www.constantin-film.de/kino/tiger-girl

Artikel-Bewertung:

3.37 von 5 Sternen bei 79 Bewertungen.

Deine Meinung: