Filmcheck von Science Fiction-Filmen
Sind solche Naturkatstrophen möglich? | Foto: Thinkstock/Igor Zhuravlov
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14. Mär 2016

Denise Haberger

Filme

Der Naturwissenschafts-Filmcheck

Experten prüfen vier Sci-Fi-Blockbuster

Contagion (2011)

  • Darsteller: Matt Damon, Kate Winslet, Gwyneth Paltrow, u.a.
  • Darum geht’s: Ein mysteriöses Virus fordert weltweit Millionen Opfer. Während die Gesellschaft im Chaos versinkt, versuchen Wissenschaftler ein Heilmittel zu entwickeln.
  • Das sagt der Experte: "Die in dem Film dargestellte Pandemie eines Erregers mit Mensch-zu-Mensch-Übertragung, extrem kurzer Inkubationszeit, schwerster Symptomatik und hoher Sterberate ist nicht sehr plausibel. Auch die dargestellte Geschwindigkeit, mit der sich der Erreger über die Welt verbreitet, ist so nicht sehr realistisch. In der Regel verlaufen Epidemien deutlich langsamer. Falls ausreichendes Wissen um den Erreger und dessen Immunkontrolle vorhanden ist, Plattformen für die Produktion existieren und die gesetzlichen Rahmenbedingungen etabliert sind, können Impfstoffe wie bei der Grippe innerhalb von Monaten bereitgestellt werden. Die Darstellung im Film, dass es nur das Überleben eines einzigen geimpften Versuchstiers und eines heroischen Selbstversuchs bedarf, wird diesem aufwendigen Prozess jedoch nicht gerecht."

The Day After Tomorrow (2004)

  • Darsteller: Dennis Quaid, Jake Gyllenhaal, Emmy Rossum u.a.
  • Darum geht’s: Die Erde wird von riesigen Flutwellen, Hagelstürmen und Tornados heimgesucht. Es droht sogar eine neue Eiszeit. Schuld daran ist die globale Erwärmung.
  • Das sagt der Experte: "Der Film ist überzeichnet und die Auswirkungen des Klimawandels werden absolut unrealistisch dargestellt. Vor allem das Eiszeit-Szenario entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Selbst wenn der Golfstrom aufhören würde zu strömen – was ein kälteres Klima zur Folge haben könnte –, wäre das eher vergleichbar mit dem in Kanada und keinesfalls mit einer Eiszeit. Wir betreiben mit unserem Planeten ein gigantisches Experiment – mit einem ungewissen Ausgang. Natürlich nehmen die Wetterextreme zu, somit zeigt der Film schon eine richtige Tendenz. Aber die Intensität ist total übertrieben."
  • Der Experte: Prof. Dr. Mojib Latif ist Klimaforscher am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.


The Core – Der innere Kern (2003)

  • Darsteller: Aaron Eckhart, Hilary Swank u.a.
  • Darum geht’s: Der Erdkern hat aufgehört, sich zu drehen. Terranauten reisen zum Mittelpunkt der Erde und versuchen den Kern mithilfe von Atombomben wieder anzuschmeißen.
  • Das sagt der Experte: "Schon die Ausgangslage ist falsch: Da laut Film der Erdkörper selbst (also Mantel und Kruste) weiter rotiert, müsste an der Kern-Mantel-Grenze zwangsläufig Reibung entstehen, die einerseits Hitze erzeugt, andererseits langsam den kleineren Kern mit sich ziehen würde. Demnach rotiert er wieder von ganz allein. Auch die Rettungsmission wäre nicht machbar. Das Raumschiff würde bei der Temperatur in der Kern-Mantel-Grenze schmelzen, wenn es nicht vorher schon durch den Druck zerquetscht würde. Zu guter Letzt hätte selbst die stärkste bisher gebaute Atombombe nicht die ausreichende Sprengkraft. Das ist in etwa so, als würden Sie versuchen allein mit Ihren Händen einen (hohlen) Ball von der Größe des Mondes in Drehung zu versetzen."
  • Der Experte: Dr. Andreas Schmidt arbeitet am Institut für Geophysik und Geologie der Universität Leipzig.


Gattaca (1997)

  • Darsteller: Ethan Hawke, Uma Thurman, Jude Law  u.a.
  • Darum geht’s: Nur mit Gentechnik optimierte Menschen bekommen alle Chancen. Alles anderen gelten als "invalid" und muss sich mit Handlangerdiensten zufriedengeben.
  • Das sagt der Experte: "Wir sind heute tatsächlich in der Lage, genetische Informationen deutlich schneller zu erhalten. Aber so schnell, wie das im Film dargestellt wird, geht es noch nicht. Auch die Menge an DNA (im Film durch ein Haar) würde für eine genetische Gesamt-Analyse nicht ausreichen. Der größte Fehler: Es wird nicht alles ausschließlich durch Genetik bestimmt und kann somit auch nicht sicher vorhergesehen oder genetisch optimiert werden. Der Film blendet die Rolle der Umwelt und des eigenen Verhaltens aus. Die Haarfarbe eines Menschen ist zum Beispiel nicht genau vorhersehbar. Und ob jemand dick wird, hängt nur zum Teil von genetischen Faktoren ab. Wie ich mich ernähre und bewege, hat meistens viel größere Auswirkungen."
  • Der Experte: Prof. Dr. Christian Kubisch leitet das Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

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