Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie
Sam (Zoey Deutch) erlebt den gleichen Tag immer wieder | Foto: capelight pictures

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31. Mai 2017

Hannah Essing

Filme

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Girls Club – Vorsicht bissig?

Sam (Zoey Deutch) hat das perfekte Leben – sie gehört zu den beliebtesten Mädchen der Schule, hat drei beste Freundinnen (Halston Sage, Cynthy Wu, Medalion Rahimi) und einen gutaussehenden Freund (Kian Lawley). Zwar hat sie die typischen Teenager-Probleme, so wie eine nervige kleine Schwester, Streit mit ihrer Mutter und Angst vor dem ersten Mal, aber es könnte eindeutig schlechter aussehen für sie. So wie zum Beispiel für Juliet (Elena Kampouris), die zum Dauer-Opfer von Beschimpfungen, Beleidigungen und Witzen geworden ist. Sam und ihre Freundinnen sind nämlich die typischen Mean Girls ihrer High School, beliebte Mädchen, die am "Cupid Day", dem 12. Februar, haufenweise Rosen von ihren Mitschülern bekommen, jedes Wochenende auf einer anderen Party sind und Klatsch und Tratsch über andere Mädchen verbreiten. 

Der 12. Februar ist also ein ganz normaler Tag für Sam, sie steht auf und streitet sich mit ihrer Familie, fährt mit ihren Freundinnen zur Schule, küsst ihren Freund, lässt einen Klassenkameraden (Logan Miller), der auf sie steht, abblitzen, und fährt abends auf eine Party. Die eskaliert allerdings und endet damit, dass Außenseiterin Juliet öffentlich gedemütigt wird und flüchtet. Die Stimmung ist zerstört und so machen die vier Freundinnen sich auf den Heimweg – nur um in einen Autounfall zu geraten, bei dem Sam ums Leben kommt.



Und täglich grüßt das Murmeltier?

Doch Sam erwacht wieder am Morgen des 12. Februars, in ihrem Bett, und erlebt den gleichen Tag erneut. Und erneut. Und erneut. Auch wenn sie es schafft, nicht auf der Party zu landen, wacht sie morgens auf und ist gezwungen, wieder den gleichen Tag zu verbringen. In typischer Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Manier geht sie durch verschiedene Phasen: leugnet was passiert, entwickelt eine Mir-ist-alles-egal-Attitüde, bis sie erkennt, was sie ändern muss, damit die Zeitschleife endlich ein Ende findet. Dabei findet sie nicht nur mehr über die Menschen um sich herum heraus, sondern auch über sich selber.

"Become who you are"

Auch wenn das Prinzip des Films nicht neu ist, ist die Story doch mitreißend – zumindest ab einem gewissen Punkt. Die erste halbe Stunde ist schmerzhaft für jeden Zuschauer, da die Hauptcharaktere anfangs unausstehliche Stereotypen sind, die sich Regina George nicht als Vorbild hätten nehmen sollen. Zwar ist Protagonistin Sam nicht die antreibende Kraft hinter dem Mobbing in der Schule, aber als Mitläuferin, die nie ihrer besten Freundin widerspricht, ist sie nicht viel sympathischer.

Die Vorstellung, das Verhalten der Freundinnen am 12. Februar in Dauerschleife zu sehen ist anstrengend, deshalb ist die Freude umso größer, als Sam beginnt, sich zu verändern und den Tag anders zu gestalten. Unter dem Motto "become who you are" lernt sie, einfach sie selbst zu sein und sich nicht daran zu orientieren, was andere von ihr erwarten. Sie versteht, dass jede kleine Handlung große Auswirkungen auf ihr eigenes und auf das Leben anderer hat. Ihre Charakterentwicklung ist realistisch, dadurch wird sie zu einem liebenswerten Hauptcharakter.


Szene aus Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie


Fazit zu "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie"

Der Film startet langsam, nimmt dann aber an Fahrt auf und bleibt spannend, mit düsterer, verregneter Atmosphäre und einem Soundtrack mit Künstlern wie Lolawolf, Shamir und Kurt Vile. Auch Fans von Lauren Olivers Original-Roman können durchatmen – wie in jeder Buchverfilmung gab es zwar Änderungen im Skript, der Film bleibt aber nah an der Buchvorlage

Erwähnenswert ist, dass nicht nur die Hauptcharaktere weiblich sind, sondern auch Regie (Ry Russo-Young) und Drehbuch (Maria Maggenti) von Frauen geführt und geschrieben sind. Hauptdarstellerin Zoey Deutch sagt selber: "Ich wünschte, es wäre keine Seltenheit, aber ich denke, es ist wunderbar, dass so viele Frauen in diesen Dreh involviert waren. Die Romanvorlage wurde von einer Frau geschrieben ebenso wie das Drehbuch. Die Regisseurin des Films ist eine Frau und es handelt sich vorrangig um eine weibliche Besetzung. Ich bin natürlich stolz darauf." Warum allerdings der englische Originaltitel, "Before I Fall", nicht beibehalten wurde, bleibt offen – der geht zumindest leichter von der Zunge als WDSZDGLADVSS.


UNICUM Film-Tipp:

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie 

Drama, USA 2017

Regie: Ry Russo-Young

Darsteller u.a.: Zoey Deutch, Halston Sage, Logan Miller, Kian Lawley, Elena Kampouris

Verleih: capelight pictures und Wild Bunch Germany

Kinostart: 1. Juni 2017

Mehr Infos unter www.facebook.com/DeinGanzesLeben

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