Cover des Romans von David Whitehouse
Auschnitt des Covers von "Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek" | Foto: Tropen Verlag
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09. Feb 2015

Heike Kruse

Bücher

UNICUM ABI Buchtipp: Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek

Der zweite Roman des Autors und Journalisten David Whitehouse nach "Bed"

Hals über Kopf ins Abenteuer

Der Roman von David Whitehouse beginnt mit dem Ende der Geschichte. Nicht ganz dem Ende. Denn wie Rosas Mutter Val treffend feststellt:

"Bücher sind das Leben. Es gibt nicht nur den Teil, den du liest. Sie fangen schon lange vorher an. Und sie gehen danach weiter. Alles geht ewig weiter. Du nimmst nur für ein paar Seiten daran teil, für die Dauer eines winzigen, aus der Zeit geschnittenen Fensters."

Als Leser ist man zunächst verwirrt, versteht nicht, warum eine kleine Familie in einem Bücherbus sitzt, die Polizei sie umzingelt und warum zwei Kinder mit Hund zum Eis-Holen geschickt werden. Aber damit kriegt uns David Whitehouse in die Geschichte mühelos hinein.

Der zwölfjährige Bobby Nusku erobert im Sturm unsere Sympathie. Er hat sie auch verdammt nötig, wächst er doch bei einem gewalttätigen Vater Bruce und dessen herzlosen Freundin Cindy auf. Seine Mutter ist verschwunden. In der Schule hat er keine Freunde, bis er Sunny Clay trifft. Doch erst als er die geistig behinderte Rosa und ihre Mutter Val kennenlernt, verändert sich sein Leben zum Guten. Hals über Kopf schnappen sich die drei den Bücherbus und beginnen ihre wilde Abenteuerfahrt quer durch England.

Das Schöne ist, wir glauben David Whitehouse die ganze Geschichte. Mit Cyborgs, einem verlassenen Zoo und einer Menge an Literatur. Moby Dick, Alice im Wunderland, Mathilda, Der Eisenmann, Der kleine Prinz, Ein Freund wie Stig, Von Mäusen und Menschen, Robin Hood, Der große orangene Fleck, Die Schatzinsel, Die Brüder Karamasow, Der geheime Garten, Das Dschungelbuch - und ich habe sicherlich noch Romane übersehen, die von Val, Rosa und Buddy auf ihrer Reise gelesen werden.

Ein wenig mehr Märchen im Leben

In "Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek" schlägt uns die Kraft von Büchern unversehens entgegen. David Whitehouse legt Val eine unglaublich treffende Beschreibung, warum wir so gerne lesen, in den Mund:

"'In jedem Buch gibt es irgendeinen Hinweis auf dein eigenes Leben', sagte sie. 'Auf diese Weise sind die Geschichten alle miteinander verbunden. Du erweckst sie zum Leben, wenn du sie liest, und dann wirst du das, was darin passiert, auch selbst erleben.'"

Der Gedanke, die Grenzen der Literatur zu verwischen, ist verführerisch. Dieses wunderbare Gefühl, wenn die Fiktion die Wirklichkeit durchdringt, zieht sich durch den gesamten Roman. Bobby zeigt uns, wie man die Literatur in sein Leben lassen kann. Er erzählt seinem Freund Sunny ein Märchen mit einem Höhlenmenschen, einem Jungen, einer Königin und einer Prinzessin. Es ist seine Reise mit der gestohlenen Bibliothek verpackt in eine wundersame Geschichte.

Sonderbar und wunderbar

Manchmal hängt in einem Baum ein einzelnes braunes Blatt, sticht heraus und hält dem Wind eisern Stand. Genau so eine Besonderheit ist David Whitehouse mit "Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek" gelungen. Die Figuren sind herrlich sonderbar, die Handlung unvergleichlich kurios. Allein der Roman, der ist vor allem eins: zu Herzen gehend. Wer es liest, wird das Buch des jungen britischen Autors lieben und zum Schluss vielleicht ein Tränchen verdrücken.


Die Infos zum Buch

Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek
David Whitehouse
Tropen Verlag, Februar 2015
Preis: 19,95 €

Artikel-Bewertung:

3.46 von 5 Sternen bei 113 Bewertungen.

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