Das Tagebuch der Anne Frank
Lea van Acken als Anne Frank | Foto: ©2015 Zeitsprung Pictures, AVE & Universal Pictures Productions
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08. Mär 2016

Ann-Christin Kieter

Filme

Das Tagebuch der Anne Frank

Die junge Hauptdarstellerin Lea van Acken im Interview

"Ich habe zur Vorbereitung Briefe an Anne geschrieben"

UNICUM: "Anne Frank" ist ein extrem bewegender Filmstoff. Gab es Szenen, vor denen du besonders Angst hattest?
Lea van Acken: Für die Szene am Ende im Konzentrationslager sind mir die Haare tatsächlich abrasiert worden, das war schon sehr intensiv. Natürlich gab es dabei nur einen Versuch und ich hatte Angst, etwas falsch zu machen. Aber es war so eine Ausnahmesituation, da denkt man nicht: "Oh Gott, Cut!", sondern es passiert einfach. 

Stimmt es, dass du zur Vorbereitung Briefe an Anne geschrieben hast?
Ja. Als ich wusste, dass ich die Rolle habe, konnte ich das Tagebuch nicht nochmal lesen. Ich konnte mir nicht anmaßen, mich in die Gefühle eines Mädchens hineinzufressen, dem in meinem Alter so etwas Schreckliches widerfahren ist. Dann habe ich angefangen, ihr über meinen Schullalltag, meine Familie und all das zu schreiben. Damit habe ich versucht, diese Respekt-Mauer ein bisschen aufzubrechen. Dann fand ich es wieder o.k., ihr Tagebuch zu lesen.

Wie und wo habt ihr die Szenen in dem Hinterhaus gedreht, in dem sich Anne Frank versteckt hat?
Das Hinterhaus wurde in den MMC Studios in Köln nachgebaut und war 30 Prozent größer, damit überhaupt die Kameras hineinpassen. Außerdem konnte man die Wände teilweise rausnehmen. Trotzdem war es sehr, sehr eng und man fühlte sich irgendwie klaustrophobisch. Aber es war auch nicht so, dass man uns nicht rausgelassen hätte.

"Ich finde es gut, dass Anne auf Facebook stattfindet"

Das Anne-Frank-Haus ist die Touristen-Attraktion in Amsterdam, jetzt gibt es dort auch ein Musical und Justin Bieber hat schon ein Selfie von sich mit der Wachsfigur bei Madame Tussauds gepostet – findest du, dass das alles ein bisschen zu weit geht?
Jede Generation muss sich anders mit der Thematik auseinandersetzen. Man darf es nicht verwitzeln oder in eine komische Ecke ziehen. Aber ich finde es gut, dass Anne auf Facebook stattfindet. Um sie greifbar zu machen, darf man keinen zu großen Respekt vor ihr haben.

Was ist das Wichtigste, das man heute aus der Geschichte lernen kann?
Sie zeigt, wohin dumpfe Fremdenfeindlichkeit und Rassismus führen. In unserem Film wächst man so mit Anne mit und plötzlich wird sie aus dem Leben gerissen, ermordet. Den Zuschauer mit diesem Gedanken zu lassen, dass es einfach keinen Grund dafür gab … Und ich habe auch gelernt, wie wichtig Zivilcourage ist. Die insgesamt acht Menschen hätten sich ohne ihre Helfer, die Mitarbeiter von Otto Frank, ja nicht verstecken können.

Mit welchen Kollegen würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
Jennifer Lawrence. Es ist unglaublich, was sie alles schon geschafft hat. Ich finde auch Christoph Waltz toll. "Inglourious Basterds" werde ich nicht vergessen. Oder the "The Wolf of Wallstreet" von Martin Scorsese. Da hätt ich gerne mitgemacht. Und wenn Quentin Tarantino anruft, würde ich auch nicht Nein sagen.


Lea als Anne Frank | Foto: © 2015 Zeitsprung Pictures, AVE & Universal Pictures ProductionsLea van Acken: kurz und knapp

Lea van Acken wurde 2014 bekannt durch die Hauptrolle der tief religiösen Maria im Drama "Kreuzweg". Ein Jahr später hatte sie eine kleine Rolle in der fünften Staffel von "Homeland", die komplett in Deutschland spielt. In zwei Jahren macht sie Abi und könnte sich ein Studium im sozialen Bereich vorstellen.


UNICUM Abi-Kinotipp

Plakat von "Das Tagebuch der Anne Frank" | Foto: © 2015 Zeitsprung Pictures, AVE & Universal Pictures ProductionsDas Tagebuch der Anne Frank

Drama, Deutschland 2015

Regie: Hans Steinbichler

Darsteller u.a.: Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen u.a.

Verleih: Universal Pictures International Germany

Im Kino: seit 03. März 2016

Artikel-Bewertung:

3.25 von 5 Sternen bei 151 Bewertungen.

Deine Meinung:

Veröffentlicht am 09. Mär 2016 um 13:43 Uhr von Susanne Bodin
Super !
Veröffentlicht am 11. Mär 2016 um 23:16 Uhr von Marita Grossmann
liebe Lea, für deinem Spagat zwischen deiner Freundin Anne Frank und deinem Leben als einer ziemlich begabten jungen Dame im Jahre 2016 danke ich dir von ganzem Herzen!!! Du sollst wissen, dass jede Träne angesichts deiner gewagten Identifikation mit Anne der Aufarbeitung des Holocausts für deine junge Generation und überhaupt für alle Menschen ein Akt der Versöhnung und des Friedens ist, weil es nur um die Anerkennung des Leidens gehen kann. I love you.
Veröffentlicht am 14. Apr 2016 um 13:19 Uhr von Jutta Werz
Ich finde das Buch echt spannend
Veröffentlicht am 16. Apr 2016 um 14:54 Uhr von Zirpel
Hab das Tagebuch vor ca. 40 Jahren im Deutschuntericht kennegelernt-es berührt mich nach wie vor
Veröffentlicht am 03. Mai 2016 um 21:24 Uhr von Willi Dietrich
Nach wie vor berührend