Informatik Film Check
Werden Hacker im Film realistisch dargestellt? | Foto: Thinkstock/stevanovicigor
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02. Okt 2015

Denise Haberger

Filme

Der Informatik-Filmcheck

Drei Filmszenen unter der Lupe

Der Klassiker: Hackers – Im Netz des FBI (1995)

Darsteller: Angelina Jolie, Jonny Lee Miller, u. a.

Die Szene: Der Hacker Plague klaut einem großen Konzern Geld, indem er in dessen System einen Wurm einschleust. Der überweist automatisch kleinere Beträge auf ein Nummernkonto.

Das sagen die Experten: "Ein Wurm, der von jeder Transaktion einen kleinen Betrag abzweigt, also sogenanntes 'Salami Slicing' betreibt, ist damals wie heute prinzipiell denkbar. Online-Banking gibt es schon seit den 80er-Jahren. Als IT-Sicherheitsbeauftragter des geprellten Konzerns kann Plague seinen Wurm leicht in das Abrechnungssystem einschleusen – laut einer Studie von IBM stehen so genannte 'Insider' hinter über 50 Prozent aller Cyber-Angriffe. In einem Punkt muss die Realität allerdings leider enttäuschen: Bislang bestehen Computerviren und -würmer nicht aus fliegenden mathematischen Formeln und schönen 3D-Animationen."

Die Experten: Christian Rossow ist Leiter der Forschungsgruppe "System Security" an der Uni des Saarlandes, Johannes Krupp ist einer seiner Studenten.
 


Made in Germany: Who Am I – Kein System ist sicher (2014)

Darsteller: Tom Schilling, Elyas M’Barek, u. a.

Die Szene: Um den Star-Hacker MRX im Darknet auszustechen, hackt sich die Hacker-Gruppe CLAY erfolgreich in das System des deutschen Geheimdienstes, des Bundesnachrichtendienstes.

Das sagt der Experte: "Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass Sicherheit entgegen des üblichen Wortgebrauchs nicht absolut ist. Durch das Aufzeigen einer Sicherheitslücke kann zwar deutlich gemacht werden, dass ein System unsicher ist. Wird eine Lücke nicht aufgezeigt, heißt das jedoch nicht automatisch, dass das System sicher ist. Es ist daher nicht undenkbar, dass Hacker tatsächlich die Sicherheitssysteme von Geheimdiensten knacken können. Wir wissen, dass bei dem Angriff auf den deutschen Bundestag genau so von Phishing Gebrauch gemacht wurde. Auch sind bereits Daten eines Geheimdienstes entwendet worden: die Snowden-Dokumente."

Der Experte: Arnold Sykosch arbeitet als Informatiker in der AG IT-Security an der Uni Bonn und im Cyber Security Department des Fraunhofer-Instituts für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie.
 


Der Aktuelle: Blackhat (2015)

Darsteller: Chris Hemsworth, Viola Davis u. a.

Die Szene: Aufgrund eines Cyberangriffs kommt es in einem Hongkonger Atomkraftwerk zu einer Explosion. Der Bösewicht Blackhat hat ein Schadprogramm in das System eingeschleust und damit die Kühlsysteme manipuliert.

Das sagt der Experte:
"Wir erfahren jeden Tag in den Medien, dass unser IT-Technologien, wie z. B. im Bundestag, nicht sicher genug sind. Das heißt die Widerstandsfähigkeit reicht nicht mehr aus, um professionelle Hacker abzuhalten. Ja, das Szenario des Films ist realistisch! Das Knacken von Sicherheitssystemen eines Atomkraftwerks ist durchaus möglich. Der Aufwand ist zwar sehr hoch, aber für das Umsetzen von politischen Zielen spielen die Kosten keine große Rolle. In einem realen Fall haben die Amerikaner und Israelis mit einer intelligenten Malware, die neun Millionen US-Dollar gekostet hat, die Uran-Aufbereitung im Iran um zwei Jahre verzögern können."

Der Experte: Norbert Pohlmann ist Professor für Informationssicherheit und Leiter des Instituts für Internet-Sicherheit an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Über die "Cyber Security Challenge Germany" sucht er junge IT-Sicherheitsexperten.
 

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