About A Girl: Charleen und ihre Mutter Sabine
Charleen (links) und Mutter Sabine auf dem Heimweg aus dem Krankenhaus | Foto: IMBISSFILM
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28. Jul 2015

Simon Sperl

Filme

About A Girl

Jasna Fritzi Bauer brilliert als depressive Jugendliche

Ein Selbstmordversuch verändert alles

Die fünfzehndreivierteljährige Charleen (Jasna Fritzi Bauer) steht auf die Musik von Nirvana, The Doors und Jimi Hendrix, sammelt Polaroids toter Vögel und Insekten und macht ihr Schulpraktikum bei einem Bestatter. Kurzum: Der Tod ist ihr ständiger Begleiter – denn das Leben nervt sie. In der Schule ist die Teenagerin eine Außenseiterin und auf ihre Familie hat sie gar keinen Bock. Ihre durchgeknallte Mutter (Heike Makatsch) trennte sich von ihrem Vater, als sie sechs war und ist nun ausgerechnet mit Charleens Biolehrer Volker (Simon Schwarz) zusammen. Auch der kleine Bruder Oscar (Lauritz Greve) stört mehr, als dass er sie aufheitert. Einzig allein bei Oma Emmi (Dorothea Walda) fühlt sie sich verstanden und sucht dort öfter bei einer Tasse Kakao Zuflucht und Trost.

An einem der besonders furchtbaren Kakao-Tage entschließt sich Charleen, Schluss zu machen. Kurzerhand steigt sie in die Badewanne, in der einen Hand den MP3-Player, in der anderen den Föhn. Doch das geht gründlich daneben. Anstelle zu sterben, landet sie mit einem gestauchten Halswirbel im Krankenhaus. Und damit gehen ihre Probleme erst richtig los: Eine nervige Sozialarbeiterin macht ihr das Leben schwer, der Vater taucht aus dem Nichts wieder auf und ihre Mutter schickt sie zu einem schrägen Jugendtherapeuten. Bei diesem trifft Charleen zu allem Überfluss auch noch auf den Klassenstreber Linus (Sandro Lohmann). Wider Erwarten entwickelt sich zwischen den beiden sogar mehr als nur eine Freundschaft. Irgendwie scheint sich das Leben doch noch zum Positiven zu entwickeln. Bis ihre neue Lebensfreude durch einen Schicksalsschlag auf eine harte Probe gestellt wird…

Grübelnd, wütend und rotzfrech: Jasna Fritzi Bauer

Mit seinem Kinofilmdebüt "About A Girl" wagt sich Regisseur Mark Monheim mit rabenschwarzem Humor an ernste Themen heran. Dabei macht er auch nicht vor der Todessehnsucht eines Teenagers, der ersten Liebe oder dem Loslösen von den Eltern Halt. Anstatt mit erhobenem Zeigefinger daherzukommen, überzeugt gerade diese lockere Inszenierung mit ihrer Botschaft: Das Leben kann trotz aller Widrigkeiten schön sein. Dafür sorgen vor allem die bösen, schlagfertigen Dialoge, die die gesamte Dramatik ins Positive drehen. Kein Wunder also, dass der Film an Tragikomödien wie "Juno" oder "Little Miss Sunshine" erinnert.

Passenderweise wird die Handlung konsequent aus der Perspektive und mit der Stimme Charleens erzählt. Als Glücksgriff für den Film erweist sich Hauptdarstellerin Jasna Fritzi Bauer. Sie spielt die 16-jährige Charleen trotz ihres Alters von 25 Jahren unglaublich überzeugend. Jederzeit nimmt man ihr die rotzfreche und gleichzeitig orientierungslose, unglückliche Teenagerin ab. Kein Wunder also, dass sie für ihre Leistung mit dem bayerischen Filmpreis 2014 für die beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet wurde. Passend besetzt wurde auch die Rolle der spleenigen und überbesorgten Mutter mit Schauspielerin Heike Makatsch.

Nicht zuletzt dank der starken Bilder, der knalligen Farben und dem Spiel mit dem Kamerafokus ist "About A Girl" ein kurzweiliger und berührender Film über das Erwachsenwerden. An dessen Ende natürlich ein Happy End nicht fehlen darf.


"About A Girl": Ab 6. August im KinoAbout A Girl

Tragikomödie, Deutschland 2014

Regie: Mark Monheim

Darsteller u.a.: Jasna Fritzi Bauer, Heike Makatsch, Simon Schwarz, Lauritz Greve, Dorothea Walda, Sandro Lohmann

Verleih: NFP marketing & distribution

VÖ: 06. August 2015

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