Rezension zu Pom Poko
"Pom Poko" – ab 19. Februar auf Blu-ray | Foto: Universum Film/1994 Hatake Jimusho GNH
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19. Feb 2016

Stefan Schröter

Filme

Pom Poko

Der Anime-Film für Fortgeschrittene

Guerillakrieg der Marderhunde

"Pom Poko" erzählt die Geschichte einer Kolonie von Marderhunden in der japanischen Region Tama nahe der Millionenstadt Tokio. Nachdem die mythischen Tiere jahrhundertelang neben den Menschen gelebt haben, sind sie jetzt von der Expansion der urbanen Metropole bedroht. Als Nahrung und Platzangebot knapp werden, beschließen die Marderhunde unter der Führung von Matriarchin Oroku und Abt Tsurugame die alte Kunst der Verwandlung wiederzubeleben und sich den Menschen im Kampf zu stellen. Damit beginnt der verzweifelte Guerillakrieg der Marderhunde gegen die scheinbar übermächtigen Menschen um den eigenen Lebensraum.

Japanische Mythologie und die Kräfte der Natur

Der 1994 unter der Regie von Isao Takahata und nach einer Idee von Hayao Miyazaki entstandene Animationsfilm "Pom Poko" von Studio Ghibli war in seinem Erscheinungsjahr der erfolgreichste Film in Japan. In Deutschland gehört er zu den unbekannteren Werken von Ghibli – mit Sicherheit auch, weil der Anime erst im Jahr 2007 in Deutschland erschienen ist und ein gewisses Grundverständnis der japanischen Kultur und Mythenwelt voraussetzt.

Die Hauptrollen übernehmen in "Pom Poko" zudem nicht die Menschen, sondern eine Marderhund-Kolonie rund um die Charaktere Shoukichi und Gonta. Die Marderhunde (japanisch: Tanuki, nicht zu verwechseln mit Waschbären!) haben eine prominente Rolle in der japanischen Mythologie und werden oft als menschenähnlich und hochentwickelt charakterisiert.

Die Ähnlichkeit von Freund und Feind

Thematisch schlägt "Pom Poko" in eine ähnliche Kerbe wie der drei Jahre später erschienene Megahit "Prinzessin Mononoke". Das Zusammenleben zwischen Mensch und Natur spielt eine wichtige Rolle. Vor allem die Frage, wie es für Mensch und Tier möglich ist, eine friedliche Koexistenz zu führen. Dabei schlägt "Pom Poko" zwar eine lockerere Richtung an als "Prinzessin Mononoke", behält jedoch trotz Slapstick und Comedy seinen ernsten Unterton.

Neben dem Kampf gegen die Menschen steht vor allem die Gemeinschaft der Marderhunde im Fokus, denn auch diese werden von den Folgen des Fortschritts nicht verschont. Andererseits nutzen die tierischen Protagonisten mit Freude die Auswüchse der modernen Technologie – vom eigenen Fernseher bis hin zu Hamburgern – und sind damit ihren Feinden ähnlicher, als sie denken.

Weniger Computeranimation, mehr Charakter

Animationstechnisch bewegt sich "Pom Poko" auf einem hohen Niveau. In Sachen Charakterdesign merkt man dem Film zwar deutlich die Herkunft aus den 1990er-Jahren an, die Qualität der Animationen ist jedoch Ghibli-typisch über jeden Zweifel erhaben. Im Gegensatz zu späteren Filmen des Studios sind die Computeranimationen jedoch weniger vorherrschend. Der Soundtrack der aus Okinawa stammenden Band Shang Shang Typhoon untermalt das Geschehen passend.

Die optisch aufbereitete HD-Version reiht sich mit ihrem ansprechenden Packungsdesign perfekt zu den anderen Blu-rays der Studio Ghibli Collection ein. Bild- und Tonqualität sind sehr gut – hier gibt es nichts zu meckern. Zudem liegen der Erstausgabe drei exklusive Postkarten bei. Einzig ein Booklet wäre wünschenswert gewesen – um die spezielleren mythologischen Fakten des Filmes, wie beispielsweise die Rolle des Marderhundes, zu erklären.

Pom Poko: das Fazit

Für Einsteiger im Bereich Anime ist "Pom Poko" gewiss nicht der optimale Film, um das Studio Ghibli kennenzulernen. Die Charaktere sind abstrakter als in anderen Werken des bekannten japanischen Animationsstudios und um den Film vollständig zu verstehen, ist einiges an Vorwissen vonnöten. Trotzdem ist Pom Poko ist eine schöne Ergänzung zum bisher im Rahmen der Studio Ghibli Blu-ray Collection erschienenen Portfolio, vor allem da die Aufbereitung in HD sehr gut gelungen ist.

Fans von Hayao Miyazaki und Studio Ghibli machen hier nichts falsch – Anfänger starten zum Kennenlernen des berühmten Animationsstudios lieber mit einem der bekannteren Filme wie "Ponyo", "Prinzessin Mononoke" oder dem oscarprämierten Meisterwerk "Chihiros Reise ins Zauberland".


Blu-ray von Pom Poko | Foto: Universum FilmPom Poko

Fantasy/Comedy, Japan 1994

Regie: Isao Takahata

Verleih: Universum Film GmbH

VÖ: 19. Februar 2016

Online bestellen (Amazon): Pom Poko

www.facebook.com/UniversumAnime


Nachtrag: Kleine Mythologie des Marderhundes

  • Marderhunde beherrschen, neben Füchsen und einigen Katzen, die Kunst der Verwandlung, mit der sie sich in verschiedene lebendige und materielle Objekte verwandeln können – unter anderem auch in Menschen.
  • Diese Fähigkeit nutzen die Marderhunde in "Pom Poko", um die Menschen auszuspionieren und sie sowohl als Geister zu erschrecken als auch physisch anzugreifen, um die Zerstörung ihres Lebensraumes zu verhindern. Viele dieser Streiche beruhen auf japanischen Legenden, Mythen und Geistergeschichten.

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